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Der Investigativ-Blog: Beobachtungen bei der Gedenkfeier in Berlin

Für die Suche „Zwickauer Terrorzelle“ spuckt Google 282.000 Treffer aus, für die Wort-Kombination „Thüringer Terrorzelle“ nur 5760. Trotzdem benutzte Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer präsidialen Rede bei der „Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt“ gestern in Berlin diesen Begriff gleich zweimal. Damit stellt sie sich gegen die meisten Medien, in denen sich die Bezeichnung „Zwickauer Zelle“ längst durchgesetzt hat.

Von Schlagzeilenmachern so heiß geliebte Alliterationen sind beide Label. Warum bloß sprach Merkel von der „Thüringer Terrorzelle“? Haben ihre Redenschreiber sich von den Chefs des Bundeskriminalamts und des Bundesamtes für Verfassungsschutz beeinflussen lassen? Soll auch diese Wortwahl dazu beitragen, die Verantwortung für das Versagen der Sicherheitsbehörden bei der Aufdeckung der NSU-Mordserie vom Bund in die Länder abzuschieben?

Die thüringische Landesregierung hat im letzten Jahr eine selbstbewusste Werbekampagne mit dem Motto: „Das ist Thüringen“ entwickeln lassen und muss jetzt mitansehen, dass neben „Thüringer Wald“, „Thüringer Bratwurst“ oder „Thüringer Klößen“ auch die „Thüringer Terrorzelle“ ein feststehender Begriff werden könnte.

Menschenfänger Gauck

Der designierte Bundespräsidentenkandidat Joachim Gauck war bei der Gedenkveranstaltung in Berlin das begehrteste Fotomotiv und der meist gefragte Gesprächspartner. Lange nachdem die Gäste das Konzerthaus verlassen hatten, umringten Vertreter von Bürgerinitiativen gegen Rechte und ein paar verbliebene Journalisten den „Bürger“ Joachim Gauck, wie er sich auch an diesem Tag vorstellte. Sie wollten seine Hand schütteln, erhofften sich Unterstützung für ihre Projekte, drückten ihm Visitenkarten in die Hand und bestanden auf einem Erinnerungsfoto – ein Kandidat zum Anfassen.

Und selbst auf dem Gendarmenmarkt ließen die Bürger den künftigen ersten Bürger nicht in Ruhe. Einen kleinen Beleg für seine Eitelkeit lieferte Gauck nebenbei auch noch: seine dünne Metallbrille, die er anscheinend zum Lesen braucht, setzte er für ein Erinnerungsfoto flugs wieder ab.

Gauck badet in der Menge

Fotos und Text von: Dirk Liedtke