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Wetterfühligkeit: Warum uns das Wetter müde macht - und was sich dagegen tun lässt

Mal warm, mal kühl - für unseren Körper ist dieser Sommer anstrengend. Ein Medizinmeteorologe gibt Tipps, was bei Wetterfühligkeit hilft.

Von Lea Wolz

Ständige Wetterwechsel sind für den Körper anstrengend

Ständige Wetterwechsel bedeuten für den Körper Arbeit

Herr Matzarakis, der Tag ist grau, wir fühlen uns müde, die Stimmung ist gedrückt. Sind das nur subjektive Befindlichkeiten - oder kann das nachgewiesenermaßen einen Einfluss auf unsere Stimmung haben?

Das kann es durchaus. Licht, Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit, aber auch die Belastung mit Pollen oder Feinstaub wirken auf unseren Organismus ein. Unser Körper hat eine bestimmte Betriebstemperatur - genauso wie ein oder ein Handy. Die 37 Grad Celsius Körpertemperatur versucht er zu halten, auch wenn das Wetter wechselt. Bei Sonne schwitzen wir daher, bei kühlen Temperaturen ziehen wir uns warm an.

Und die momentanen Wetterwechsel halten den Körper auf Trab?

Ja, zurzeit wird unsere Maschine gefordert. Anders ist das bei Außentemperaturen von 25 bis 27 Grad. In diesem Bereich muss der Körper am wenigsten arbeiten, damit er seine Temperatur halten kann. Dann fühlen wir uns wohl. Je größer die Abweichung von diesem Idealzustand, desto größer ist die Belastung.

Gibt es Menschen, die besonders wetterfühlig sind?

Es gibt drei Gruppen von Menschen: Solche, die aufs Wetter reagieren, Wetterfühlige und Wetterempfindliche. Zu ersten zählen wir alle. Wenn es regnet und der Tag grau ist, schauen wir raus und das Wetter drückt auf die Stimmung. Scheint die Sonne, freuen wir uns. Den pfeifenden Wind merken wir auf der Haut. All diese Wahrnehmungen haben aber noch keinen Einfluss auf den Gesundheitszustand und die Befindlichkeit. Bei Wetterfühligen, zu denen sich nach eigenen Angaben fast jeder zweite Deutsche zählt, ist das anders. Wetterempfindliche, chronisch Kranke etwa, spüren bereits im Vorfeld, dass sich das Wetter bald ändert.

Professor Andreas Matzarakis ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Freiburg.

Professor Andreas Matzarakis ist Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Freiburg.

Wie zeigt sich Wetterfühligkeit?

Manche Menschen haben Kreislaufbeschwerden, Migräne und Kopfschmerzen nehmen zu, die Gelenke schmerzen. Sie fühlen sich abgeschlagen, müde, gereizt. Können vielleicht nicht richtig schlafen und über den Tag fällt es schwer, sich zu konzentrieren.

Ich kann momentan also alles aufs Wetter schieben?

Definitiv nein. Das Wetter ist nicht immer an allem schuld. Aber es kann zu unseren Befindlichkeiten beitragen. Oft ist es ein Verstärker. Wer ohnehin schon Kopfweh hat, eine Migräne-Vorgeschichte oder wer momentan sehr gestresst ist, bei dem kann sich das Wetter noch zusätzlich auswirken. Hohe Ozonwerte belasten die Atemwege und das Herz. Asthma kann sich bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit verschlechtern. Und Hitze kann besonders für ältere Menschen oder Kranke ein Problem sein.

Was lässt sich gegen Wetterfühligkeit tun?

Auf Medikamente, etwa Schlaftabletten, würde ich verzichten. Man kann den Körper aber abhärten und trainieren. Ziehen Sie sich warm an und gehen Sie raus, auch wenn der Wind pfeift. Frischluft ist immer gut. Kalte und warme Wechselduschen härten ebenfalls ab und trainieren die Thermoregulation des Körpers. Eine ausgewogene Ernährung ist zudem wichtig: Sie sorgt für ausreichend Energie und belastet nicht, sodass der Körper sich gut auf die Temperaturwechsel einstellen kann.

Wie sind die Aussichten: War's das mit dem Sommer?

Das Wetter lässt sich leider nur fünf bis zehn Tage im Voraus mit einiger Sicherheit vorhersagen. Aber der Sommer hat ja noch etwas Zeit für seinen großen Auftritt: Bis Ende August bleiben uns noch 40 Tage. 

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