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CDU-Schatzmeister: Die Bank, der Linssen vertraute

Fein und vornehm und jetzt das: Die Briefkastenfirma des Helmut Linssen bringt die Trinkaus-Bank in die Schlagzeilen. Gute Werbung sind die Bahamas- und Panama-Konstruktionen nicht.

Von Wigbert Löer und Oliver Schröm

Die Bank, der Helmut Linssen 829.322 Mark anvertraute, ist verkauft, zumindest zu sehr großen Teilen. Ein Geldhaus aus Liechtenstein sicherte sich das Geschäft, mit dem die HSBC Trinkaus&Burkhardt International S.A. von Luxemburg aus über Jahre sehr viel Geld verdient hat. In ein paar Monaten wird der Sitz, der wenige Meter vom Luxemburger Flughafen entfernt liegt, geschlossen.

Das Mutterhaus allerdings residiert weiterhin an der Düsseldorfer Königsallee, und aus seiner Sicht ist die fast geschlossene Filiale im Großherzogtum nun eine Altlast: Trusts in Ländern mit viel Sonne und Strand, Stiftungen in Staaten mit hohen Bergen, Briefkastenfirmen – in der Privat- und Geschäftsbank wird nicht gern an die Konstruktionen erinnert, die so lange und so verlässlich Millionen brachten.

Diese Millionen nämlich, sie gingen zu großen Teilen nach Düsseldorf. Dort trugen sie bei zu Quartalszahlen, die gute Laune machten. "Very good job" der Kollegen drüben in Luxemburg, das war die Meinung in der Zentrale.

Freitag, der 13., wird zum Unglückstag

Zumindest bis 2011. Damals erklangen bei Trinkaus-Luxemburg die ersten Ansagen. Die Steuerehrlichkeit der Kunden, so schildern es ehemalige Mitarbeiter in Luxemburg, sei langsam wichtiger geworden. Das gute Geld, was man immer so gern genommen hatte im Mutterhaus, – es begann zu riechen. Im Herbst 2011 stank es dann.

Es war ein Freitag, der 13. Oktober, kein schöner Tag in der stolzen Geschichte des Bankhauses, das vor 229 Jahren gegründet wurde und lange, so schrieb mal das "Handelsblatt", als feine Adresse für diejenigen Vermögenden galt, denen Oppenheim zu glamourös und die Deutsche Bank zu kaufhausmäßig war. Durch eine Indiskretion kam an diesem 13. Oktober 2011 die Öffentlichkeit, dass das Land Nordrhein-Westfalen mal wieder eine Steuer-CD gekauft hatte. Eine aus Luxemburg diesmal. Dort residierten zu der Zeit mehr als 200 Banken, aber der Steuerfahndung NRW hatte man Kundendaten von Trinkaus angeboten. 3000 Datensätze hatten den Besitzer gewechselt. Es folgte das größte Steuererhebungsverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik.

Was tut eine feine, gar nicht so kleine Bank, wenn Teile ihrer Kundschaft auffliegen? Wenn sie selbst nicht weiß, welche Einzelfälle nun den Steuerbehörden vorliegen? Wenn gar manche Banker aus der Zentrale selbst ein Konto in Luxemburg führen?

Die drei Motive, Geld zu verstecken

Ein guter Teil der Menschen, die ihr Geld der Trinkaus Luxemburg anvertraut hatten, wollte dabei unentdeckt sein. So ist das mit Konten in Steuerparadiesen, viele Kunden haben eben oft auch diese Motive:

  • Sie wollen die Zinsen, die ihr Geld abwirft, in der Heimat nicht angeben und damit nicht versteuern.
  • Sie wollen das Geld vor der Ehefrau verstecken, etwa für den Fall einer Scheidung.
  • Sie haben Schwarzgeld und das Problem, dass sie es zu Hause nicht ohne größere Nachfragen anlegen können.

Die Stimmung bei Trinkaus Luxemburg ist an jenem Freitagnachmittag mit "erregt" nur unzureichend wiedergegeben. Kaum einer der damaligen Mitarbeiter hat den Nachmittag vergessen. Die Nachricht vom Datenklau erreichte sie umgehend, und ein hoher Manager der Trinkaus-Bank fand schneidige Worte für die Katastrophe. Er distanzierte sich nachdrücklich von dem Geschäft mit Stiftungen und Trusts, das die Luxemburg-Filiale betrieb. Seine Ansprache erlebten viele Kundenberater als unverschämt, manche als regelrecht ehrabschneidend. Als habe die Konzernspitze in Düsseldorf nicht von ihrem Treiben gewusst und profitiert.

Die Kunden sind panisch und erzürnt

Der Montag nach dem Freitag kam, und für die Mitarbeiter der Bank begannen arbeitsreiche Wochen. Aufgeschreckte Kunden meldeten sich, panisch, erzürnt. Sie überlegten, sich selbst anzuzeigen und ihrem Finanzamt die Kapitaleinkünfte aus dem Ausland umgehend nachzumelden. Dafür benötigten sie aber die Aufstellung aller Zinserträge ihrer Konten und Depots und zudem noch die jeweilige Saldenbestätigung. Die Kunden verspürten einen immensen Zeitdruck – jeden Tag konnte sich ja die Steuerfahndung bei ihnen melden. Spätestens dann hätte eine Selbstanzeige keine Gültigkeit mehr gehabt.

Die Frage für die Kundenberater war bei diesem Spiel gegen die Zeit nur: Wem helfen wir zuerst? Und wen lassen wir erst einmal hängen?

Der Mönchengladbacher Textilunternehmer Rolf Königs war der erste Fall, der öffentlich wurde. Königs gab zu, mehrere hunderttausend Euro Zinsen auf einem Trinkaus-Konto in Luxemburg nicht versteuert zu haben. Steuerfahnder machten eine Razzia, Königs musste kräftig nachzahlen.

Der Name Helmut Linssen fiel nicht bei der Trinkaus-Bank in Luxemburg – bis zum 18. November. Es war wieder ein Freitagnachmittag, als erneut ein Bankmanager aus dem Mutterhaus vor seine Kundenberater trat. Er wollte wissen, wer sich um Helmut Linssen gekümmert habe. Linssen war (und ist) der Bundesschatzmeister der CDU. Vor seiner Zeit als Chef Hüter der Parteikasse amtierte er als Landesfinanzminister in Düsseldorf. Der stern erzählt in seiner neuen Ausgabe (erscheint am morgigen Donnerstag) die Geschichte von Linssens Briefkastenfirmen auf den Bahamas und in Panama. Gestern berichtete stern.de vorab. Linssen reagierte, erklärte, er sei keine Steuern schuldig geblieben. Das hatte der stern auch gar nicht behauptet. Interessanter an seiner Reaktion war die Behauptung, die rund 830.000 Mark seien kein Schwarzgeld gewesen.

First-class-Behandlung für Linssen

An jenem 18. November 2011 war der Berater des Spitzenfunktionärs der CDU schnell ausgemacht. Danach wurden die Verwalter des Linssen-Depots in die Bank zitiert. Übers Wochenende suchten sie alte Unterlagen zusammen, erstellten die gewünschten Bescheinigungen. Am Montag gingen die Papiere in die Trinkaus-Zentrale nach Düsseldorf. Schnell und effektiv lief das alles – Helmut Linssen genoss eine Behandlung erster Klasse.

Gegen ihn selbst lief zu diesem Zeitpunkt bereits ein Verfahren. Die Behörden interessierten sich für seine Zeit als Anleger bei Trinkaus-Bank. Die letzten Jahre fielen nicht unter etwaige Verjährungsfristen.

Das Verfahren wurde allerdings eingestellt, weil Linssen zwischen 2001 und 2005 keine Gewinne machte mit seinem Trust. Er war dem deutschen Staat in dieser Zeit kein Geld schuldig geblieben. Die Trinkaus-Spitze in Düsseldorf erlebt die wilden Wochen aus dem Herbst 2011 in diesen Tagen noch einmal. Der Fall Linssen ist keine Werbung für ihr vornehmes Haus. Es verwundert daher nicht, dass Trinkaus-Chef Andreas Schmitz gegenüber dem stern sein Missfallen über die Recherche zu diesem Text ausdrückte.

"Sehr befremdlich", sagt der Trinkaus-Chef

Der stern hatte um Auskunft gebeten, ob Schmitz selbst die Zinserträge seines eigenen Kontos bei der Trinkaus in Luxemburg versteuert habe. Schmitz war einer der zahlreichen Banker, die ihr Geld nach Luxemburg gebracht hatten. Er sagte, er habe dem Finanzamt keinerlei Einkünfte vorenthalten. Und er hielt es für "sehr befremdlich", dass ihn diese Thematik erreiche. Schmitz gab sich als Banker, der das Bankgeheimnis ehrt – erst recht in eigener Sache.

In der Chefetage der Trinkaus-Bank in Düsseldorf wäre es den meisten Recht, dass weitere Namen von der Steuer-CD nicht bekannt werden. Keine neuen Namen von Prominenten. Und auch keine von eigenen Mitarbeitern.