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Stern Investigativ - Rüstung und Militär

Oberst Klein und sein tödlicher Befehl: Die Akte Kundus

Geheime Papiere über den Bombenangriff auf zwei Tanklaster offenbaren ein doppeltes Desaster: Die Militärs nahmen den Tod von Zivilisten in Kauf. Und die politische Führung versagt bei der Aufklärung eines möglichen Kriegsverbrechens

Von U. Rauss, C. Reuter, O. Schröm und M. Streck

Südlich von Kundus, 3. September 2009, gegen 19 Uhr. Zwei Tanklastwagen sind auf dem Weg von Tadschikistan in die afghanische Hauptstadt Kabul. Sie haben 20.000 bis 30.000 Liter Diesel in den Tanks - Nachschub für die US-Truppen. Kurz hinter dem Ortsausgang von Kundus kapern zwei Dutzend bewaffnete, teils barfüßige Taliban die Tankzüge und zwingen die Fahrer zur Weiterfahrt erst nach Süden, dann nach Westen. Die Aufständischen wollen nach Omar Chel, einem Dorf im Bezirk Tschahar Darreh.

Einige Taliban setzen sich in das Führerhaus, die anderen eskortieren die Trucks im Laufschritt.

Was sich in den nächsten sieben Stunden rund um die Tanklastzüge ereignet, wird das 5000 Kilometer entfernte Deutschland verändern. In diesen sieben Stunden entfaltet sich ein Drama, das den damaligen Verteidigungsminister und späteren Arbeitsminister Franz Josef Jung, Staatssekretär Peter Wichert und Bundeswehr- Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan das Amt kostet, Jungs Nachfolger zu Guttenberg mitsamt der Regierung in erhebliche Erklärungsnot bringen und eine Debatte über die Rechtmäßigkeit des Afghanistan-Einsatzes lostreten wird.

Hier haben die Taliban leichtes Spiel

Region Kundus, Spätsommer 2009. Tschahar Darreh könnte ein Idyll sein. Der dicht besiedelte Distrikt südwestlich von Kundus ist grün, durchzogen von Bächen und Gräben.

Der Kundus-Fluss markiert die Grenze nach Osten. Verstreute Gehöfte, Felder wechseln ab mit Baumgruppen, dicht bewachsenen Ufern. Für Soldaten, deren Feinde hier warten, ist es die Hölle.

Schwere Fahrzeuge kommen kaum durch die engen Lehmwege, und überall könnten Sprengsätze oder Heckenschützen versteckt sein. "Pinocchio-Town" nennen die Soldaten der Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppen (Isaf) die Gegend, weil ihnen die Dorfbewohner jedes Mal mit unschuldsvoller Miene versichern, aus ihrem Dorf sei keine Rakete abgefeuert worden.

In den Dörfern von Tschahar Darreh haben die Werber der Taliban ein leichtes Spiel: Die Empörung der Paschtunen über den Krieg im Süden ist groß, obendrein fühlen sich die Menschen im Stich gelassen vom Gouverneur in Kundus, Mohammad Omar, der sie für Sympathisanten der Taliban hält. Was viele von ihnen schließlich auch werden.

Codename "Aragon"

Die Attacken auf die Schutztruppen häufen sich - im August vergeht kaum ein Tag ohne Feindbeschuss.

Ständig laufen die Soldaten Gefahr, auf Minen zu fahren, mit Panzerfäusten beschossen zu werden. Oder in tief gestaffelte Hinterhalte zu geraten, die im Juni zu den bis dahin schwersten Gefechten für Deutsche seit dem Zweiten Weltkrieg führen. "87 sicherheitsrelevante Vorfälle" verzeichnet das Verteidigungsministerium zwischen April und September.

Bei der Bundeswehr gehen Hinweise ein, dass die Taliban vor den Bundestagswahlen Ende September Tanklastwagen zu Bomben umfunktionieren wollen.

Ende August sterben in Kandahar bei einem Anschlag mit zwei Tankfahrzeugen 40 Menschen.

Bundeswehrfeldlager Kundus, 3. September. Oberst Georg Klein hat eine anstrengende Zeit hinter sich. Seit Tagen läuft eine große Operation mit dem Codenamen "Aragon", 50 Kilometer nördlich im Distrikt Archi. Zwei Kompanien, darunter seine schnelle Eingreiftruppe, sind daran beteiligt. Die Deutschen werden mit Panzerabwehrraketen beschossen, erwidern das Feuer, töten drei Aufständische, zwei Soldaten werden verletzt und im Rettungszentrum des Provincial Reconstruction Team (PRT) behandelt. So etwas ist Alltag im Camp Kundus. Außerdem operieren an diesem Tag US-Special- Forces in höchst geheimer Mission im Verantwortungsbereich des deutschen Oberst. Im Isaf-Feldlager stehen ihm noch eine Schutzkompanie und eine Infanterie-Einheit zur Verfügung, insgesamt 200 Mann.

"Task Force 47"

Wie eine Festung liegt das Lager am Südrand von Kundus, direkt am Flughafen: auf einem Hochplateau über platter Landschaft, mit perfekter Sicht übers Land. Mehrere Hundert Meter entfernt an der Hauptstraße nach Kabul steht der erste Checkpoint.

Von dort schlängelt sich die Straße in Kurven den Hügel hoch, bis die Betonbarrikaden der Bundeswehr in Sicht kommen. Das erste Tor wird nur von afghanischen Sicherheitskräften bewacht, durch Beton, Schuttcontainer und Stacheldraht geht es nach der Kontrolle weiter zum eigentlichen Eingang. Im Inneren des stetig anwachsenden Lagers liegt der Kommandostand der "Task Force 47" - von ihr wird die deutsche Elite- Einheit KSK dirigiert. Der Stand ist eine Festung in der Festung, ein Quadrat, umstellt von meterhohen Wällen aus Hesco-Containern, schuttgefüllten Behältern.

Dahinter: Container, Unterstände, große Antennen, die zu fotografieren strengstens verboten ist. In der Nacht zum 4. September wird aus dieser Festung der Befehl ergehen, die zwei entführten Tanklastwagen zu bombardieren und dabei auch den Tod von Zivilisten in Kauf zu nehmen.

Die Taliban bleiben auf einer Sandbank stecken

Kundus-Fluss, etwa 20 Uhr Hadschi Rafur lautet der Name der Furt, die noch auf alten Karten verzeichnet ist und früher der einzige Weg durch den Fluss war - falls das Wasser im Sommer und Herbst niedrig genug stand. Hier wollen die Taliban mit den gekaperten Trucks den Fluss überqueren, und genau das verlangen sie von den Fahrern. Der eine, er heißt Humajun, sagt, er werde mit den Mehrtonnern nie durch den Sand kommen. Die Taliban schießen ihm eine Kugel in den Kopf - vor den Augen seines 14- jährigen Bruders. Der andere Fahrer, er heißt Abdul Malik, überlebt.

Die Taliban versuchen nun selbst, die Wagen durch das Flussbett zu steuern. Und bleiben stecken auf einer Sandbank, 25 Meter breit, 130 Meter lang. Exakt dort, wo Humajun es ihnen prophezeit hatte.

Lager Kundus, "Task Force 47", etwa 21 Uhr Die abgeschirmte Operationszentrale der "Task Force 47" ist das geheime Kommandozentrum im Lager für besonders heikle Missionen.

Ein Hightech-Raum mit Computern, Monitoren, Landkarten und modernster Kommunikationstechnik.

Ein afghanischer Informant meldet die Entführung

Hier sitzt Luftleit-Oberfeldwebel W., Codename "Red Baron", und dirigiert wie ein Lotse die Piloten. Gleichfalls im Raum: Hauptfeldwebel V. von der Elite-Einheit KSK (Kommando Spezialkräfte), dazu kommen drei Nachrichtendienstler: Hauptfeldwebel S., Oberfeldwebel F. und ihr Vorgesetzter, Hauptmann N.

Sie sind verantwortlich für die Führung von afghanischen Spitzeln, Fachjargon: HUMINT für Human Intelligence.

Ein afghanischer Informant meldet per Handy die Entführung der Lastwagen. Die Polizeidirektion II in Kundus bestätigt die Information.

Oberst Georg Klein wird hinzugerufen. Um 21.51 Uhr befiehlt er, dass ein amerikanischer B1-Bomber die gestohlenen Fahrzeuge lokalisieren soll. Er verlässt den Raum und gibt Order, ihn zu kontaktieren, "wenn sich das Lagebild um die Laster verdichtet und Aktivität von Aufständischen festgestellt wird".

Die Menschen strömen an den Fluss

Bezirk Tschahar Darreh, nach 22 Uhr. Kaum jemand aus den Dörfern in Tschahar Darreh erinnert sich an genaue Uhrzeiten, aber den Takt der Nacht gibt in diesen Wochen ohnehin der Ramadan vor: Nach Sonnenuntergang, mit dem Fastenbrechen, erwachen die Menschen aus der Lethargie des Tages.

Gegen 22 Uhr versammeln sich viele Männer in den Moscheen zum Tarauwih, dem Nachtgebet. In den Dörfern sind daher die meisten Menschen, unter ihnen viele Kinder, noch auf den Beinen. Und die Nachricht von den auf der Sandbank feststeckenden Transportern verbreitet sich schnell. Die Leute strömen aus Hadschi Amanullah, aus Omar Chel, aus Isa Chel, aus Yaqub Bai und sogar aus dem über eine Wegstunde entfernten Gul Baq an den Fluss.

"Task Force 47", 23.34 Uhr. Der afghanische Spitzel betreibt ein lebensgefährliches Spiel: Er hält Telefonkontakt mit den Entführern und gibt der Task Force durch, dass sich die beiden Laster im Kundus-Fluss auf einer Sandbank festgefahren haben. Der B1- Bomber wird über die mutmaßliche Position informiert. 40 Minuten später, um 0.14 Uhr, funkt der Pilot aus 10.000 Meter Höhe:

Nun verschenken sie den Sprit

"B1-B über 2 Tanklastzügen, 2 Pick-ups und eine unbestimmte Anzahl von INS", "Insurgents", also Aufständischen bei Koordinate 42S VF 89035202. Das ist die Sandbank. 52 Sekunden später erscheinen die Lkws live auf dem Monitor von Fliegerleitfeldwebel W., "Red Baron". Bei den Militärs heißt diese Stelle schon seit einer Weile "Furt Mischmeierbrücke".

Hadschi Rafur, gegen Mitternacht Die Taliban haben Dorfbewohner zusammengetrommelt - sie brauchen Hilfe. Mehr als eine Stunde lang versuchen zwei Trecker, die schweren Trucks aus dem Sand zu ziehen, aber mit jedem Zentimeter graben sich die Räder nur tiefer ein. Irgendwann nach 22 Uhr haben die Taliban aufgegeben.

Nun verschenken sie den Sprit.

Erst bedienen sich die Aufständischen selbst, danach herrscht Chaos. Später schubsen und drängeln sich Hunderte von Menschen um die Laster. Ein Liter Diesel kostet fast einen Dollar - viel Geld bei einem Verdienst von umgerechnet ein paar Dutzend Dollar durchschnittlich pro Monat.

Einige haben Trichter aus Metall und Plastik mitgebracht, die sie unter die großen Auslassventile halten, damit nichts von der wertvollen Flüssigkeit danebenläuft.

Die Taliban ziehen sich zurück

Erst nach Mitternacht lässt der Andrang etwas nach. Die meisten Taliban haben den Ort verlassen, seit klar ist, dass die Laster sich nicht bewegen lassen.

Isa Chel, gegen Mitternacht Mohammed Alam, sein Bruder Nur Alam und sein Neffe Ahmedin aus dem Dorf Isa Chel kommen gerade aus der Moschee, als andere Dorfbewohner rufen: "Kommt alle mit! Bei Hadschi Rafur sind zwei Laster voller Sprit!" Mohammed Alam bleibt daheim. Von Isa Chel bis zum Fluss sind es immerhin fast fünf Kilometer. Aber sein Bruder Nur Alam und sein Neffe Ahmedin schnappen sich zwei Kanister und laufen los.

Ahmedin ist ein intelligenter Schüler. Jeden Morgen geht er mehrere Kilometer zur Schule, und er betreibt einen kleinen Kiosk, verkauft Kaugummis, Zigaretten und Süßigkeiten. Ahmedin träumt davon, Ingenieur zu werden oder Doktor. Schreiben kann er schon, und das können nicht viele hier.

Der 25-jährige Said Rahim ist bis vor Kurzem Polizist in Isa Chel gewesen. Er hatte gekündigt, weil in Tschahar Darreh schlecht lebt, wer auf der Seite der Polizei und damit auf der des verhassten Gouverneurs steht. Nun hat Said Rahim kein Einkommen mehr. Und lässt es sich nicht zweimal sagen, dass es Heizstoff für den Winter zu holen gibt dort unten am Fluss.

Das ist zwar Diebstahl, aber Rahim ist arm, und die Winter sind kalt.

Keine genaue Identifizierung möglich

An die genaue Uhrzeit kann sich auch Dschan Mohammed aus dem Dorf Hadschi Amanullah nicht mehr erinnern. Kurz vor dem letzten Abendgebet, gegen 23 Uhr, muss es gewesen sein, als Assadullah ins Haus gerannt kommt. Der ist der beste Freund seines Sohnes Ali Mohammed.

Assadullah drängt: "Komm mit, die Taliban verteilen Benzin!" Die beiden jungen Männer greifen sich Kanister, einen blauen und einen gelben, und rennen durch die mondhelle Nacht, um sich in das Chaos vor den Ablaufventilen der Laster zu mischen.

"Task Force 47", 4. September, ein Uhr. Die Männer von der Task Force haben Oberst Klein wecken lassen.

Auf dem Monitor von Oberfeldwebel W., "Red Baron", laufen in Schwarz-Weiß die gefunkten Luftbilder. Grobkörnige Punkte sind zu erkennen. Sie bewegen sich: Menschen. Ob Taliban oder Zivilisten, ob bewaffnet oder nicht, ist nicht zu festzustellen. Der B1- Bomber muss auftanken und meldet "return to base". Die Amerikaner sichern Klein sofort zwei F-15- Kampfjets zu. Nach elf Minuten meldet sich der Pilot des einen Jets, "Dude 15", beim deutschen Fliegerleitoffizier "Red Baron".

Eine folgenreiche Entscheidung

In der darauffolgenden halben Stunde trifft Oberst Georg Klein, 48, verheiratet, zwei Kinder, die folgenreichste Entscheidung in der Geschichte der Bundeswehr.

Klein stammt aus einer Militärfamilie, schon der Großvater war Offizier. 1961 in Bendorf bei Koblenz geboren, weiß Klein bereits ein Jahr vor dem Abitur, was er will: Er verpflichtet sich für zwölf Jahre beim Bund. In den 90er Jahren marschiert er durch die für eine Topkarriere wichtigen Instanzen - an der Bundeswehr- Hochschule in Hamburg studiert er Wirtschaftswissenschaften, wird Stabsoffizier auf der Hardthöhe, Kommandeur eines Panzerbataillons im hessischen Westerburg, danach Planer in der Ständigen Vertretung der Deutschen bei der Nato in Brüssel.

Seit 2006 dient Georg Klein im Rang eines Oberst im Generalstab bei den Panzergrenadieren in Leipzig. Nun soll er sich in der Truppe bewähren - als Kommandeur in Kundus. Er hat den Sicherheitsstatus "Nato Cosmic Secret" - mindestens fünf Topmilitärs haben für ihn gebürgt, sein Leben und das seiner Familie wurde durchleuchtet. Oberst Georg Klein steht kurz davor, General zu werden.

Klein verlässt sich auf den afghanischen Spitzel

Klein hat in dieser Nacht keinen seiner Soldaten zur Aufklärung Richtung Sandbank geschickt. Er setzt auf andere Informationen - den afghanischen Spitzel. Der hält sich mehrere Hundert Meter von der Sandbank entfernt versteckt, hat keinen Sichtkontakt und meldet, dass "nur Aufständische an den Lastern sind, darunter vier lokale Talibangrößen". Das wird Klein vom afghanischen Geheimdienst bestätigt, der in dieser Nacht die Telefonate der Taliban abgehört hat.

Mehrmals fragt der Oberst den Geheimdienstoffizier im Kommandostand, für wie verlässlich er den Afghanen halte. Hauptmann N. warnt, dass Meldungen aus einer Quelle "grundsätzlich nicht als absolut anzunehmen sind". Nach stern-Informationen empfiehlt der Hauptmann ihm deshalb noch eine zweite Quelle.

Diesen Hinweis ignoriert der Oberst offenbar. Der Hauptmann wird später aussagen, es sei nicht auszuschließen, dass der eingesetzte Informant "sein eigenes Spiel gespielt hat".

Oberst Klein hält es auch nicht für nötig, seinen Rechtsberater wecken zu lassen. Das ist bei Entscheidungen dieser Tragweite üblich.

Klein entscheidet allein

Klein verzichtet ebenfalls darauf, seinen Vorgesetzten einzubeziehen - Brigadegeneral Jörg Vollmer im Regionalkommando in Masar-i-Scharif. Der Mann ist verantwortlich für die 4200 Soldaten unter deutscher Führung in Afghanistan. Binnen Minuten könnte eine Videokonferenz stehen.

Auch das Isaf-Hauptquartier in Kabul lässt Klein außen vor.

Er entscheidet allein, um 1.35 Uhr - "Freigabe".

Die Piloten der F 15 sind überrascht.

Es entspinnt sich ein Hin und Her zwischen "Red Baron" und "Dude 15", dem US-Piloten.

Sind deutsche Soldaten akut bedroht?

"Red Baron" bestätigt das.

Diese Behauptung ist mindestens fragwürdig.

Gab es Feindberührung, nach Isaf-Regeln eine Voraussetzung für Luftschläge? "Red Baron" bestätigt.

Eine Lüge.

Wäre nicht doch eine "Show of force", ein Überflug der Sandbank, sinnvoll? "Red Baron" sagt: negativ.

Oberst Georg Klein gibt den Befehl zum Töten

"Dude 15" fragt noch, wen sie ins Visier nehmen sollen - Tanklaster oder Menschen? Antwort in der kühlen Militärsprache:

Wirkmittel so wählen, dass beide Ziele zerstört werden.

Die Piloten entscheiden sich für einen Angriff aus Richtung Norden. Die eine F 15, "Dude 15", wird die Bomben ausklinken, sein Flügelmann, "Dude 16", gibt Deckung.

Der Waffenoffizier neben dem Piloten macht zwei Bomben GBU-38 scharf. Status "HOT". Er hat Lastwagen und Menschen auf dem Radar, programmiert die Zielkoordinaten in das GPS-System der Waffe und funkt: "Ready".

Oberst Georg Klein gibt den Befehl zum Töten.

Hadschi Rafur/"Furt Mischmeierbrücke", 1.51 Uhr. Am Fluss ist immer noch Hochbetrieb.

Assadullah, der seinen Freund Ali Mohammed gedrängt hatte mitzukommen, ist schon wieder auf dem Rückweg, 100, 200 Meter entfernt. Da explodieren die Bomben. "Erst war da grelles Licht, dann eine Explosion, eine furchtbare Wucht." Assadullah wird ohnmächtig.

Mit knapp 2000 Stundenkilometern schlagen die Bomben ein, zweimal 227 Kilo Sprengstoff. Die Druckwelle zerreißt Lungen und Gedärm, reißt die Augäpfel aus dem Schädel. Sie fordert die meisten Opfer. Zeitgleich verpuffen Tausende Liter Diesel, Menschen in unmittelbarer Nähe verdampfen zu nichts. Der Feuerball schnellt 200 Meter hoch - mitten in der Nacht wird es taghell.

Minimalste Spuren von Humanmaterial

Als Assadullah wieder zu sich kommt, sieht er nur Rauch, der Fluss steht in Flammen. "Ich rief nach meinem Bruder, alles brannte, die Laster, ganze, halbe Leiber von Menschen." Von seinem Freund Mohammed bleibt nichts, woran er zu erkennen wäre.

Dschan Mohammed, der Vater, hat den Feuerball in der Ferne gesehen und die Explosion gehört.

"Ich bin gerannt", wird er später unter Tränen sagen. "Ich fand nichts von ihm. Ich habe ein Stück Fleisch gegriffen, mitgenommen, es meinen Sohn genannt, in eine Plastiktüte getan. Dann haben wir die Tüte bestattet." Ein deutscher Feldjäger wird zehn Stunden später notieren:

"Es sind nur noch minimalste Spuren von Humanmaterial zu finden."

"Task Force 47", 1.52 Uhr. In der Kommandozentrale erleben Oberst Klein und seine Männer den tödlichen Angriff wie ein Videospiel. Auf ihrem Monitor sehen sie, wie sich ein gräulicher Nebel über die Szenerie legt. Als er sich lichtet, bewegen sich die Punkte nicht mehr. Hauptfeldwebel V. vom Kommando Spezialkräfte schreibt ins Ablaufprotokoll die Koordinaten: "IMPACT bei 42S VF 89035202". Und vier Minuten später: "task closed", Auftrag erledigt.

Auftrag erledigt

Um 2.28 Uhr überfliegen die F- 15-Jets die Abwurfstelle, um das Resultat der Bombardierung aufzuklären.

Ihre Kameras unter den Tragflächen funken neue Bilder.

Gezählt werden 14 Flüchtende und "56 Insurgents Killed In Action", 56 getötete Aufständische.

Bezirk Tschahar Darreh, früher Morgen Viele Menschen in den Dörfern hören die Explosion, sehen den Widerschein der Flammen. Sie versuchen vergebens, ihre Verwandten und Freunde auf Mobiltelefonen zu erreichen. Schließlich rennen oder fahren sie los, um nachzusehen, was am Fluss passiert ist. Ähnlich wie ihre Söhne, Cousins, Brüder Stunden zuvor um den Diesel gestritten haben, ringen bald darauf sehr viel leiser die Väter und anderen Verwandten darum, was sie zu Grabe tragen können: Im Leichenfeld um die bizarr verbogenen Wracks der Tanklaster liegen Überreste, die nur mit Mühe als menschlich zu identifizieren sind. Die Glücklicheren finden ganze Leichen und erkennen sogar, dass es der Gesuchte ist. Andere, die im beißenden Qualm und Geschrei vergebens suchen, greifen sich, was sie zu fassen bekommen.

Wahllose Bestattungen

Mohammed Alam erreicht morgens um drei die Sandbank. "Das Einzige, was ich von meinem Neffen Ahmedin gefunden habe, war eine seiner schwarzen Sandalen.

Die habe ich mitgenommen und ein paar Füße, um meiner Familie zu erzählen: Ich habe ihre Leichen gefunden!" Von Said Rahim aus Isa Chel, bis vor Kurzem noch Polizist, findet sein Bruder nichts Identifizierbares.

Der Bruder greift sich ein Leichenteil, irgendeines, "das haben wir begraben. Von wem es ist, ist doch egal".

Masar-i-Scharif, Regionalkommando Nord, 7.45 Uhr Kleins Vorgesetzter, Brigadegeneral Jörg Vollmer, kann es kaum fassen, als sein Operationschef ihm berichtet, was in der Nacht geschehen ist. Das Regionalkommando in Masar hat von Kleins Leuten erst um 3.15 Uhr die "Vorfallsmeldung 001" sowie eine knappe Auswertung bekommen, ein paar dürre Zeilen nur über die Bombardierung durch Luftnahunterstützung bei Kundus, 56 getötete Aufständische. Es liest sich wie ein lapidarer Unfallbericht.

Heikle Fragen

General Vollmer zitiert sofort seine Topleute zu sich ins Büro. Minuten später fragt Isaf-Kabul per E-Mail nach zivilen Opfern, Einhalten der Einsatzregeln, Auswertung der Schäden, Reaktion der lokalen afghanischen Behörden.

Es sind heikle Fragen.

Vollmer stellt ein Ermittlungsteam der Feldjäger zusammen, das Oberstleutnant B. leitet und das schnellstmöglich nach Kundus fliegen muss. Die Feldjäger vor Ort sollen schon mal mit den Ermittlungen beginnen.

Dorf Hadschi Amanullah, morgens Jene Dorfbewohner, die noch nichts von den Vermissten gehört haben, versammeln sich vor den Häusern des Arbab, des Dorfbürgermeisters.

Sie haben eingesammelt an der Sandbank, was noch nicht fortgetragen war. Omer Chan, der Arbab von Hadschi Amanullah, hat seinen Neffen Guldin bei dem Bombardement verloren. Guldin konnten sie recht gut identifizieren, weil er neben seinem verkohlten Esel lag. "Jeder trat vor und sagte, wie viele Menschen aus seiner Familie getötet wurden. Erst gaben wir ihnen ganze Körper, Rümpfe.

Aber als keine mehr da waren, reichten wir ihnen verkohlte Füße, Hände, Knochen. Für fünf Familien gab es am Ende nichts mehr", sagt Omer Chan. Nichts, was sie bestatten, worüber sie ihre Gebete sprechen könnten.

"Red Baron" verweigert sich

Im Morgengrauen ist überall in den Dörfern von Tschahar Darreh das Weinen und Wehklagen der Frauen, aber auch der Männer zu hören. "Nie haben wir so viele Menschen auf einmal verloren", sagen die Leute aus den Dörfern, "nicht mal, als die Russen hier waren." Feldlager Kundus, 10 bis 17 Uhr. Auf Befehl des Regionalkommandos soll das "Close Air Support", die "Luftnahunterstützung", wie das Bomben im Militärdeutsch heißt, schleunigst untersucht werden.

Major T., Chef der Militärpolizei im Feldlager Kundus, wird mit ersten Ermittlungen beauftragt.

Er befiehlt seiner Gruppe, alle verfügbaren Informationen über den Luftschlag zusammenzutragen - Polizeimeldungen, Ablaufprotokolle, Bilder von Drohnen, Videos der F-15-Jets. Einige Stellen im Feldlager kooperieren, doch Luftleitfeldwebel W., "Red Baron", weigert sich. Informationen zum Sachverhalt, sagt er, gebe es "nur nach Freigabe" von Kommandeur Klein.

Klein sorgt dafür, dass außer seinen eigenen Leuten vorerst niemand ermittelt. Als er am Mittag, rund zehn Stunden nach dem Luftschlag, schließlich ein Erkundungsteam zur Sandbank fahren lässt, muss Hauptmann S. vor der Abfahrt kontrollieren, dass keine Soldaten vom Regionalkommando im Konvoi sind. Sie sind auf Weisung Kleins "vor Ort nicht erwünscht", wie es in einem Protokoll der Feldjäger heißt. Das unabhängige Team aus Masar-i-Scharif kann erst später die Furt erkunden.

So gut wie keine Spuren mehr

Um 12.34 Uhr schließlich treffen Kleins Feldjäger am Tatort ein. Und finden so gut wie keine Spuren mehr - "weder Tote noch Verletzte vor Ort", schreibt ein Feldjäger. Mithin ist nicht mehr zu klären, ob vielleicht auch Zivilisten, Jugendliche oder Kinder vor Ort waren. Die Ermittler fotografieren die Szenerie, da fallen ein paar Schüsse - nichts Ernstes, die Feldjäger machen weiter, fahren dann zurück ins Lager, wo sich der Oberst Bericht erstatten lässt.

Kabul, Isaf-Hauptquartier, 16.30 Uhr. Stanley McChrystal, oberster Kommandeur aller Truppen in Afghanistan, hat eine Videokonferenz anberaumt, die dritte an diesem Tag. Zugeschaltet sind Brigadegeneral Jörg Vollmer vom Regionalkommando Masar-i-Scharif, General Egon Ramms und ein zweiter Vertreter aus dem Nato- Hauptquartier in Belgien sowie das Nationale Militärkommando der afghanischen Streitkräfte.

General McChrystal, seit Juni in Kabul, hat als erste Amtshandlung die Vorschriften für Luftangriffe verschärfen lassen. Aus der Luft gebombt werden darf, wenn überhaupt, nur noch bei akuter Gefahr für die eigenen Truppen.

Und wenn absolut sichergestellt ist, dass keine Unbeteiligten getroffen werden. Das predigt er seit Monaten in jeder Morgenlage seinen Kommandeuren.

Aufruhr in Europa

Der Amerikaner wendet sich an Brigadegeneral Vollmer: "Update bitte." Der Deutsche hat zu referieren:

56 getötete Aufständische, dazu eine Anzahl von getöteten und verwundeten Zivilisten, im Hospital elf männliche Verwundete und ein zehnjähriges Kind, Ermittler waren vor Ort, keine Leichen, "nur einige Körperteile".

Sodann schildert General Ramms den "großen Aufruhr in Europa". In Berlin würden Journalisten das Verteidigungsministerium mit Fragen bestürmen.

"Anleitung", blafft McChrystal:

"Geben Sie offen zu, dass wir nicht alles wissen. Gehen Sie nicht davon aus, dass wir richtig lagen - und später finden wir dann heraus, dass wir Zivilisten gekillt haben." McChrystal hat die Protokolle über den Bombenabwurf gelesen.

Er äußert Zweifel, dass Einsatzregeln und seine Direktive über Luftschläge eingehalten wurden.

Klein ist nervös

General Vollmer meldet sich:

"Teile diese Bedenken." McChrystal ist wütend. Selbst drei Stunden nach den ersten Beschuldigungen in den Medien sind keine Soldaten zum Einsatzort geschickt worden. "Warum ha- ben wir das nicht sofort nach dem Abwurf gemacht?" Vollmer murmelt etwas von "werde ermitteln" und hat, laut Protokoll der Videoschaltung, "keine passende Antwort". McChrystal erregt sich nunmehr über die "Albernheit" des ersten Isaf-Statements, in dem nur von toten Taliban die Rede war. "Das aus der Luft zu erkennen ist unmöglich! Das kann nicht korrekt sein, ich bin zutiefst enttäuscht. Spekulieren Sie nicht über etwas, was Sie nicht wissen. Stellen Sie sicher, dass dies nicht noch mal passiert!" Tags darauf macht sich der Amerikaner vor Ort selbst ein Bild am Fluss. Oberst Klein begleitet ihn. Die Stimmung ist frostig.

Am Abend, nach endlosen Fragen McCrystals, ist Klein so nervös, dass er seine Berater zum Bier im Lager versammelt.

Lager Kundus, 5. und 6. September. Georg Klein schickt einen Vermerk an seinen obersten Dienstherrn, Generalinspektor Wolfgang Schneiderhan. Es ist eine Aufreihung von Rechtfertigungen für den Luftangriff. Er habe die Bomben befohlen, um Gefahren für "meine Soldaten frühzeitig abzuwenden und andererseits mit höchster Wahrscheinlichkeit nur Feinde des Wiederaufbaus zu treffen".

"Die Operation von Isaf war sehr effektiv"

Am nächsten Morgen sitzt Klein bei einer Lagebesprechung im Büro des Gouverneurs Mohammad Omar zusammen mit deutschen, amerikanischen und afghanischen Militärs und Diplomaten.

"Vielen Dank für diese Tat", sagt der Polizeichef von Kundus.

"Die Operation von Isaf war sehr effektiv", sagt der Geheimdienstvize von Kundus. "Seien Sie nicht traurig darüber, es hat die richtigen Personen erwischt", sagt der Gouverneur von Kundus.

Klein wirkt erleichtert. Er sagt:

"Gut zu hören, dass meine Ein schätzung bezüglich der Aufständischen richtig war." Berlin, 6. September In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" sagt Verteidigungsminister Franz Josef Jung: "Durch sehr detaillierte Aufklärung über mehrere Stunden durch unsere Kräfte hatten wir klare Hinweise darauf, dass die Taliban beide Tanklastzüge circa sechs Kilometer von unserem Lager entfernt in ihre Gewalt gebracht haben, um einen Anschlag auf den Stützpunkt unserer Soldaten in Kundus zu verüben. Wäre ihnen das gelungen, hätte es einen Anschlag mit entsetzlichen Folgen für unsere Soldaten gegeben."

Verteidigungsministerium, Berlin, 7. September. Beim Leiter des Einsatzführungsstabs der Bundeswehr trifft der Bericht des Initial Action Teams ein. Darin kommt Isaf-General McChrystal zu dem Schluss: "Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit hat es zivile Opfer gegeben." Berlin, Bundestag, 8. September Angela Merkel verspricht im Parlament "lückenlose Aufklärung des Vorfalls". Sie schließt zivile Opfer nicht aus und sagt: "Ich stehe dafür ein, dass wir nichts beschönigen werden." Zwei Stunden zuvor hat Minister Jung vor dem Verteidigungsausschuss des Bundestags im Paul-Löbe-Haus, Zimmer 2700, erklärt, Oberst Klein habe seines Erachtens eher zurückhaltend und im Sinne der deutschen Strategie agiert. Sollten tatsächlich Zivilisten umgekommen sein, werde man ihre Angehörigen entschädigen wie die Verwandten der Toten nach einer Schießerei an einem Checkpoint Mitte August.

92 Menschen sterben

Kundus, 8. September. bis heute Die Zahl der Toten schwankt, je nach Quelle noch immer von 17 bis 142. Die afghanische Regierung spricht zunächst von 69 Taliban und 30 Zivilisten; Amnesty International listet 83 Namen auf, das Internationale Rote Kreuz kommt auf 74 zivile Opfer. Nach stern-Recherchen sind es 92 Menschen, die in der Nacht zum 4. September sterben.

Im Laufe des Septembers kommen Ermittler aus Kabul unter Führung des Kripo-Chefs General Yarmand nach Kundus und Tschahar Darreh, reden mit den Dorfältesten, schreiben lange Aufstellungen: Wer von den Toten zu den Taliban gehört habe, wer bewaffnet, wer unbewaffnet gewesen sei. Einige Familien bekommen 100.000 Afghani, umgerechnet 2000 Dollar, für ihre Toten.

Und für Verletzte 50.000 Afghani.

Aber der Schlüssel, nach dem das Geld verteilt wird, ist unklar.

Mittäter oder Mitläufer?

In Tschahar Darreh zwischen unbeteiligten Zivilisten und Taliban unterscheiden zu wollen ist illusorisch. Die Taliban kontrollieren den Distrikt, von vielen Familien sind Einzelne dabei, denn eine offene Gegnerschaft wäre lebensgefährlich.

Nur: Ist jemand, der den Taliban widerstandslos seinen Trecker leiht, ihnen Nahrungsmittel, Informationen und Unterschlupf gibt, aber nicht aktiv gegen die ausländischen Truppen kämpft, ein Mittäter? Oder ein Mitläufer? Oder ist so jemand noch ein Zivilist? Jeder, der dazu etwas sagen kann, hat Interessen:

Afghanistans Polizei und Geheimdienst wollen das Bombardement rechtfertigen und haben wenig Sympathien für Tschahar Darreh.

Die Angehörigen wollen Entschädigungen, und die bekommen sie nicht, wenn sie ihre Toten als Taliban deklarieren.

"Militärisch angemessen"

General-Olbricht-Kaserne, Leipzig, Ende September Oberst Georg Klein ist nach Deutschland zurückgekehrt. Er verabschiedet sich in eine Kur. Im Anschluss daran versieht er wieder seinen Dienst im Stab der 13.

Panzergrenadier-Division in Leipzig und trägt Verantwortung für 12.500 Bundeswehrsoldaten.

Verteidigungsministerium, Berlin, 6. November. Auf seiner ersten Pressekonferenz als Verteidigungsminister bezeichnet zu Guttenberg den Angriff in Kundus als "militärisch angemessen". Der Bericht des Internationalen Roten Kreuzes liegt ihm vor, nach dem die Lastwagen keine "unmittelbare Bedrohung" darstellten. Der von Oberst Klein angeordnete Angriff habe nicht "im Einklang mit dem internationalen Völkerrecht" gestanden.

Verteidigungsministerium, Berlin, 25./26. November Inzwischen lässt sich nicht länger leugnen, was seit Wochen klar ist:

Es hat in Kundus eine große Zahl von Toten und Verletzten gegeben, die meisten davon Zivilisten.

Schneiderhan geht in den Ruhestand

Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan schreibt an diesem Mittwoch nach einem Krisengespräch mit Guttenberg: "Sehr geehrter Herr Minister, Sie haben Ihre Erklärung vom 6. 11. 09 zum Luft-Boden-Einsatz in Kundus auf der Grundlage des Abschlussberichtes Com-Isaf abgegeben. Andere Zwischenberichte, Berichte und Meldungen wurden Ihnen nicht vorgelegt. Dafür übernehme ich die Verantwortung. Deshalb bitte ich Sie, mich von meinen Dienstpflichten zu entbinden und in den Ruhestand zu versetzen." Offensichtlich ist dem Generalinspekteur entfallen, dass sein Minister den Bericht des Roten Kreuzes seit drei Wochen kennt. Schneiderhan legt sich später in der ARD fest, dass Guttenberg auch den Com-Isaf-Bericht gelesen habe, in dem alle relevanten Informationen zusammengefasst seien. Den Verteidigungsminister hingegen empört, dass ihm nicht alle Berichte einzeln sofort auf den Tisch gelegt worden sind, und zwar ohne vorherige Aufforderung.

Auch Staatssekretär Peter Wichert wird entlassen. Franz Josef Jung, inzwischen Arbeitsminister, tritt zurück.

Kundus, 11. Dezember. Baron zu Guttenberg trifft zu einem Kurzbesuch im Feldlager der Bundeswehr ein. Eine Woche zuvor hat er vor dem Bundestag eingeräumt, dass der Angriff "nicht angemessen" gewesen sei. Im "Lummerland", dem Betreuungszentrum der Truppe, hält er vor Soldaten eine Rede. Darin sagt er:

"Ich bleibe dabei, ich lasse Oberst Klein nicht fallen." Karlsruhe, im Dezember Die Bundesanwaltschaft prüft, ob Oberst Klein gegen das Völkerrecht verstoßen und ein Kriegsverbrechen begangen haben könnte.

Berichtswesen "Spuren von Humanmaterial"

Inzwischen sind mindestens zehn Reports über das Bombardement von Kundus bekannt:

5.9.

Bericht von Oberst Klein Am Tag nach dem Bombardement rechtfertigt der deutsche Kommandeur des Lagers Kundus in einem zwei Seiten langen Bericht an den Generalinspekteur der Bundeswehr seinen Befehl zum Bombardement.

6.9.

Isaf Fact Finding Mission Von einem Bundeswehr-Offizier zusammengestellte deutsche Fassung des Incident Action Team Reports der Nato nach dem Besuch des Isaf-Kommandeurs Stanley McChrystal in Kundus.

9.9.

Feldjäger-Bericht Ein aus Masar-i-Scharif entsandtes Team meldet, dass mindestens 14 namentlich aufgelistete Zivilisten unter den Todesopfern sind. Am Ort des Bombardements fänden sich nur noch "minimalste Spuren von Humanmaterial". Zu dem 100-Seiten-Bericht der internen Bundeswehr- Ermittler gehören eine CD und eine DVD mit dem Angriffsvideo.

10.9.

Karsai-Kommission Dem afghanischen Bericht zufolge wurden bei dem Bombardement am 4. September 69 Aufständische und 30 Zivilisten getötet.

12.9.

AA-Bericht Dossier des Auswärtigen Amts über die möglichen Folgen des Angriffs von Kundus.

14.9.

Unama-Bericht Analyse für die gleichnamige UN-Mission.

28.10.

Com-Isaf-Bericht Der offizielle, 75-seitige Abschlussbericht fasst alle Erkenntnisse zusammen und dokumentiert die Verstöße von Oberst Klein gegen das Reglement des Isaf-Einsatzes in Afghanistan.

30.10.

ICRC-Bericht Das Internationale Rote Kreuz kritisiert das Bombardement als "nicht im Einklang mit dem internationalen Völkerrecht", spricht von 74 zivilen Toten.

7.12.

Sonder-AG Interne Untersuchung des Bundesverteidigungsministeriums, eine Dokumentation der Vorwürfe General McChrystals.

Mitarbeit: Axel Vornbäumen und Jan Christoph Wiechmann / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(