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Stern Investigativ - Manipulation im Sport

Uefa-Skandal: Sieg für den FC Bayern

Nach einem stern-Report ging es für einen Münchner Hochstapler und den früheren Chefermittler der Uefa vor Gericht. Nun fiel das Urteil.

Von Wigbert Löer, München

Es war ein starkes Aufgebot, das am Landgericht München Unterlassungsklage eingereicht hatte: Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge und der Vorstandsvize Karl Hopfner als Privatpersonen, dazu die FC Bayern München AG. Es ging gegen den früheren Uefa-Disziplinarchef Peter Limacher und gegen den Münchner Hochstapler Robin Boksic. Beide sollten sich verpflichten, ihre Aussagen nicht zu wiederholen, die sie gegenüber stern-Redakteuren getätigt hatten.

Im Jahr 2010 hatte Boksic unter Beisein von Limacher mehrfach behauptet, dass der FC Bayern viele Millionen von russischen Mafiosi kassiert und dafür ein Uefa-Cup-Spiel absichtlich verloren habe. Die Häuser von Hopfner und Hoeneß habe man durchsucht, ebenso die Villa des damaligen Abwehrspielers Martín Demichelis. Dort sei eine Million Dollar in bar und ein Kilo Kokain gefunden worden. In Bayern, so sagte es Boksic, den Limacher als Ermittler zur in seine Uefa-Truppe geholt hatte, ermittelte eine kleine Staatsanwaltschaft. Limacher bestätigte all das, sagte, er glaube Boksic – und stellte mehrfach Akten in Aussicht, die die Anschuldigungen belegen würden.

Der stern recherchierte selbst – und fand heraus, dass Limacher einem Hochstapler aus dem Wett-Milieu aufgesessen war. Der Report hieß dann nicht: "Der FC Bayern-Skandal", sondern: "Der Uefa-Skandal". Und er schlug hohe Wellen. Limacher verlor seinen Job, die komplette Disziplinarabteilung der Uefa musste neu aufgebaut werden.

Im Saal 219 des Münchner Landgerichts I kam es jetzt im Zivilprozess zwischen den Parteien zu einer Einigung. Boksic und Limacher verpflichteten sich, das Gesagte nicht mehr zu wiederholen. Genau das hatten die Kläger angestrebt. Der Ex-Uefa-Mann und sein Vertrauter aus dem Wettmilieu müssen den Großteil der Prozesskosten (Streitwert: 450000 Euro) bezahlen.

Das Strafverfahren läuft unterdessen weiter. Zuletzt hatte ein Hamburger Strafgericht Boksic wegen übler Nachrede und Limacher wegen Verleumdung verurteilt. Beide gingen in Berufung. Dass sie dabei nach dem Vergleich vor dem Münchner Landgericht noch Erfolg haben könnten, ist unwahrscheinlich.