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British Museum: Troja als ewige Quelle von Mythos und Inspiration

Von Homer bis heute: Die Faszination des Schicksals der antiken Stadt Troja ist ungebrochen. Eine Ausstellung im British Museum in London versucht Antworten zu finden.

Troja-Schau in London

Keramikvase "Odysseus und die Sirenen" (ca 480 vor Christi) in der Ausstellung «Troja: Mythos und Realität» im British Museum. Foto: -/ The Trustees of the British Museum/dpa

Was haben Christa Wolf, Cy Twombly, Margaret Atwood, Brad Pitt, Shakespeare und Lucas Cranach mit der über 3000 Jahre alten Geschichte der antiken Stadt Troja zu tun? Allerhand, wie eine neue Ausstellung im British Museum in London belegen will.

Die seit Jahrtausenden andauernde Faszination über die Helden und Heldinnen der Antike, ihr Einfluss auf Literatur, Malerei, Musik, Volksbräuche und Kriegsführung wird anhand von rund 300 Exponaten untersucht. Etwa ein Drittel davon kamen aus den Staatlichen Museen Berlin, darunter zahlreiche Originalfunde des deutschen Kaufmanns und Archäologen Heinrich Schliemann. 

Es ist die erste große Troja-Schau in London, seit Schliemann im Jahr 1877 am selben Ort seine Funde präsentierte. Zu sehen sind unter anderem zwei durch Feuer geschädigte antike Keramikbehälter, die, so erläutert Chefkuratorin Alexandra Villing, bei der Bombardierung Berlins zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein «zweites Mal verbrannt wurden.»

Für Museumschef Hartwig Fischer hat die Schau «Troja: Mythos und Realität» hochaktuelle Relevanz: «Die Helden sind zugleich auch die Mörder. Es geht um Zerstörung, Gewalt, Konflikt, Trauer und Verlust. Diese Ausstellung ist ein Appell, Gewalt und Zerstörung zu beenden», sagte Fischer der Deutschen Presse-Agentur. «Sie fordert zum Nachdenken darüber auf, wie sich Entscheidungsfreiheit, Ethos und Schicksal zueinander verhalten.»

Gleich am Eingang wird dem Besucher der zeitgenössiche Bezug vor Augen geführt. Eine Installation des britischen Bildhauers Anthony Caro überträgt die Brutalität der Trojanischen Kriege auf die Balkankonflikte der 1990er Jahre, und der US-Künstler Cy Twombly vermittelt die «Rache des Achilles» mit dem Gemälde einer blutigen Speerspitze. «Wir erkennen uns in den menschlichen Aspekten der Hauptakteure wieder», sagte Villing dazu.

Ein gigantisches Holzskelett eines Trojanischen Pferdes schwebt über dem Hauptteil der Ausstellung mit zahllosen Funden prächtig bemalter antiker Vasen, reichlich verzierter Marmorsarkophage, Helmen und vergoldeter Schilde. Zu den Star-Leihgaben gehören zwei römische Silberbecher mit Szenen aus Homers «Ilias», die laut Katalog in einem eisenzeitlichen Häuptlingsgrab im dänischen Hoby gefunden wurde. Eine Marmorstatue des «Verwundeten Achilles» aus dem frühen 19. Jahrhundert wurde vom englischen Landschloss Chatsworth ausgeliehen. Der Pfeil in der Ferse des Achilles wurde eigens für die Ausstellung neu vergoldet.

Die Sektion Troja und die Archäologie erzählt die Geschichte der Ausgrabungen - im heutigen Nordwesten der Türkei - und setzt sich dabei kritisch mit Schliemanns Methoden, Schlüssen und Bewertungen auseinander. Die von ihm entdeckte «Verbrannte Stadt» sei nicht das Troja des Trojanischen Kriegs gewesen, wird erläutert. «Er machte übertriebene Angaben über seine Funde, um seine Theorie zu untermauern», heißt es in der Ausstellung. «Er (Schliemann) war ein großer Eigenpublizist, und wir wissen heute, dass er falsch lag. Sein Troja war rund 1000 Jahre zu früh», so Kuratorin Villing.

Plakate zum Hollywood-Film «Troja» mit Brad Pitt und literarische Bezüge von Schriftstellerinnen wie Christa Wolf, Pat Barker und Margaret Atwood sollen die moderne Auseinandersetzung mit dem Mythos von Troja belegen. «Wir haben keine Chance gegen eine Zeit, die Helden braucht», wird aus Wolfs Erzählung «Kassandra» zitiert.

Unter den zahlreichen Gemälden, die von Legende und Wahrheit über Troja inspiriert wurden, ist auch «Das Urteil des Paris» von Lucas Cranach d. Älteren zu sehen, das der Queen gehört. Die Ausstellung schließt mit einer großen Fotoaufnahme von Sophia Schliemann, der Ehefrau des Forschers, die sich 1874 mit Nachahmungen des Schmucks der schönen Helena von Troja zierte.

dpa