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Stern Investigativ - Rüstung und Militär

Deutscher Islamist in Tansania festgenommen: Terrorkarriere beendet

Im Auftrag der somalischen al Shabaab soll der deutsche Islamist Emrah Erdogan bei einem Anschlag geholfen haben. Am Montag wurde er in Tansania festgenommen.

Von Johannes Gunst

Die Bilanz seines jungen Lebens war bitter, als Emrah Erdogan im Februar letzten Jahres ein Flugzeug nach Ostafrika bestieg: Schlägereien, Drogen, Knast, dann Bekenntnis zum radikalen Islam, Terror-Camp am Hindukusch, zuletzt der Tod seines jüngeren Bruders, getroffen von einer US-Drohne.

Emrahs Weltbild geriert kurzzeitig ins Wanken, von den pakistanischen Stammesgebieten aus rief er mehrmals beim BKA an. Emrah lockte mit Insiderwissen über bevorstehende Anschläge in Deutschland, verlangte Geld und Sicherheit. Der Deal platzte. Das Bundesinnenministerium warnte vor Terror, und Emrah drohte als Verräter enttarnt zu werden. Dann bekam er vom damaligen Außenminister der al Kaida, Scheich al Mauretani, einen Tipp: Somalia. Er selbst wolle sich dorthin absetzen. Der Scheich wurde später festgenommen, sein deutscher Rekrut kam durch. Erdogan erreichte Somalia (mit Zwischenstopp in Nairobi) im Frühjahr 2011.

Empfehlungsschreiben von al Kaida

Weite Teile dieses gebeutelten Kriegslandes werden von al Shabaab kontrolliert, Steinzeit-Islamisten und enge Verbündete der al Kaida. Westliche Islamisten zieht es seit einiger Zeit immer häufiger nach Somalia. Sie schmeicheln der Miliz, sind ein wichtiger Baustein für die Internationalisierungsstrategie der Miliz. Doch kann man ihnen auch trauen? Sind sie das Geld wert, das man in ihre Ausbildung steckt?

Emrah konnte etwas vorweisen, das ihn von anderen Neuankömmlingen unterschied: Der junge Deutsche hatte nach Informationen von stern.de ein digitales Empfehlungsschreiben von al Kaida im Gepäck. Der Verfasser: Außenminister und Chefplaner für Anschläge in Europa, Scheich al Mauretani persönlich.

Regelmäßig meldete sich Emrah nach seiner Ankunft in Somalia bei Freunden und Familien in Deutschland. Mal erzählte er in den tollsten Farben von dem Haus, in dem er nun leben würde. Mal versuchte er, Freunde aus Deutschland zu überreden, ihm nachzureisen. Und mal sprach ganz viel Heimweh aus seinen Worten. Behörden konnten einige der Kontaktaufnahmen Emrahs lokalisieren, sie kamen aus Südsomalia, unweit der Grenze zu Kenia. Es ist das Kernland von al Shabaab.

"Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat"

Aus deutschen Sicherheitskreisen verlautete, dass Erdogan in Somalia auch den Plan verfolgte, ein Propaganda-Video zu produzieren – es sollte seinen Weg im Kampf gegen die Ungläubigen nachzeichnen, von Deutschland zum Hindukusch, vom Hindukusch ans Horn von Afrika. Das Video wurde nie veröffentlicht, der Weg von Erdogan ist vorerst beendet.

Kenianische Behörden werfen dem Deutschen vor, am 28. Mai an einem Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Nairobi beteiligt gewesen sein. Dabei wurde ein Mensch getötet, mehr als 30 verletzt. Unter dem Aktenzeichen ST 34 – 095906/10 ermittelt das Bundeskriminalamt im Auftrag der Staatsanwaltschaft bereits seit über zwei Jahren gegen Erdogan. Ursprünglich wegen "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat", zuletzt wegen "Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland".