HOME

Der Investigativ-Blog: Finnland fasst den Fußballfeind

Zum zweiten Mal ist der Spiele-Verschieber Wilson Raj Perumal den finnischen Behörden ins Netz gegangen. Ob er nun in seine Heimat Singapur ausgeliefert werden wird, ist noch unklar. Dort könnte es ungemütlich für ihn werden.

Wilson Raj Perumal kennt finnische Gefängnisse. Bereits vor drei Jahren verhaftete ihn die Polizei. Seine ehemaligen Mafia-Partner, mit denen er regelmäßig Fußballspiele in aller Welt manipulierte, hatten ihn verpfiffen. Anschließen wurde Perumal in Rovaniemi der Prozess gemacht - zwei Jahre Haftstrafe erhielt er. Perumal rächte sich an der Wettmafia und stellte sich den europäischen Polizeibehörden als Kronzeuge zur Verfügung.

In den vergangenen Monaten, so schreibt die finnische Zeitung Helsingin Sanomat, sei Perumal mehrfach in Finnland gesehen worden. Offenbar fühlte er sich dort sicher. Doch in der vergangenen Woche griff die Polizei in Helsinki zu - wegen eines Haftbefehls aus Singapur.

Nun muss Perumal fürchten, in das Land seiner Ex-Mafiakollegen ausgeliefert zu werden. Dort sitzt bereits der Boss des Wettsyndikats im Knast, Dan Tan Seet Eng. Finnland hat zwar kein direktes Abkommen mit Singapur, das verhindere die Auslieferung jedoch nicht, sagte ein Sprecher des finnischen Justizministeriums. Wenn die singapurischen Behörden innerhalb von 30 Tagen ausreichend Beweise für Straftaten von Perumal vorlegen, die auch in Finnland gegen das Gesetz verstoßen, kann er ausgeliefert werden.

Perumal war es, der den europäischen Behörden die Namen des Mafiabosses Dan Tan Seet Eng und seiner Handlanger lieferte. Der konnte lange völlig unbehelligt von Singapur aus Spiele verschieben. Schließlich erhöhten die Europäer den Druck, ein Team der Staatsanwaltschaft Bochum reiste nach Singapur und übergab ihre Erkenntnisse. Im September vergangenen Jahres dann verhaftete die singapurische Polizei den Kopf der Mafia. Seitdem sitzt er im Gefängnis und kann sich vermutlich noch immer auf ein eng gewobenes Netz von Unterstützern verlassen. Um die Aussagen von Perumal vor Gericht in Singapur nutzen zu können, müssen die asiatischen Ermittler ihn entweder persönlich in Finnland vernehmen oder der Wettbetrüger muss in Singapur befragt werden. Es ist also denkbar, dass sie den so genannten "Kelon King" zurück in die Heimat holen - wo viele Wettmafiosi noch eine Rechnung mit ihm offen haben.

von: Nina Plonka

@stern_tir folgen
@n_plonka folgen

Foto: REUTERS/Kaisa Siren/Lehtikuva