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stern exklusiv: Schweizer lassen deutschen Datendieb wohl bald frei

Der deutsche IT-Spezialist Lutz O. sitzt in der Schweiz im Gefängnis. Er hatte Bankkunden-Daten an deutsche Behörden verkauft. Nach stern-Recherchen rückt seine Freilassung näher.

Von Jarka Kubsova

Ein deutscher IT-Spezialist, der wegen Diebstahls von Bankkundendaten in der Schweiz im Gefängnis sitzt, könnte bald freikommen. Die Anwälte des 54-jährigen Lutz O. haben nach Informationen des stern mit der Schweizer Justiz ein "abgekürztes Verfahren" ausgehandelt, da der Mann zu einem umfassenden Geständnis bereit war. Spätestens nächste Woche wird die Schweizer Bundesanwaltschaft Anklage gegen den Deutschen erheben.

O. war Mitarbeiter der Privatbank Julius Bär. Ihm wird vorgeworfen, dort Kundendaten gestohlen und an deutsche Finanzbehörden verkauft zu haben. Im vergangenen Juli wurde er festgenommen.

Deutsche Steuerfahnder hatten in der Vergangenheit mehrmals CDs mit Daten unterschiedlicher ausländischer Banken aufgekauft, um Steuersünder aufzuspüren. Die Schweiz dagegen versucht, sich gegen die Datendiebe zu wehren und geht strafrechtlich gegen sie vor.

Bei einer Verurteilung drohen O. nach stern-Recherchen zwischen 18 und 24 Monate Haft. Im günstigsten Fall könnte er allerdings schon Ende dieses Jahres entlassen werden, da er bereits seit gut einem Jahr im Gefängnis ist.

Haftbefehl gegen früheren deutschen Steuerfahnder

Gegen einen weiteren Mann, einen pensionierten deutschen Steuerfahnder, hat die Schweizer Bundesanwaltschaft ein Rechtshilfeersuchen an die deutschen Behörden gestellt. Die Schweizer ermitteln gegen den Beamten wegen Geldwäsche und des Verdachts des "wirtschaftlichen Nachrichtendienstes", also Spionage. Gegen den früheren Steuerfahnder liegt ein Haftbefehl in der Schweiz vor, er soll O. beim Verkauf der gestohlenen Daten an die deutschen Behörden unterstützt haben.