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Der Investigativ-Blog: Polizeiaktionen in Italien, Ungarn und Singapur

Fußball-Italien ist schockiert: Razzia im EM-Vorbereitungslager, Ermittlungen wegen Spielmanipulation gegen Nationalspieler. Mich interessiert nur eine Frage: Steckt dahinter wieder Tan Seet Eng, der Kopf der asiatischen Wettmafia?

Überraschen würde es mich nicht, wenn die Verdächtigungen der italienischen Fußballspieler auf die Machenschaften dieses Mannes zurückgingen. Denn federführend bei diesen Operationen ist die Staatsanwaltschaft Cremona. Sie hatte im Dezember vergangenen Jahres bereits Anklage gegen 17 Personen erhoben, allen voran Tan Seet Eng, der Kopf eines asiatischen Wettsyndikats, genannt Dan Tan. Einige Monate zuvor hatten wir aufgedeckt, wie der Geschäftsmann aus Singapur und sein Netzwerk von Unterstützern sich durch manipulierte Spiele Millionen in die Taschen schaufeln.

Dan Tan hat enge Verbindungen nach Italien und vielfach Spiele dort manipuliert. Mehrmals reiste er in den vergangenen Jahren gemeinsam mit seinen Partnern dorthin, oft auch genau zu der Zeit, in der die Spiele stattfanden. „Es ist offensichtlich“, so die Anklageschrift aus Cremona, „dass sich die Asiaten insbesondere um den Transfer des für die verbotenen Absprachen bestimmten Geldes nach Europa kümmern.“

Dan Tan bestellte das gewünschte Ergebnis per Telefon bei seinen Handlangern, die Kontakt zu Spielern hatten. Am Spieltag der Partie US Grosseto FC gegen Reggina Calcio im Mai 2010 der Serie B erhielt er einen Anruf von Vinko S., der ihm berichtet, dass alles in Ordnung sei und er nun mit einem Spieler sprechen werde. „Tan Seet Eng antwortet ihm, dass 3 Tore notwendig sind“, so die Anklageschrift. „S. ist klar, dass er ein Ergebnis 1:2 meint und antwortet ihm, dass alles in Ordnung ist.“ Anschließend war Dan Tan dafür verantwortlich, große Summen Geld auf dem asiatischen Wettmarkt zu setzen.

Das Syndikat verfügt laut der italienischen Staatsanwaltschaft auch über Verbindungen in andere europäische Länder, wie Finnland, Deutschland, Griechenland, die Schweiz und Ungarn. Dort nahm die Polizei fünf Verdächtige fest, die mit Dan Tan in Verbindung stehen sollen.

Wie lange Dan Tan die Behörden noch auf Abstand halten kann, ist schwer zu sagen. Er wird per internationalem Haftbefehl gesucht. Derzeit soll er sich in Singapur aufhalten. „Er ist nicht so dumm das Land zu verlassen. In Singapur ist er sicher“, sagte mir eine gut informierte Quelle.

Wilson Raj Perumal

Doch auch dort verhaftete die Polizei Anfang dieser Woche vier Männer wegen Verdacht auf Spielmanipulation. Einer von ihnen soll für Wilson Raj Perumal gearbeitet haben. Der wiederum ist ein ehemaliges Mitglied von Dan Tans Kartell, sitzt aber inzwischen wegen Wettmanipulation im Gefängnis. Perumal war der erste, der europäischen Behörden ausführlich erzählte, wie das asiatische Kartell funktioniert. Als Kronzeuge erkaufte er sich von einem finnischen Gericht eine mildere Strafe.

Nun allerdings beschwert sich Perumal darüber, dass das Klima in Betrügerkreisen rauer wird. Seine jüngere Schwester Shanti sagt, ihr Bruder sei „sehr enttäuscht“ darüber, wie sich einige der ehemaligen Geschäftspartner in Singapur verhielten. „Er hat den Jungs all diese Sachen beigebracht, nun betrügen sie ihn“.

von: Nina Plonka

Foto: AFP Photo/ Kaisa Siren