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Stern Investigativ - Manipulation im Sport

Schnitzler im Wettskandal-Prozess angeklagt: Ex-St. Pauli-Spieler bedauert Geldannahme

Das Bochumer Landgericht hat im Wettskandal-Prozess Anklage gegen zwei Ex-Profis und vier Amateure erhoben: Der frühere Bundesliga-Profi René Schnitzler bezeichnet die Annahme des Geldes von einem Wettpaten als "größte Dummheit".

Von Wigbert Löer

Es geht um Beihilfe zum Betrug und um die Bildung einer kriminellen Vereinigung. Es geht um die Schattenseite des Fußballs, die so gar nicht zu den hübschen Bildern von Siegern und Verlierern, die uns in diesen Tagen aus Polen und der Ukraine erreichen, passen will. Doch Fußball ist nicht nur Glanz und Glamour, Fußball ist auch Betrug. Wettbetrug.

Vor eineinhalb Jahren berichtete der stern, dass der frühere St.Pauli-Profi René Schnitzler von einem Wettpaten aus den Niederlanden rund 100.000 Euro angenommen habe. Nun hat die Staatsanwalt Bochum Anklage gegen Schnitzler erhoben. Auch fünf andere Fußballspieler sind angeklagt: Thomas Cichon, der für den 1. FC Köln und den VfL Osnabrück mehr als 300 Spiele in der Ersten und Zweiten Bundesliga machte und 20 Mal für die U21-Nationalelf auflief, die früheren Verler Spieler Patrick N. und Cosmin U., Elvir S., der beim FC Bayern Alzenau aktiv war und der Kroate Davor K., der für den SSV Ulm spielte.

Die Anklageschrift ist allein im Fall Schnitzler 150 Seiten lang. Sein Anwalt Rainer Pohlen wird sie nun erst einmal sorgfältig lesen. "Dann werden wir überlegen, ob wir Einwände gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens haben", sagte Pohlen stern.de.

Schnitzler finanzierte Spielsucht

Schnitzler selbst erfuhr am Dienstag in seiner Heimat Mönchengladbach, dass er angeklagt ist. Zu stern.de sagte der Mittelstürmer: "Ich habe wie einige Menschen ein paar Dummheiten gemacht in meinem Leben, aber diese Dummheit, damals von dem Wettpaten 100.000 Euro angenommen zu haben, war die größte. Ich werde sie immer bedauern, kann sie aber nicht ungeschehen machen. Ich hatte damals meine Spielsucht nicht im Griff. Diese Sucht ist ein Problem, an dem ich arbeite."

Dass Spielsucht im Profifußball längst ein Problem ist, wurde lange von den Vereinen ignoriert. Auch der DFB kam der Lust seiner Nationalspieler am Pokern zuletzt nach, lieferte ins WM-Quartier in Südafrika eigens einen Pokertisch. Bei der EM steht im Spielerzelt der deutschen Nationalmannschaft im Mannschaftshotel in Polen kein Pokertisch.