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Gesundheitsrisiko: Wein und Bier - schon schädlich ab dem ersten Glas

Ein Glas Rotwein zum Abendessen oder ein Bier beim Picknick: Alkohol gehört für viele Menschen zu einem genussvollen Leben dazu. Eine große Studie kommt nun aber zu dem Schluss: Ein vollständiger Verzicht wäre wohl am besten.

Eine junge Frau trinkt Bier

Eigentlich wissen wir es ja: Alkohol ist ein Zellengift. Es zerstört die Leber, greift die Blutgefäße an, bringt das Herz aus dem Takt und erhöht das Risiko für Krebs. Dennoch hält sich hartnäckig der Glaube, ein Glas Wein oder Bier am Tag sei in Ordnung, vielleicht sogar gesund. Frühere Studien nährten den Mythos. Sie zeigten: Wer ab und zu ein Glas Wein trinkt, lebt länger.

Alles falsch? Ziemlich wahrscheinlich. Schon in der Vergangenheit stellten Wissenschaftler den Mythos des "gesunden Glases" in Frage. Nun geht ein internationales Forscherteam im Fachblatt "The Lancet" noch einen Schritt weiter: Sie betonen, dass bereits geringe Mengen Alkohol schädlich für die Gesundheit seien - und legen gesundheitsbewussten Menschen einen vollständigen Verzicht nahe.

Gesundheitsrisiko steigt "mit jedem Quantum Alkohol"

"Frühere Studien haben eine schützende Wirkung von
Alkohol unter bestimmten Bedingungen ergeben, aber wir haben
festgestellt, dass die kombinierten Gesundheitsrisiken im
Zusammenhang mit Alkohol mit jedem Quantum Alkohol steigen", erklärt Max Griswold von der "University of Washington" in Seattle.

Wie kommen die Forscher zu diesem Schluss? Das Wissenschaftlerteam um Griswold und Emmanuela Gakidou hatte 889 Studien über Alkoholkonsum ausgewertet. Die Untersuchungen umfassen Daten von 28 Millionen Menschen aus 195 Ländern. Das Team untersuchte den Zusammenhang von Alkoholkonsum und 23 verschiedenen Krankheiten.

Inbesondere der Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs, Verletzungen oder Infektionen sei sehr stark, betonen die Forscher. Das würde mögliche schützende Wirkungen von Alkohol, die in früheren Studien beobachtet worden seien, wieder ausgleichen. 

Mit der Forderung nach Abstinenz gehen die Wissenschaftler noch einen Schritt weiter als bisherige Publikationen. Erst vor wenigen Monaten erschien im Fachblatt "Lancet" eine Studie, die vor den Risiken von moderaten Mengen Alkohol warnt: Mehr als 100 Gramm Alkohol in der Woche erhöht demnach das Risiko, zu sterben oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu entwickeln. Diese Menge entspricht etwa fünfeinhalb Gläsern Wein oder 2,5 Litern Bier.

Nach Angabe des Jahrbuchs Sucht trinken Deutsche im Schnitt jedoch 165 Gramm reinen Alkohol in der Woche. "Die zentrale Botschaft dieser Forschung für die öffentliche Gesundheit lautet: Wenn Sie Alkohol trinken, kann ein geringerer Konsum Ihnen helfen, länger zu leben", erklärte damals Erstautorin Angela Wood von der britischen Universität Cambridge.

Alkoholfreie Tage einplanen

Die Forscher der aktuellen Studie fordern Fachgesellschaften weltweit dazu auf, ihre Empfehlungen für Alkoholkonsum zu überarbeiten und Abstinenz zu empfehlen. Der britische Statistiker David Spiegelhalter hält diese Forderung jedoch für überzogen, erklärt er in einer Mitteilung der "University of Cambridge": Er sichtete die Daten und betont, dass das Gesundheitsrisiko von Gelegenheitstrinker nur sehr leicht erhöht sei. Außerdem müsse man auch die Freude berücksichtigen, die ein Glas Wein in geselliger Runde mit sich bringe.

Deutschland verwendet im internationalen Bereich bereits eher strenge Richtwerte: Als akzeptabel gilt eine tägliche Alkoholmenge von etwa zehn Gramm bei Frauen und zwanzig Gramm bei Männern. Letzteres entspricht etwa einem halben Liter Bier oder einem viertel Liter Wein - für Frauen entsprechend die Hälfte. Doch auch diese Menge sollte nicht täglich ausgeschöpft werden: Ideal ist, mindestens zwei alkoholfreie Tage in der Woche einzuplanen.

Eine junge Frau trinkt Bier
ikr
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