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Hoffnung für Betroffene Neues Alzheimer-Medikament bald lieferbar – doch Aduhelm ist umstritten

Sehen Sie im Video: Neues Alzheimer-Medikament Aduhelm ist bald lieferbar – und bleibt umstritten.




"Ich befinde mich in einem frühen Stadium der Demenz, es beeinträchtigt mich nicht all zu sehr. Mein Gedächtnis leidet allerdings. Manche Tage sind besser, andere schlechter. Das stört mich. Ich lege meine Brille ab, gehe weg und weiß dann nicht mehr, wo sie ist." Bill McKay aus dem US-Bundesstaat Michigan ist 69 Jahre alt und Alzheimer-Patient. Noch kommt der ehemalige Marathonläufer gut zurecht. Doch wie sieht die Zukunft aus? Ein Hoffnungsschimmer für ihn und rund sechs Millionen andere Erkrankte in den USA ist die gerade erfolgte Zulassung des Medikaments Aduhelm durch die US-Behörden. Nur einen Tag nach der Bestätigung hat Hersteller Biogen am Dienstag mitgeteilt, dass Aduhelm bereits in zwei Wochen ausgeliefert werden könne. Die überraschende Zulassung des in Zusammenarbeit mit dem japanischen Unternehmen Eisai entwickelten Mittels für alle Stadien der Krankheit gilt als Sensation, liegt die letzte US-Markteinführung eines Medikaments gegen die Demenzerkrankung doch mittlerweile 18 Jahre zurück. Aduhelm wird intravenös gegeben. Nach Angaben von Biogen haben sich in den USA bereits mehr als 900 Infusionszentren für die Verabreichung registrieren lassen. Ronald Petersen leitet das Alzheimer-Forschungszentrum an der Mayo Klinik in Rochester im Bundesstaat Minnesota. Er zeigt sich optimistisch: "Das ist ein aufregender Tag für alle Erkrankten. Jetzt dürfen sie hoffen, dass das Medikament einen positiven Einfluss auf ihren Krankheitsverlauf haben wird. Die bisher zugelassenen Mittel gegen Alzheimer haben lediglich die Symptome beeinflussen können, mit geringem Erfolg allerdings. Der Wirkstoff soll auf das Amyloid-Protein im Hirn wirken, das entscheidend ist bei dieser Erkrankung. Die Patienten könnten von der Reduzierung des vorhandenen Proteins profitieren." Neurologen und Patientenvertreter setzen also große Hoffnungen in das Medikament. Kritiker bemängeln eine unzureichende Testphase und fordern weitere Studien. Zuletzt war das Medikament von einem Expertenteam noch abgelehnt worden. Dennoch: Der Hersteller plant, mit dem Medikament bereits im kommenden Jahr schwarze Zahlen schreiben zu können. Bill McKays Frau Jill hat bereits mit ihrer Versicherung gesprochen, um zu erfahren, ob auch ihr Mann behandelt werden kann. "Noch ist es zu früh, noch ist das Medikament dort gar nicht registriert. Ich habe gehört, dass es sehr teuer sein wird. Da sind noch viele Fragen zu beantworten." Und tatsächlich: Pro Patient und Jahr summiert sich die Behandlung auf rund 50.000 Euro. Einen Großteil sollen die Krankenversicherer und das Medicare-Programm der US-Regierung tragen. Experten erwarten, dass der Preis für das Mittel von Biogen durch den Wettbewerb mit anderen Anbietern in absehbarer Zeit fallen wird.
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In den USA könnte rund sechs Millionen Alzheimer-Patienten schon bald geholfen werden. Doch Aduhelm des Herstellers Biogen gilt als umstritten.

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