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Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer: Neuerdings Opfer

Zehntausende verloren ihr Erspartes und klagten gegen seinen AWD. Und nun? Inszeniert sich ausgerechnet Carsten Maschmeyer selbst als Opfer. Warum? Der Finanzguru hat aus der Vergangenheit gelernt.

Von Wigbert Löer und Andreas Mönnich

Carsten Maschmeyer. Einer, der sich bequatschen ließ. Der sich von Leuten, die nur auf Profit aus waren, ein Finanzprodukt andrehen ließ. Der über den Tisch gezogen wurde.

Der Finanzguru und Milliardär Maschmeyer - ein Opfer. Ein Witz?

Tatsächlich zeichnet der frühere Chef des Finanzvertriebs AWD im Moment eifrig genau dieses Bild von sich. Seitdem der stern im März mit der Titelgeschichte "Die Maschmeyer Connection" dubiose Investments in der Schweiz enthüllte, melden sich Maschmeyer selbst oder sein Sprecher regelmäßig zur Causa.

So kann man Zeuge einer Verwandlung werden, die ein Drehbuchautor nicht besser ersonnen haben könnte. Maschmeyer, das Gesicht des Finanzvertriebs, der immer eifrig auf sein "Beziehungskonto" einzahlte und heute mit Wirtschaftsführern bestens bekannt und mit Größen der Politik befreundet ist, mit Altkanzler Schröder etwa und der Neu-Verteididungsministerin von der Leyen. Der seinen Reichtum als Finanzunternehmer auf Heerscharen von Opfern aufbaute. Der seine AWD-Aktien für hunderte Millionen Euro pünktlich zur Finanzkrise an eine Schweizer Versicherung verkaufte.

Umstrittene Cum-Ex-Deals

Dieser Carsten Maschmeyer, bei dessen AWD sich Tausende Beratungsopfer meldeten und versuchten, wenigstens einen Teil ihres Ersparten wieder zu bekommen - er weiß genau, wie es ist, wenn die Rolle der Guten und des Bösen klar verteilt sind. Und so will Maschmeyer diesmal, beim Streit um die sogenannten Cum-Ex-Geschäfte, die zulasten deutscher Steuerzahler gingen, auf der anderen Seite stehen - auf der richtigen Seite. Die Rolle des Bösen kommt seiner Auslegung nach diesmal der Schweizer Sarasin-Bank zu.

Dort legte Maschmeyer zuerst fünf, dann zehn und dann noch einmal rund 37 Millionen Euro in Fonds an, die die umstrittenen Cum-Ex-Deals betrieben. Je 500.000 Euro gaben sein Freund Mirko Slomka (zurzeit Trainer beim Hamburger SV, damals gerade bei Schalke 04 entlassen und abgefunden) und die Schauspielerin Veronica Ferres (zurzeit Maschmeyers Verlobte, damals seine Freundin).

Schon am Tag, als der stern-Bericht erschien, bezeichnete sich Maschmeyer als "Opfer" der Bank. Seitdem berichten ausgewählte deutsche und Schweizer Medien kontinuierlich, wie die Sache sich aus Maschmeyers Sicht darstellt. So zementiert sich die neue Rollenverteilung. Die Bank und ihr Vorstandsmitglied Eric Sarasin kommen in den Texten dabei eher sehr schlecht weg.

"Beste Grüße aus St. Moritz"

Sarasin wird etwa in der Schweizer Zeitung "Sonntagsblick" als Banker beschrieben, der Maschmeyer zugesagt habe, dessen Einlage sei versichert. Danach wird dann beschrieben, dass die Bank nichts zurückgezahlt habe. Eric Sarasin steht als Banker da, der verzögert, verströstet und Zeit schindet.

Solche Schilderungen sind ergänzt durch SMS-Wechsel, die Privates öffentlich machen und der Zeitung kaum von Eric Sarasin selbst zur Verfügung gestellt worden sein dürften. Eric Sarasin, mit dem Maschmeyer seit mindestens 2008 bestens bekannt und später auch befreundet ist, kann nun im "Sonntagsblick" lesen, was er seinem Freund aufs Smartphone schickte: "Beste Grüße aus St. Moritz, wo ich am Sonntag den Engadiner Ski-Marathon laufen werden. Eric."

Derlei Indiskretionen, nicht schön für eine Freundschaft, werden von juristischen Drohungen flankiert. Mal kündigt Maschmeyer über Zeitungen an, er werde die Bank verklagen, mal mailt sein Anwalt, Maschmeyer habe ihn beauftragt, eine Klage gegen einen Ex-Banker der Sarasin-Bank wegen Verleumdung vorzubereiten. Der Banker ist in der Mail auch beim Namen genannt. Der Banker, sein früherer Chef Eric Sarasin und überhaupt das ganze Bankhaus - sie alle erleben nun, wie vehement einer ihrer Kunden um Geld und gute Schlagzeilen kämpft. Maschmeyer ist ein Macher, ein Finanzguru und sicher niemand, den man in Gelddingen locker übers Ohr haut. Aber wenn es um unschöne Aktiendeals zulasten deutscher Steuerzahler geht, naja: Dann ist Carsten Maschmeyer nun jetzt also ein Opfer.

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