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Anfällig für Korruption: Daniel Kehlmann über Tradition und Toleranz in Österreich

Der Autor kennt sich in Österreich ebenso wie in Deutschland aus. Er nimmt Stellung zur aktuellen Regierungskrise in Österreich.

Daniel Kehlmann

Der Autor Daniel Kehlmann. Foto: Arne Dedert

Österreich ist nach Einschätzung des deutsch-österreichischen Schriftstellers Daniel Kehlmann aufgrund seiner Vergangenheit anfälliger für Korruption als etwa Deutschland.

«Österreich hat mit seiner höfisch-katholischen Tradition leider auch eine größere Toleranz gegenüber Korruption, gegenüber Einflussnahme, gegenüber Mauschelei», sagte der 44-jährige Bestsellerautor («Tyll») dem «Spiegel». Deutschland dagegen sei stark bestimmt von einer «Kultur des protestantischen Pfarrhauses».

«Kant und die protestantische Ethik, das ist keine schlechte Sache: Man nimmt vieles nicht hin, womit der Österreicher erst mal gar kein Problem hat», sagte Kehlmann. «Und da sind wir wieder bei Ibiza. Es muss ganz viel passieren, man muss schon unglaubliche Dinge sagen, damit auch ein Großteil der österreichischen Bevölkerung sagt, also nein, das geht wirklich nicht.»

Ein im Sommer 2017 auf Ibiza heimlich aufgenommenes Video hatte in Österreich eine Regierungskrise ausgelöst. Das Video zeigt, wie der Rechtspopulist und spätere Vizekanzler Heinz-Christian Strache mit einer vermeintlichen russischen Investorin über eine Zusammenarbeit redet. Dabei geht es auch um mögliche Staatsaufträge im Gegenzug für verdeckte Wahlhilfe zugunsten der FPÖ und um strategische Einflussnahme auf Medien. Infolge der daraus resultierenden Regierungskrise sind inzwischen keine FPÖ-Politiker mehr im Kabinett.

dpa