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Umstrittene Geschäfte: Maschmeyers Flucht nach vorne

Jahrelang stritt der Investor mit einer Schweizer Bank um Millionen. Anlässlich einer stern-Enthüllung vor zwei Wochen zieht er jetzt gegen sie vor Gericht.

Von Dirk Liedtke und Nina Plonka

Der Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer hat die Schweizer Bank J. Safra Sarasin wegen Verletzung des Bankgeheimnisses verklagt, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Damit macht der Unternehmer eine Ankündigung wahr, die er vor zwei Wochen als Reaktion auf eine bevorstehende stern-Titelgeschichte gemacht hatte. Der stern hatte die dubiosen Geschäfte zulasten der deutschen Steuerzahler damals enthüllt.

Nachdem er von den Recherchen erfahren hatte, trat Maschmeyer am 18. März über das "Handelsblatt" die Flucht nach vorne an. Er wolle die Bank wegen vorsätzlicher Täuschung bei der Beratung über das Investment in einen Fonds verklagen. Merkwürdig: Das hatte er in den zurückliegenden bald zwei Jahren, in denen er bei der Bank Sarasin um seine Einlage kämpfte, nicht getan.

Fragwürdige "Cum-Ex"-Anlagekonstruktionen

Der auf eine Milliarde Euro geschätzte Maschmeyer investierte zwischen 2010 und 2011 für sich, seine Ex-Frau Bettina, seine Verlobte, die Schauspielerin Veronica Ferres sowie den HSV-Bundesliga-Trainer Mirko Slomka rund 40 Millionen Euro bei dem damals noch als Bank Sarasin firmierenden Geldinstitut in Basel. Auf eigenen Namen und über ein "Familienkonto" flossen weitere 15 Millionen Euro in die Fonds. Auch der Fleischunternehmer und Schalke-Boss Clemens Tönnies und der bekannte Hamburger Prominenten-Anwalt Matthias Prinz investierten laut stern-Recherchen in die Fonds.

Alle Investoren, inklusive Carsten Maschmeyer hatten - vom stern um eine Stellungnahme gebeten - betont, nichts von den fragwürdigen "Cum-Ex"-Anlagekonstruktionen zulasten des deutschen Steuerzahlers gewusst zu haben. Die Bank habe die Anlage vielmehr als sicher und unbedenklich dargestellt.

Steuerlücke seit 2012 gestopft

Die von Banken, Fonds und Brokern äußerst clever gestrickten Anlageprodukte nutzten trickreich zwischenstaatliche Steuerabkommen aus und ergatterten so mehrfache Steuerbescheinigungen. Der deutsche Fiskus erstattete in der Folge zahlreichen Investoren Kapitalertragssteuern in Milliardenhöhe, die vorher niemals gezahlt worden waren. Mit einer Gesetzesänderung wurde diese Steuerlücke Anfang 2012 endgültig gestopft.

Danach gerieten auch die Fonds, in die Maschmeyer und seine prominenten Freunde investiert hatten, in Schieflage. Alleine Maschmeyer soll aktuell noch 14 Millionen Euro zurückfordern. Eine Anzeige wegen Betrugs und Schadenersatzklagen Maschmeyers gegen die Bank sollen laut dem Bericht der Süddeutschen Zeitung noch folgen.

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und Nina Plonka