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Premiere Auf der Fernsehcouch der Stars – wie die Emmys in diesem Jahr virtuell umgesetzt werden

Jimmy Kimmel moderiert die Emmys
Jimmy Kimmel moderiert die Emmys
© Rich Fury / Picture Alliance
Die Emmys stehen dieses Jahr im Zeichen von Corona und den Waldbränden in Kalifornien. Auf eine glamouröse Gala wird verzichtet, stattdessen findet die Verleihung rein virtuell statt - aber trotzdem mit einigem Aufwand.

Kein roter Teppich, keine Reporter mit plumpen Fragen zu aufwendigen Abendkleidern und kein Publikum: Wenn am Sonntag in New York die Emmy-Awards, der wichtigste Fernsehpreis der Welt, verliehen werden, ist vieles anders als in den vergangenen Jahren.

Emmy-Awards unter Corona-Bedingungen

In Werbespots versuchen die Macher, aus einer ungewöhnlichen Situation das Beste zu machen. "Tracee Ellis Ross auf ihrer Couch! Rachel Brosnahan in einem Schrank unter der Treppe! Und Brian Cox isst eine Banane - irgendwo!", heißt es in den TV-Clips im US-Fernsehen zu Bildern der nominierten Hauptdarsteller aus "Black-ish", "The Marvelous Mrs. Maisel" und "Succession".

Corona macht die übliche Award-Zeremonie unmöglich, aber Hollywood lässt sich einen Abend des werbewirksamen Schulterklopfens nicht entgehen - und so wird die Preisverleihung in den wichtigsten Kategorien am Sonntag zur rein virtuellen Veranstaltung. Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel moderiert die Show zwar aus dem Staples Center in Los Angeles, außer dem TV-Team und einigen wenigen handverlesenen Gästen wird der Saal aber leer bleiben.

Promis auf der heimischen Couch

Stattdessen werden Dutzende Nominierte von daheim zugeschaltet und schon jetzt laufen die US-Klatschmagazine heiß, wenn es um die Frage geht, was die Promis wohl auf der heimischen Couch anziehen werden. Auch auf die verheerenden Waldbrände in Kalifornien und die große Anspannung der USA vor der Präsidentschaftswahl im November solle angemessen eingegangen werden, hatten die Produzenten angekündigt.

Beim Blick auf die Nominierten lautet die große Frage, wie es weitergehen wird im ersten Jahr nach dem Mega-Hit "Game of Thrones". Der Abend könnte zur großen Nacht von drei sehr unterschiedlichen Familien werden. Bei den Drama-Serien zählt "Succession" zu den großen Favoriten, ein edel ausgestattetes Epos über die fiktive Familie Roy und ihr vom alternden Patriarchen Logan geführtes Medienunternehmen - der Plot ist mehr als nur lose angelehnt an die Intrigen im Clan des konservativen Fox-News-Gründers Rupert Murdoch. Die HBO-Serie kommt auf 18 Nominierungen und liegt gleichauf mit dem zumindest vom Feuilleton weniger geliebten Kriminaldrama "Ozark" auf Netflix

Die Nominiertenliste ist spannend

Im Comedybereich hat sich dagegen "Schitts Creek" gerade in Pandemie-Zeiten zum viel geliebten Geheimtipp mit 15 Nominierungen entwickelt. Die warmherzige und überdrehte Serie erzählt von der einst reichen Familie Rose, die sich nach Problemen mit den Steuerbehörden in einem winzigen Dorf neu erfinden muss, das der Vater einst als Scherz für seinen Sohn gekauft hatte. Die von Amazon produzierte "Marvelous Mrs. Maisel" über eine Comedienne im New York der 1960er kommt zwar auf fünf Nominierungen mehr, sie könnte nach großen Erfolgen in den Vorjahren dieses Mal aber gegen die Abschlussstaffel der Roses das Nachsehen haben.

Eine regelrechte Renaissance erleben in Streaming-Zeiten die auf wenige Folgen angelegten Miniserien und Fernsehfilme. Hier sorgt "Unorthodox" auf Netflix für die aus deutscher Sicht größten Emmy-Hoffnungen seit Jahren. Auf acht Nominierungen kommt die Emanzipationsgeschichte der ultra-orthodoxen Jüdin Esther, die vor ihrem Ehemann aus New York nach Berlin flüchtet. Starke Konkurrenz droht von HBOs Neunteiler "Watchmen", der mit 26 Nominierungen das Feld anführt. Die Comicverfilmung hatte zuletzt auch bei den Anti-Rassismus-Protesten in den USA eine Rolle gespielt, weil in der Serie das Massaker an Schwarzen in Tulsa 1921 mit geschätzt bis zu 300 Toten thematisiert wird. Auch die zehnfach nominierte "Mrs. America" wurde in den Besprechungen viel gelobt, eine politisch angehauchte Dramaserie über die Emanzipationsbewegung der 1970er-Jahre mit Cate Blanchett in der Hauptrolle.

Damit die sonst so glamouröse Preisverleihung am Bildschirm aber nicht nach einer mühevollen Büro-Videokonferenz ausschaut, haben die Produzenten Kameras, Beleuchtung und Mikrofone an viele Nominierte geschickt. Deren Jubel und Enttäuschung soll mit über 130 Leitungen in 20 Städten eingefangen werden. Eine Ausrüstung ging dabei auch nach Berlin, wo Studio Airlift und Realfilm sitzen, die Produktionsfirmen von "Unorthodox" - möglicherweise ist das ja ein gutes Omen.

von Christian Fahrenbach, dpa

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