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Stern Investigativ - Manipulation im Sport

Der Fußball-Wettskandal: 2 Länderspiele + 7 Elfmeter = Millionen für die Mafia

Anfang Februar fanden zwei merkwürdige Länderspiele statt, fast ohne Zuschauer und Kameras. Die Akteure, unter ihnen Bulgariens Coach Lothar Matthäus, ahnten nicht, dass offenbar Wettbetrüger die Partien organisiert hatten. stern-Recherchen zeigen: Es gelang der perfekte Coup.

Von W. Löer, N. Plonka, O. Schröm, D. Liedtke und A. Mönnich

Seit Jahren schon missfällt Lothar Matthäus, dass er als Trainer nicht an die wichtigen Orte des Fußballs berufen wird. Weder wollte ihn die Bundesliga, noch die spanische oder die englische Liga, auch kamen große Fußballnationen nicht auf die Idee, dem zweifachen Weltfußballer ihre Nationalelf anzuvertrauen. Matthäus trainierte in Israel und Osteuropa.

Er findet das unangemessen und ziemlich ärgerlich.

Den Abend des 9. Februar 2011, als Deutschland in Dortmund vor knapp 60.000 Zuschauern auf Italien traf, verbrachte Lothar Matthäus im türkischen Badeort Antalya.

Im "Mardan Sports Complex" trat die Nationalelf Bulgariens, die er trainiert, vor 150 Zuschauern gegen das Team von Estland an. Lothar Matthäus befand sich mal wieder weit weg von großen Namen und vollen Arenen - und dennoch in diesem Moment am spannendsten Ort der Fußballwelt.

Er wusste es nur nicht.

Wettbetrüger drehten in Antalya das ganz große Ding

Nach stern-Recherchen ergibt sich folgendes Bild: Die Wettmafia hatte das kleine Stadion für einen Coup ausgewählt, von dem die Paten aus Deutschland wohl allenfalls träumen können. Sie setzte diesmal nicht auf Partien der zweiten belgischen Liga, nicht auf Meisterschaftsspiele auf dem Balkan, nicht auf Begegnungen in der deutschen Regionalliga West.

Die Wettbetrüger drehten in Antalya das ganz große Ding. Denn die beiden Länderspiele Bulgarien gegen Estland und Bolivien gegen Lettland hatte sie offenbar selbst organisiert. Fast ohne Werbung, Fernsehübertragungen und fast auch ohne Zuschauer traten hier Nationen gegeneinander an - Länderspiele im Auftrag der Mafia.

Die Hauptrolle auf dem Feld übernahmen die Schiedsrichter.

Bolivien gegen Lettland, das erste Match in Antalya, endete 1 : 2.

Alle drei Tore fielen durch Elfmeter.

Drei Stunden später trennten sich Matthäus' Bulgaren von Estland 2 : 2. Auch hier wurde jedes Tor per Elfmeter erzielt.

Der perfekte Coup

Dem stern liegen Daten der Frühwarnsysteme vor, jener Computerprogramme, die Quotenverläufe zeigen und Hinweise auf Wetteinsätze geben. Aus den Zahlen und Kurven geht eindeutig hervor, dass auf die beiden Partien absurd hohe Summen gesetzt wurden. Die Gewinne waren gigantisch.

Ein paar Meter vom Mittelmeerstrand entfernt war der Wettmafia der perfekte Coup gelungen.

Die Fifa ermittelt noch, doch anhand von stern-Recherchen im Baltikum, in Asien und Südamerika lässt sich bereits rekonstruieren, wie die Millionenbetrüger vorgingen. Es ist das erste Mal, dass sich Wettbetrug auf diesem Niveau Schritt für Schritt nachvollziehen lässt. Die Mittel zum Erfolg: die richtigen Schiedsrichter, pünktliche Bezahlung und möglichst wenig Zeugen.

Im Oktober 2010 spricht in der Zentrale des bolivianischen Fußballverbandes in Cochabamba ein Mann namens Anthony Santia Raj vor. Er sei Manager der Agentur Footy Media International, erklärt Raj dem Generalsekretär Alberto Lozada, und Footy wolle den bolivianischen Jugendfußball unterstützen. Raj schlägt auch vor, heimische Schiedsrichter fortzubilden.

Kontakt mit den Esten

Außerdem bietet er an, mit seiner Agentur ein paar Länderspiele für Boliviens Nationalelf zu organisieren, eines gern schon am 9. Februar, einem offiziellen Länderspieltermin.

Generalsekretär Lozada findet in den folgenden Tagen heraus, dass Footy sich auch in Ecuador, Venezuela und Argentinien engagiert.

"Wir hatten deshalb keine Zweifel an ihrer Seriosität", sagt Lozada heute. Für die Südamerikameisterschaft der Unter-20-Jährigen plane die Agentur ein Vorbereitungsturnier, es solle im Dezember in Argentinien stattfinden.

Auch mit den Esten nimmt Footy Kontakt auf. Die Agentur nennt zwar die York Street 26 in London als Firmenadresse, nun aber bietet im Namen von Footy ein Hedy Larsen aus Tokio per E-Mail an, für den 9. Februar 2011 ein Länderspiel zu vereinbaren. Er schlägt eine Partie gegen Lettland vor, was für die Esten nicht infrage kommt: Für Kontakte zum Nachbarn bedarf man keiner Agentur. Zudem ist im Februar im Baltikum schlecht Fußball spielen - die Stadien sind verschneit.

Verhandlungen geraten ins Stocken

Doch ungewöhnlich ist die Anfrage nicht. Planung, Durchführung und Vermarktung von Länderspielen wurden in den vergangenen Jahren zu einem stetig wachsenden Markt. Auf dem tummeln sich Großagenturen wie Sportfive und Infront, aber auch kleine Wettbewerber wie Evol Sport, Simsport International oder Go-Sport. Bei Fußballkongressen und Auslosungen von großen Turnieren umschwirren die Agenten die Vertreter der Nationalverbände, um mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Hohe Summen sind zu verdienen, und nun betritt mit Footy eben ein weiterer Akteur das Spielfeld.

Am 6. Januar 2011 erscheint Anthony Santia Raj im Büro des estländischen Fußballverbandes.

Die Verhandlungen sind ins Stocken geraten, Raj will sie vorantreiben.

Dabei schlägt er einen vertrauten Ton an und bittet, ihn Tony zu nennen. Tony stammt aus Singapur, er ist warme Gefilde gewohnt und in der kaum geheizten Geschäftsstelle im Nationalstadion nicht allzu dick gekleidet.

Doch er redet sich warm.

Vier Tage, fünf Sterne

Der Mann, der auf Anfang 40 geschätzt wird, erzählt mit Begeisterung von seinem Leben als Sportmanager. Footy sei ein Neuling in der Branche, unterhalte aber exzellente Kontakte nach Südamerika. Auch Details sind Tony wichtig, er fragt zum Beispiel, was die Spieler in Antalya gern essen würden. Antalya nämlich, das ist es, was Tony den Esten genau wie den Bulgaren, den Letten und den Bolivianern schmackhaft machen will: ein Länderspiel in der Türkei, mit viertägiger Unterbringung im Fünfsternehotel. Es soll ein sportliches Kräftemessen ohne den Verkauf von Fernsehrechten und Werbebanden werden. Dafür bietet Tony Estland 50.000 Euro.

Im bolivianischen Cochabamba wird Alberto Lozada allmählich misstrauisch. Auch seinem Verband will Footy umgerechnet 50.000 Euro überweisen. Aber womit verdient eigentlich die Agentur, wenn sie weder TV- noch Werberechte verkauft? Doch das ist ja nicht Lozadas Problem. Bolivien sagt zu und schließt mit Footy gleich auch noch einen Vertrag für zwei weitere Länderspiele ab.

Ende März soll es gegen Finnland und Bulgarien gehen.

Der Vertrag, den Tony mailen lässt, bringt wiederum den Fußballpräsidenten Estlands ins Grübeln.

Angst um Image und Sponsorengunst

Aivar Pohlak, 49, langes grauschwarzes Zottelhaar, ist ein Unikat unter den Fußballfunktionären.

Er schreibt Kinderbücher und Gedichte, tritt meistens in Wollpulli und Wildlederweste auf. Zu den Treffen bei Fifa und Uefa in der Schweiz zuckelt er mit dem Auto, legt die letzten Meter auf dem Rad zurück.

Doch nicht nur in Kleidung und Verkehrsmittel unterscheidet sich Pohlak von seinen Amtskollegen:

Der eigenwillige Este fürchtet beim Kampf gegen Wettbetrug nicht, dass auch der Fußball selbst ein paar Schrammen abbekommen könnte. Wo andere aus Angst um Image und Sponsorengunst erst mal vertuschen, schlägt Pohlak Alarm.

Aivar Pohlak wundert sich, dass Footys Vertragsentwurf für das Länderspiel auf eine Seite passt.

Er kennt das anders. Seine Skepsis wächst.

Die Uefa fühlt sich nicht zuständig

Unterdessen macht Footy per E-Mail Druck. Wer nicht unterschreibe, kassiere auch kein Geld, mahnt die Firma. Mehrfach wird der Vertrag auf Wunsch der Esten ergänzt. Footy macht das geduldig mit - und versucht gleichzeitig, Estland für weitere Spiele im Sommer zu gewinnen.

Am 27. Januar 2011 erreicht die erste von zahlreichen warnenden E-Mails die Uefa.

Akribisch schildert Aivar Pohlak darin den Vorgang, die Auffälligkeiten, seine Befürchtung. Der Funktionär wird deutlich: Er habe auch erfahren, dass "Footy Media von Chinesen finanziert wird, die ins Wettgeschäft verwickelt sind".

Doch die Uefa fühlt sich nicht zuständig.

Ein Sprecher wird später erklären, Freundschaftsländerspiele seien Angelegenheit der Fifa.

Umgehend erfährt deshalb der Weltfußballverband von dem Fall - und sagt die beiden Spiele nicht ab. Darüber staunt Aivar Pohlak, doch dann reimt er sich eine Erklärung zusammen: Natürlich, die Fifa wird vor Ort sein und sich die Schiedsrichter direkt vorknöpfen.

Beim Geld ist Footy redlich

Die Homepage der Firma Footy Media ist zu diesem Zeitpunkt noch aufzurufen, und geworben wird dort nicht nur für die beiden Partien in Antalya. Die Agentur, so ist zu erfahren, hat weitere Länderspiele im Portfolio: Mazedonien-Kamerun etwa und Aserbaidschan-Ungarn. Das stimmt zwar nicht, erweckt aber den Eindruck, Footy sei gut im Geschäft.

Beim Geld hingegen ist Footy redlich: Die Fußballverbände von Estland, Lettland, Bulgarien und Bolivien, sie alle bekommen das versprochene Honorar, jeweils zwischen 40 000 und 80 000 Euro. Die Esten stellen fest, dass ihr Geld aus Singapur überwiesen wurde - von zwei Privatkonten.

Es ist nicht gerade Hochsaison am 9. Februar in Antalya, viele Restaurants sind spärlich besetzt, die Bettenburgen ebenfalls. Mittags um zwei Uhr sind im "Mardan Sports Complex" Eintrittskarten für die beiden Spiele am Abend nicht zu erstehen. Aber, so die Auskunft, man kann einfach vorbeikommen und zuschauen.

Anpfiff: Estland gegen Bulgarien

Die vier Nationalteams sind angereist, und auch Tony ist da. Es sei sehr bedauerlich, eröffnet er den Esten, aber im Mardan Palace Hotel könnten sie doch nicht einchecken.

Tony bringt die estländische Delegation in einer Art Jugendherberge unter.

Mit den Bulgaren kann Tony so nicht umspringen. Ihr Trainer hat in seinem Leben 150 Länderspiele bestritten, als einstiger Weltstar weiß er, was sich auf internationalem Parkett gehört: Matthäus und seine Jungs schlafen im Viersternehotel.

Als Matthäus abends kurz nach halb acht Uhr am Stadion eintrifft, muss er allerdings erkennen, dass der Komfort bei dieser Länderspielreise auch für ihn begrenzt ist. Die Umkleidekabinen sind erst mal belegt - von den Bolivianern, die bereits seit 18 Uhr und vor rund 100 Zuschauern gegen Lettland kicken.

Um 21 Uhr wird das Spiel Estland gegen Bulgarien angepfiffen.

Welche Unparteiischen da nun in schwarzen Trikots auf dem Platz stehen, ist den Akteuren nicht klar. Footy hat zugesichert, man spiele unter der Leitung "souveräner, erfahrener Fifa-Schiedsrichter".

Verhalten wie die Drogenfahnder

Eine Fifa-Lizenz besitzt der Unparteiische jedoch nicht.

Klar hingegen ist die Linie, die der Referee verfolgt: Es gibt Elfmeter satt.

Aivar Pohlak lässt sich per Telefon auf dem Laufenden halten, und in der Halbzeit ist ihm klar:

Nach drei Strafstößen in der Partie Lettland-Bolivien und zwei weiteren Elfmetertoren wird die Fifa jetzt die Notbremse ziehen und die ganze Sache abbrechen.

Doch das Spiel läuft weiter.

Die Fifa verhält sich an diesem Tag, wie es Drogenfahnder tun, die Dealer und Junkies beobachten, sie dann aber gewähren lassen, um an die Hintermänner zu kommen. Die Methode ist nicht unstrittig, denn das kriminelle Geschäft kann so abgewickelt werden. Und deshalb wird der 9. Februar 2011 erst einmal zu einem rabenschwarzen Tag für den Fußball. Die Fifa ahnt, dass die Wettmafia hinter dem Treiben steckt, doch sie verhindert das Millionengeschäft nicht. Der Verband geht damit ein Risiko ein:

Gelingt es nicht, Tony und seine Hintermänner zu stellen und so einen Teil der internationalen Wettmafia zu zerschlagen, hat diese einen hohen Sieg davongetragen.

Denn es wird viel, viel Geld gesetzt auf die beiden Spiele - und auch viel Geld gewonnen.

Die Mafiosi wetten weiter

Vor allem Live-Wetten gehen die Großkunden der Wettbüros ein, sie setzen also während des Spiels. In beiden Partien spielen sie besonders häufig "Asian Totals":

Um zu gewinnen, müssen mindestens drei Tore fallen. Die Wettquoten für die beiden Spiele in Antalya liegen jedoch die meiste Zeit weit unter dem, was zum Beispiel die Analytiker von Sportradar, einer internationalen Kontrollinstanz gegen Wettmanipulation mit Sitz in London, für die Spiele errechnen.

Denn die Buchmacher haben gemerkt, dass diese Wette in besonders hohem Maß eingegangen wird. Sie verringern deshalb die Quote, um selbst nicht zu hohe Verluste einzufahren. Doch die Mafiosi wetten trotz der nun unattraktiven Quote weiter auf eine hohe Anzahl von Toren. Sie könnten mit ihren großen Einsätzen bei anderen Wetten viel mehr Gewinn machen - nur eben nicht ohne Risiko. "Asian Totals" mit mindestens drei Toren hingegen ist für sie sicher, wenn denn die Schiedsrichter den gewünschten Spielausgang besorgen.

Und so geschieht es offenbar in Antalya. Als Boliviens Torwart gegen Lettland einen Elfmeter hält, lässt der bosnische Referee, der auch nicht auf der Fifa-Liste steht, den Strafstoß stumpf wiederholen.

Dann ist er drin.

Homepage gelöscht

Beim Spiel Estland-Bulgarien werden vor Anpfiff eine Million Euro und im Laufe des Spiels rund fünf weitere Millionen gesetzt, dreimal so viel wie sonst bei einer solchen Partie. Der Gesamtgewinn: ein Vielfaches. Die genaue Summe wird niemals bekannt werden.

Trotz der insgesamt nur rund 250 Zuschauer bleibt das Elfmeterfestival im südtürkischen Badeort nicht geheim. Beide Spiele fließen in die offizielle Fifa-Statistik ein. Auf der Weltrangliste der Nationen rutschen Lothar Matthäus und seine Bulgaren durch das 2 : 2 von Platz 49 auf Platz 51.

Vor Ort beklagt der Trainer nicht die Elfmeterflut, jedoch die knappe Kulisse: "Es ist schwierig, die Spieler in so einer düsteren Atmosphäre zu motivieren." Bald nach dem Spiel löscht Footy seine Homepage. Auch auf Mobilnummern ist niemand mehr erreichbar, das Büro in der Londoner York Street existiert nicht. Doch die Firma fühlt sich sicher genug, um der Uefa noch ausführliche Erklärungen zu mailen. Schiedsrichter aus der Türkei habe man nicht beauftragt, weil "wir die Kosten dafür hätten tragen müssen". Um Geld zu sparen, habe man talentierten Schiedsrichtern anderer Länder "eine Plattform geboten".

"Nichts mit mutmaßlichem Fehlverhalten zu tun"

Dass allein der bosnische Schiedsrichter für die Leitung der Partie Lettland-Bolivien als offizielles Honorar 1000 Euro kassierte, schreibt Footy nicht. Dafür erklärt die Firma der Uefa auf dummdreiste Art, warum ihre Homepage abgeschaltet sei. Man präsentiere in Kürze eine neue Seite und sei "sicher, Sie verstehen, dass Weiterentwickeln von Websites weltweit sehr verbreitet ist".

Auch nach Estland mailt Footy noch einmal - verärgert. "Unsere Firma hat nichts mit mutmaßlichem Fehlverhalten zu tun. Wir führen eine interne Untersuchung gegen die Schiedsrichter durch." Der ungarische Fußballverband entschuldigt sich unterdessen für den Einsatz seiner drei Schiedsrichter im Spiel Estland gegen Bulgarien. Über Kolos Lengyel, den Mann, der viermal auf den Elfmeterpunkt zeigte, macht der Verband keine Angaben. Er selbst möchte sich nicht äußern.

Offenbar pfiff Lengyel nicht zum ersten Mal für Footy.

Vergangenen Dezember, bei jenem Vorbereitungsturnier für die U20-Südamerikameisterschaft, sorgte er für Aufregung: Im Spiel Argentinien-Bolivien ließ Lengyel 14 Minuten nachspielen. Besondere Vorkommnisse waren in der regulären Spielzeit niemandem aufgefallen, aber es war eben noch kein Tor gefallen. In der 113. Spielminute traf dann endlich ein Argentinier - per Elfmeter.

Wilson Raj Perumal

Auf welche Weise der Ungar mit der Wettmafia verstrickt ist, auch das interessiert nun die Betrugsbekämpfer der Fifa. Gerade waren die Verwalter des Fußballs noch damit befasst, ob die Weltmeisterschaft 2022 in Katar im Sommer oder im Winter gespielt wird, nun finden sie sich auf einer gewaltigen Baustelle wieder: Die Fifa muss verhindern, dass der Fußball zum Spielball krimineller Kräfte wird. Der Verband recherchiert bereits umfangreich in Singapur.

Dort wurde auch Tony im Februar noch gesehen.

Dabei geht es den Fifa-Ermittlern auch um die Verbindung von Footy-Mann Tony zu einem anderen Staatsbürger Singapurs: Wilson Raj Perumal, 45, verurteilt auch wegen Spielmanipulation, saß neun Jahre im Gefängnis. Er organisierte das in Wettkreisen legendäre Spiel zwischen Bahrain und Togo im September 2010.

Bahrain gewann 3 : 0, nur traten damals für Togo keine Nationalkicker an, sondern von Perumal angeheuerte Nationalmannschaftsdarsteller.

Auf Facebook war Tony mit Perumal befreundet. Nach den Spielen in Antalya wurde Tonys Seite gelöscht.

Mit der Wettmafia wird wohl weiterhin zu rechnen sein

Nach stern-Recherchen verschoben Tony und Perumal früher gemeinsam Spiele. Dann machte Tony sich als Wettmafioso selbstständig.

Nach den Spielen in Antalya wurde Perumal in Finnland mit falschen Papieren erwischt, die Polizei hatte einen Tipp bekommen.

Auch Tony hatte zuvor Finnland bereist.

Der Weltfußballverband vereint 208 Nationen, sie alle wollen Länderspiele bestreiten. Auf alle diese Länderspiele können bei asiatischen Buchmachern besonders hohe Summen gesetzt werden.

Mit der Wettmafia wird wohl weiterhin zu rechnen sein.

Lothar Matthäus hat in Antalya nichts Verdächtiges bemerkt, aber gefallen hat ihm das Ganze trotzdem nicht. Nach dem Motto "Nie wieder Estland" schlägt er seinen Bulgaren vor, ab sofort nur noch gegen große Fußballnationen anzutreten.

Er sei gern bereit, mit seinen Kontakten dabei zu helfen.

W. Löer, N. Plonka, O. Schröm, D. Liedtke und A. Mönnich / print