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Bilanz Die Buchbranche in Zeiten von Corona

Börsenverein des Deutschen Buchhandels
Buchbestellungen - zur Auslieferung bereit. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
© dpa-infocom GmbH
Wo steht die Buchbranche im Corona-Jahr? In der Krise haben zahlreiche Buchhändler Kreativität gezeigt. Aber reicht das, um aus den negativen Zahlen zu kommen?

Obwohl die Buchbranche in der Corona-Krise ein kräftiges Minus eingefahren hat, blickt sie einigermaßen zuversichtlich auf das weitere Jahr.

«Der Buchbranche ist es in den letzten Wochen gelungen, ihre Verluste kontinuierlich zu reduzieren», teilte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Mittwoch mit.

Aufgrund der Pandemie mussten in nahezu allen Bundesländern, mit Ausnahme von Berlin und Sachsen-Anhalt, die Buchläden zwischen dem 23. März und dem 19. April schließen. Vom Januar bis zum Zeitpunkt der Wiedereröffnung habe sich über alle Absatzwege hinweg - also sowohl im Handel vor Ort als auch digital - ein Umsatzminus von 14,9 Prozent aufgebaut. Dieses Minus sei bis Ende Juni auf 8,3 Prozent verringert worden.

Viele Händler und Verlage haben während des Lock-Downs mit Kreativität reagiert und sich digitaler aufgestellt. So wurde der Instagram-Auftritt aufgebaut und Lesungen im Internet organisiert. Buchhändler konzentrierten sich auf Bestellungen übers Netz und lieferten beispielsweise Bücher mit dem Lastenrad aus.

«Es ist enorm bemerkenswert, wie sich die Branche aus dem Tief und Schock einer Komplettsperrung der Buchhandlungen herausgearbeitet hat», sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis. Die Krise berge auch eine Chance, so Skipis. Sie habe «uns allen einen unglaublichen Schub gegeben, der erhalten werden muss».

Denn die Zahlen sind trotz allem alarmierend: So liegt der Umsatz des stationären Buchhandels, also der klassischen Buchhändler vor Ort, nach dem ersten Halbjahr mit 13,9 Prozent unter dem Vorjahreswert. Insgesamt sei die Lage «nicht nur schwierig sondern schon drastisch», sagte die Vorsteherin des Börsenvereins, Karin Schmidt-Friderichs. Unter anderem fordert der Verein ein starkes Urheberrecht und eine Beteiligung der Verlage an Ausschüttungen der Verwertungsgesellschaften.

«Wir sind eine Branche mit extrem knappen Margen, viel Idealismus und wenige Geld», sagte Schmidt-Friderichs. Es sei aber ermutigend zu sehen, wie die Ängste in den letzten Monaten in Kraft und Kreativität umgewandelt worden seien.

Und wie steht es um die Verlage? Viele hätten Neuerscheinungen verschoben oder gleich ganz gestrichen, sagte sie. Ein großer Teil davon stamme von unbekannten Autoren oder seien Nischentitel. «Das ist ein Alarmsignal, denn es gefährdet die literarische und kulturelle Vielfalt unserer Gesellschaft.»

Als positiv wurde hingegen gewertet, dass das Buch in der Krise seine wichtige Stellung in der Gesellschaft unterstrichen habe. Das zeige etwa die enorme Nachfrage nach Kinder- und Jugendbüchern. «Sie bieten nicht nur Beschäftigung, sondern ermöglichen auch Bildung und geben Halt», sagte Skipis.

Der Börsenverein präsentierte auch die Wirtschaftszahlen für das vergangene Jahr: 2019 stieg der Umsatz um 1,7 Prozent auf 9,29 Milliarden Euro. Die stationären Läden legten um 0,4 Prozent zu und machten mit 46,2 Prozent weiterhin den größten Anteil aus. Der Online-Buchhandel, zudem auch das Online-Geschäft der klassischen Buchhändler zählt, legte um 4,2 Prozent zu und kommt auf einen Marktanteil von 20 Prozent.

Allerdings ging die Zahl der Menschen, die mindestens ein Buch kauften um 3,5 Prozent auf 28,8 Millionen zurück. Jedoch erwarben diese im Schnitt mehr Bücher als im Jahr zuvor.

dpa

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