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Stern Investigativ - Rüstung und Militär

Zschäpe-Liebhaber und LKA-Spitzel Thomas S.: Die Akte des NSU-Helfers

In der DDR spähte er als Teenager Fußballfans für die Stasi aus, nun wurde er als Spitzel im Umfeld des neonazistischen NSU enttarnt. Thomas S. war schon immer jemand, der andere gegen Geld verpfiff.

Von C. Elmer, J. Gunst, D. Liedtke und A. Mönnich

Dieser Mann ist in der grausamen Saga des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) mit zehn Mordopfern eine besonders schillernde Figur: Thomas "Tommi" S.: Skinhead, führender Kopf der inzwischen verbotenen Neonazi-Organisation Blood & Honour (B&H), Lieferant von Sprengstoff für Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Spitzel für die Stasi und nach der Wende zehn Jahre lang V-Mann des Landeskriminalamts Berlin. Über Monate hinweg war er obendrein noch Liebhaber von Beate Zschäpe.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt aktuell gegen Thomas S. im NSU-Verfahren als Beschuldigten wegen des "Anfangsverdachts der Unterstützung des NSU". Noch nach dem Abtauchen von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe soll S. Kontakt zu der Terrorzelle gehabt haben.

Wie der stern in seiner aktuellen Ausgabe enthüllt, wurden im Bundesamt für Verfassungsschutz noch im Februar Akten zu S. gelöscht, obwohl das Bundeskriminalamt (BKA) erst fünf Wochen zuvor im Zuge der NSU-Ermittlungen die Wohnung von Thomas S. durchsucht hatte. Das Investigativ-Team des stern rekonstruiert aus vertraulichen Dokumenten und öffentlichen Quellen die Akte Thomas S..

Neonazi-Karriere in den Neunzigern

Man muss sich Thomas S. als jemanden vorstellen, der schon immer andere verpfiffen und dafür die Hand aufgehalten hat.

Geboren 1967 in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, soll er in den 80er-Jahren das erste Mal mit DDR-Behörden kooperiert haben. Als Informeller Mitarbeiter (IM) packte er bei der Staatssicherheit über Fußballfans aus. Mitte 2009 bei einer Sicherheitsüberprüfung darauf angesprochen, will er sich nicht mehr daran erinnern können. Nach der Wende rutscht S. in die rechte Skinheadszene seiner Geburtsstadt ab.

1991 wird S. das erste Mal straffällig: Zwei Jahre später verurteilt ihn das Landgericht Chemnitz zum ersten Mal zu acht Monaten auf Bewährung wegen Beihilfe zur versuchten schweren Brandstiftung in Tateinheit mit Waffenbesitz.

1992 überfällt S. mit anderen Neonazis ein Jugendhaus in Chemnitz. Dafür wird er wiederum zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt.

1994 ist S. an einem Überfall auf eine Veranstaltung der Bundeswehr im ehemaligen Pionierlager Einsiedel beteiligt. Im selben Jahr muss er zum ersten Mal hinter Gitter: für zwei Jahre und sechs Monate.

1995 werden die Strafen zu einer Haftzeit von einem Jahr und zwei Monaten zusammengezogen. Bis zu seiner Entlassung im Frühjahr 1996 erhält er auch Besuch von der späteren Zwickauer Zelle. Danach kreuzen sich die Wege des gewalttätigen rechten Skinheads und des Terrortrios immer wieder.

Verhältnis mit Beate Zschäpe

Mit Beate Zschäpe entwickelt sich ein Liebesverhältnis. Mindestens von Ende 1996 bis Mitte 1998 sollen S. und Zschäpe liiert gewesen sein. Als das LKA Thüringen am 26. Januar 1998 die von Beate Zschäpe angemietete Garage in Jena durchsucht, stoßen die Ermittler auch auf "umfangreichen Schriftverkehr" zum "einschlägig vorbestraften Thomas S.". Auf der Suche nach dem inzwischen untergetauchten Terrortrio zapft das LKA Thüringen vom 4. August bis 4. September 1998 neben anderen auch das Telefon von S. an. Ohne Erfolg: "Über die Telefone kamen keine Informationen zum Aufenthaltsort der Gesuchten."

Just einen Tag später wird S. zusammen mit dem Gesinnungsgenossen Jan W. vom Verfassungsschutz Brandenburg bei einem Blood & Honour-Konzert der Sektion Brandenburg gesehen. Am 9.4.1999 überprüfen Zielfahnder des LKA die Wohnung von S. in Chemnitz. Wieder erfolglos: "Die frühere Wohnung des Thomas S. stand leer. Ein Nachbar meinte, Uwe Mundlos im Jahr 1998 häufiger bei S. gesehen zu haben." Am 13.11.1999 bietet ein B&H-Sektionsführer mit dem Spitznamen "Riese" S., der inzwischen in Dresden wohnt, bei einem Skinkonzert eine finanzielle Spende für "die Drei" an. Der winkt jedoch ab, da die Drei "jobben" und kein Geld mehr brauchen würden. In den Wochen zuvor hatten Böhnhardt und Mundlos in Chemnitz die ersten beiden Überfälle zur Geldbeschaffung verübt.

Unbeliebt unter Gesinnungsgenossen

Ein skizzenhaftes Psychogramm von S. ergeben Aussagen weiterer Unterstützer des NSU-Trios. Max-Florian B. bot dem untergetauchten Trio zeitweise Unterschlupf. Er sagte Ende November 2011 aus, "dass sie von Thomas S. enttäuscht waren. Die Drei haben den Thomas S. zuvor jahrelang im Gefängnis unterstützt.“ Die Hilfe für das Killertrio honorierte S. mit einem anerkennenden Handschütteln beim Skinheadkonzert: "Er hat mich nicht auf die Sache angesprochen, es war aber klar, dass es um die Sache ging, die jedoch sehr geheim gehalten wurde."

Bei Geld hörte die Gesinnungsfreundschaft für S. anscheinend auf, wie sich B. erinnert: "Nachdem die Drei ausgezogen waren, habe ich von Thomas S. ein gebrauchtes Bett und einen Schrank bekommen, wofür er 100 DM verlangte. In späteren Telefonaten mit den drei Gesuchten, haben diese sich aufgeregt, dass Thomas S. überhaupt Geld dafür verlangt hatte."

Am 18. Dezember 2000 wird S. im sogenannten "Landser"-Verfahren von der Bundesanwaltschaft für eine Einzelinformation Vertraulichkeit zugesichert. S. packt aus, zunächst als Informant, später als Zeuge. Es geht um den Vertrieb von CDs der rechtsextremistischen Band "Landser". S. belastet seinen "Kameraden" Jan W. Danach ist S. in der Szene bekannt und wird verprügelt.

Ab 2001 spitzelt S. zehn Jahre lang für das LKA Berlin, wie stern.de gestern berichtete. Zwischen 2001 und 2005 machte S. bei vier Treffen mit dem LKA Berlin vertrauliche Angaben zu dem untergetauchten Terrortrio. Im Januar 2012 gerät der Spitzel erneut in den Fokus der Ermittler: Sie durchsuchen seine Wohnung und verhören ihn. Die Bundesanwaltschaft ermittelt nun gegen ihren alten Bekannten S..

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.