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Vertrauen in Massenmedien: Trumps Krieg gegen die Presse und wie er ihn gewinnen will

Durch den US-Wahlkampf verloren die Journalisten das Vertrauen der konservativen Wähler. Trump-Berater verraten, wie der nächste Präsident diesen Vertrauensverlust für sich nutzen wird.

Den Wahlkampf hat Donald Trump gegen wichtige Leitmedien gewonnen. Plant er er nun eine Präsidentschaft ohne Medien?

Den Wahlkampf hat Donald Trump gegen wichtige Leitmedien gewonnen. Plant er er nun eine Präsidentschaft ohne Medien?

Die meisten Medien bezogen in dem Wahlkampf so deutlich Stellung wie noch nie zuvor. Gegen Trump. Von klaren Wahlempfehlungen für Hillary Clinton angefangen wurde mit drastischen Worten vor Donald Trump gewarnt. Er wurde als Frauenfeind, Populist, Lügner, Demagoge und Faschist bezeichnet.

Genutzt hat das nichts, Donald Trump wurde zum Präsidenten gewählt. Der Folgen für das Verhältnis von Macht und Medien können noch nicht abgeschätzt werden. Aber schon während des Wahlkampfes wurde deutlich, dass die Massenmedien einen hohen Preis für ihre klare Haltung bezahlen werden. In der jährlichen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Gallup zu Massenmedien zeichnete sich ein Erdbeben ab. Das "Vertrauen" der Amerikaner, dass die Massenmedien "die Nachrichten vollständig, korrekt und fair" ("to report the news fully, accurately and fairly") berichten, hat ein neues Allzeittief erreicht. Nur 32 Prozent der Befragten haben noch dieses Vertrauen in den Medien. 

Abstimmung

Ihre Meinung: Haben die deutschen Medien über den Wahlkampf in den USA " vollständig, korrekt und fair" berichtet?

Innerhalb nur einen Jahres sank der Wert um acht Prozent. So einen Einbruch wie 2016 gab es noch nie. Die Ursache ist der Wahlkampf. Bei Wählern der Republikaner schrumpfte das Medienvertrauen innerhalb eines Jahres um mehr als die Hälfte, es sank von 33 Prozent auf 14 Prozent.

Die Ergebnisse zeigen eine  Spaltung des Landes: Eingefleischte Demokraten vertrauen zu 51 Prozent den Medien, Republikaner zu 14. Bei nicht festgelegten Wählern ist das Vertrauen zu den Medien allerdings auch angeschlagen: Es liegt bei nur 30 Prozent.

Wozu braucht Trump die Medien

Der Kulturkampf zwischen einem Großteil der US-Medien und dem neuen Präsidenten dürfte nach dem Amtsantritt unvermindert weitergehen. Donald Trump fährt dabei zweigleisig: Seine permanenten Angriffe unterhöhlen das Vertrauen in die Medien. Parallel dazu schaltet er mediale Vermittler in seiner Kommunikation einfach aus. Wichtige Entscheidungen gibt er nicht in einem Interview bekannt, sondern in direkten Videobotschaften, auf Veranstaltungen mit seinen Anhängern oder über seinen Twitter-Kanal. Der einflussreiche Trump-Unterstützer Newt Gingrich riet mehrmals, dass der neue Präsidenten an seiner direkten Kommunikation mittels Video und Twitter unbedingt festhalten solle. "CBS News" sagte er, ohne Kosten könne Donald Trump mit seinem Twitter-Account 13 bis 14 Millionen Menschen direkt erreichen, damit habe er die "New York Times" überspielt.

Donald Trump selbst deutet an, dass er nicht vorhabe, sich als amtierender Präsident auf Schritt und Tritt von einem Pressetross begleiten zu lassen. Trump-Berater verrieten, dass es zu einer weitreichenden Reform der Pressekonferenzen des Sprechers des Weißen Hauses kommen könne. Derzeit haben die wichtigsten Medien einen festen Platz in dem vergleichsweise kleinen Raum, sollten die Plätze zwischen allen akkreditierten Medien rotieren oder ausgelost werden, dürfte das die Position der medialen Platzhirsche schwächen.

Neue Spielregeln

Wenn die Presse einen näheren Zugang bekommt, dann zu den Bedingungen von Trump. Einen Vorgeschmack gab es während des Wahlkampf. Sinclair Broadcasting, eine Gruppe die über 150 TV-Sender kontrolliert, hatte einen Deal mit Trump abgeschlossen: Sie erhielten exklusive Interviews, mussten sich aber verpflichten, das Material ungefiltert, also komplett und ungeschnitten, zu senden. Es ist zu erwarten, dass Trump auch als Präsident zu solchen "Vorsichtsmaßnahmen" greifen wird. 


Vorbild Putin

"USA Today" gegenüber sagte Newt Gingrich, wäre er anstelle von Trump, würde er überhaupt nie wieder eigene Pressekonferenzen mit den feindseligen Medien anhalten. Er würde statt dessen direkt die Fragen der Wähler beantworten. Ein Modell, dass Gingrich wohl bei Wladimir Putin abgeguckt hat. Russlands Präsident Putin hält alljährlich eine Mammut-Konferenz ab, auf der er die Fragen der Bürger beantwortet. Dabei kommen auch durchaus mal kritische Stimmen zu Wort, doch die Kontrolle über das Medien-Spektakel liegt beim Kreml.