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Expertin im Interview "Es reicht, wenn man die Zähne zweimal am Tag putzt": Zahnärztin klärt über Mythen auf

Teaserbild: Getty Images/Andrey Popov
Sehen Sie im Video: Bloß nicht nach dem Essen Zähne putzen – Zahnärztin klärt über Zahn-Mythen auf.
















Sarah Winter: Gemeinsam mit Frau Dr. Freier habe ich über Zahnmythen gesprochen, die sie für uns aufdecken wird. Die studierte Zahnmedizinerin hat seit einigen Jahren ihre eigene Praxis, in der sie sich auf ästhetische sowie digitale Zahnheilkunde fokussiert hat. Hallo Frau Dr. Freier. Ich freue mich sehr, dass dieses Interview geklappt hat. Dann fangen wir doch direkt an mit dem ersten Mythos, und zwar nach dem Essen sollte man sofort seine Zähne putzen. 
Frau Dr. Freier: Der Mythos, dass man direkt nach dem Essen die Zähne putzen sollte, ist leider falsch. Denn im Essen sind ganz oft Säuren enthalten, zum Beispiel im Obst, in Orangensaft, also in vielen Dingen, die wir zu uns nehmen. Diese Säuren rauen Zahnschmelz an, wenn man direkt die Zähne putzt, würde man den abgelösten Zahnschmelz von den Zähnen sozusagen absetzen. Deswegen versucht man eine halbe Stunde zu warten, damit der Speichel einfach wieder und schon mal neutralisiert und man beim Zähneputzen nicht kaputt machen kann. 
Sarah WinterUnd wie steht es denn um die Behauptung, dass man am Tag eigentlich gar nicht oft genug seine Zähne putzen kann?
Frau Dr. Freier: Leider ist der Mythos, dass man gar nicht oft genug am Tag die Zähne putzen kann, auch nicht unbedingt richtig und vor allen Dingen auch nicht notwendig. Es geht darum, dass man die Zähne ordentlich und gründlich putzt. Und da reicht es vollkommen, wenn man das zweimal am Tag tut, also morgens und abends. Am besten putzt man die Zähne mit der Elektrischen- oder einer Handzahnbürste wirklich ausgiebig und an allen Stellen inklusive auch Zahnfleischrand und, ganz wichtig, auch die Zahn Zwischenraum-Pflege nicht vergessen. Also mit Zahnseide oder Interdentalbürstchen arbeiten auch die Bereiche zwischen den Zähnen ordentlich zu säubern. 
Sarah Winter:: Es wird oft gesagt, dass man seine Zähne von Rot nach Weiß putzen soll, also quasi weg vom Zahnfleisch. Doch was ist an diesem Mythos eigentlich dran?
Frau Dr. Freier: Ja, tatsächlich ist es so, das von Rot nach Weiß zu putzen die richtige Variante ist. Das bedeutet, immer wenn man eine Handzahnbürste benutzt, setzt man sie am Zahnfleischrand an, also am Übergang zwischen Zahnfleisch und Zahn, zwischen Rot und Weiß. Dann rüttelt man so ein bisschen, um dann nach unten hin zum Weißen hin das ganze auszustreichen, um die Bakterien auch alle zu entfernen und nicht noch in die Falte zwischen Zahnfleisch und Zahn reinzudrücken, sondern eben genau in die andere Richtung.
Sarah WinterDas Kaugummi kauen oder einen Apfel essen, das Zähneputzen ersetzen soll, das habe ich jetzt schon öfter gehört. Doch stimmt die Aussage.
Frau Dr. Freier: Leider kam Kaugummi kauen das Zähneputzen auf gar keinen Fall ersetzen. Kaugummi kauen ist eine Angewohnheit, die viele von uns haben. Es regt die Speichelproduktion an und Speichel ist immer gut um Essensreste wegzuspülen, um auch schon mal eine Säure-Neutralisation im Mund anzuregen. Also das Kaugummi kauen kann schon unterstützend wirken, aber es ersetzt auf gar keinen Fall die Mundhygiene. Also das bedeutet mechanisch mit einer Zahnbürste, mit einer Approximal-Bürste, also mit Zwischenzahnbürstchen oder der Zahnseide, muss man tatsächlich die Beläge manuell wegputzen. Auch den Apfel essen wir gerne. Er ist auch gesund, aber er dient leider nicht dazu, das Zähneputzen zu ersetzen. Im Grunde kann das Zähneputzen gar nichts ersetzen.
Sarah WinterZucker ist schlecht für die Zähne. Ich glaube, diesen Satz haben wir als Kinder alle oft genug gehört. Doch inwiefern schadet Zucker eigentlich unseren Zähnen? 
Frau Dr. Freier: Bei dem Mythos, dass Zucker schlecht für die Zähne ist, würde ich sagen halb richtig. Natürlich ist Zucker das Nahrungsmittel für die Bakterien, die Karies produzieren. Das bedeutet, immer wenn wir Zucker essen, geben wir den Bakterien etwas zu essen. Die Bakterien produzieren daraufhin Säuren und diese Säuren zerstören unseren Zahn und unseren Zahnschmelz. Daher ist Zucker natürlich schlecht für die Zähne, aber wir alle verzichten ungerne auf Zucker. Auch ich esse gerne mal was Süßes. Und daher ist es vor allen Dingen wichtig, dass man aufpasst, dass man den Zucker richtig konsumiert. Also das bedeutet, dass man wenn dann gleich zwei Stück Schokolade ist, statt mehrfach über den Tag verteilt, damit man einfach nicht so häufig die Zähne dem Zucker aussetzt. Dann natürlich nicht unbedingt den klebrigen Zucker für das Karamell-Bonbon, sondern vielleicht ist der Kuchen oder ein Keks. Das schadet zwischendrin auch nicht. Und dass man wie gesagt darauf achtet, dass man regelmäßig, also zweimal am Tag, die Zähne putzt, damit man die Bakterien, die sich gerne auf den Zähnen sammeln, auch entfernt und ihnen gar nicht die Chance gibt, den Zugang zu verstoffwechseln und damit Karies entstehen zu lassen. 
Sarah WinterDer letzte Mythos handelt von der Vererbung von schlechten Zähnen. Aber ist da eigentlich was dran? Also kann man Zahn Erkrankungen vererben? 
Frau Dr. Freier: Tatsächlich gibt es bei der einen oder anderen Erkrankung, was die Zahnsubstanz angeht auch einen erblichen Faktor. Bei manchen Dingen wissen wir einfach noch nicht, ob sie vererbt werden oder ob sie durch andere Umweltfaktoren ausgelöst werden. Es gibt Zahnschäden, die von Geburt an bestehen, die nicht jeder hat. Allerdings ist es vor allen Dingen davon abhängig, wie gut wir unsere Zähne pflegen, ob wir sie langfristig erhalten können, ob wir sie gesund halten und ob wir sie auch bis ins hohe Alter eventuell noch erhalten können. Das bedeutet, die tägliche Mundhygiene ist ganz, ganz wichtig und natürlich auch die Ernährung.
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"Zucker ist schlecht für die Zähne", "Schlechte Zähne sind vererbbar" und "Nach dem Essen sollte man Zähne putzen" – diese Mythen rund um unsere Zähne haben Sie bestimmt schon einmal gehört. Doch was steckt wirklich dahinter? Im Interview klärt Zahnärztin Verena Freier über Zahn-Mythen auf.

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