HOME

Maschmeyer-Connection: Wenn Freundschaft und Liebe sich auszahlen

Dubiose Cum-Ex-Geschäfte: Ein Schweizer Banker versichert an Eides statt, dass Carsten Maschmeyer Provisionen forderte - sogar für die Vermittlung seiner eigenen Verlobten. Der Finanzguru wehrt sich.

Von Wigbert Löer, Uli Rauss und Oliver Schröm

Als Carsten Maschmeyer seine künftige Frau Veronica Ferres kennen lernte, fragte sie ihn nach seinem Beruf. Der Unternehmer und langjährige AWD-Chef antwortete: "Finanzen und Versicherungen". Darauf sagte die Schauspielerin: "Oh, da könnte ich auch mal einen Ratschlag gebrauchen."

Das war 2007 auf einem Empfang bei der Berlinale, und über ihre weitere Beziehung haben seitdem beide fleißig Auskunft erteilt. Sie verliebten sich ineinander, verlobten sich in einer Hotelsuite voller Rosen und kündigten immer wieder ihre Hochzeit an. Und: Maschmeyer gab seiner Freundin auch Ratschläge in finanziellen Dingen.

Die Folge: Er half ihr, über ein Schweizer Konto Geld in Fonds zu stecken, die Cum-Ex-Geschäfte betrieben. Diese Anlagen konnten Traumrenditen erzielen - und gingen zulasten deutscher Steuerzahler.

Einträglicher Freundschaftsdienst

Vor dem Urteil des Bundesfinanzhofes an diesem Mittwoch in einem Cum-Ex-Fall berichtet der stern, dass Maschmeyer seine Geliebte bei Anlagefragen offenbar nicht uneigennützig beriet. Ein früherer Banker erklärte an Eides statt, dass der frühere Drückerkönig für die Vermittlung von Veronica Ferres an das Schweizer Geldhaus Sarasin Provision verlangt habe.

Es war dem Banker nach nicht der einzige Freundschaftsdienst, der sich für Maschmeyer rechnen sollte. Der Finanzunternehmer habe von der Bank auch Geld dafür gefordert, dass er als Kunden seinen Bekannten Clemens Tönnies vermittelte, den Schalke-Boss und größten Schlachtunternehmer Deutschlands. Mit dem HSV-Trainer Mirko Slomka ist Maschmeyer sogar eng befreundet. Auch ihn hat er der Sarasin-Bank als Investor vermittelt. Und auch dafür habe er Provisionen kassieren wollen.

Der Banker gab seine eidesstattliche Versicherung, die dem stern vorliegt, im Rahmen eines Gerichtsverfahrens in Deutschland ab. Wörtlich vertraute er dem Gericht an: "Herr Maschmeyer verlangte von der Bank sogar eine Provision für die Vermittlung der von ihm geworbenen und betreuten Kunden Tönnies, Ferres und Slomka."

Sagt der Banker die Wahrheit - die Abgabe einer falschen Eidesstattlichen Versicherung kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden - hat Carsten Maschmeyer also als Privatanleger versucht, Freundschaft und Liebe in Geld umzumünzen.

Reaktion auf diesen Bericht: Maschmeyer will klagen

Maschmeyer äußerte sich auf Anfrage des stern zunächst nicht. Heute aber, rund zwei Stunden, nachdem stern.de diesen Text veröffentlichte, reagierte der Unternehmer doch noch. Nach stern-Informationen will er nun eine Strafanzeige gegen den Sarasin-Banker stellen - wegen Abgabe einer falschen eidesstattlichen Versicherung und wegen Verleumdung. Maschmeyer bestreitet also, Provisionen gefordert und den Charakter der Geldanlage gekannt zu haben. Er behauptet, dass der Banker, der sich an Eides statt so deutlich äußert, die Unwahrheit sagt.

Das stern-Team Investigative Recherche wird das Thema weiter verfolgen. Hinweise bitte und sehr gerne an: investigativ@stern.de oder an unseren anonymen Briefkasten.

Wie der Finanzkrimi um Cum-Ex-Geschäfte genau funktioniert

... lesen Sie im neuen stern

Von:

und Ulrich Rauss