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"Christiane F."- Darstellerin: Was macht eigentlich ... Natja Brunckhorst?

Als 13-Jährige spielte sie 1981 die Hauptrolle in der Verfilmung des Bestsellers "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo".

Das Filmplakat mit Ihnen als Christiane F. prangte 1981 deutschlandweit an Litfaßsäulen. Haben Sie noch eines zu Hause hängen?

Nein! Ich finde den Film toll, habe auch noch mehrere DVDs davon. Aber das Filmplakat würde ich mir nicht in die Wohnung hängen. Ich habe keine Bilder von mir an der Wand. Das ist mir zu anmaßend.

Im Film spielten Sie das heroinabhängige Teenagermädchen Christiane F., das sich auf dem Kinderstrich am Bahnhof Zoo prostituiert. Welche Folgen hatte das für Ihr eigenes Leben?

Weil mein Gesicht groß auf allen Filmplakaten abgebildet war, hielten die Leute mich für die echte Christiane F. Damals musste ich jeden Tag mit der U-Bahn zur Schule fahren, was nach dem großen Filmerfolg unheimlich anstrengend wurde: Einmal stieg ich in einen Waggon mit einer Schulklasse auf Klassenfahrt. Als die mich erkannten, zeigten alle mit dem Finger auf mich und schrien: "Da ist sie!"

Was taten Sie, um unerkannt zu bleiben?

Ich schnitt meine Haare kurz, besorgte mir im Secondhandladen einen grauen 50er-Jahre-Anzug und verkleidete mich als Junge. Später, mit knapp 16, hielt ich den Rummel nicht mehr aus, schmiss die Schule, zog nach London und lebte ein paar Monate lang in einem besetzten Haus.

Der Albtraum vieler Eltern.

Mein Vater war da eher laissez faire: Das ist ein starkes Mädel, die schafft das schon.

Haben Ihre Eltern Sie finanziell unterstützt?

Wir hatten damals nicht viel Kontakt. Deshalb überwies mir das Jugendamt aus meiner Gage ein monatliches Salär von etwa 1500 Mark. Die ganze Gage bekam ich dann mit 18.

Haben Sie die echte Christiane F. je kennengelernt?

Die Produktionsfirma wollte das nicht, denn ich sollte möglichst naiv an die Rolle herangehen. Später, mit 16, habe ich sie zufällig auf einem Konzert ihrer Band getroffen. War schon komisch. Wir konnten nicht viel miteinander anfangen.

Mittlerweile sind Sie eine erfolgreiche Drehbuchautorin. Packt Sie manchmal noch die Lust, wieder vor der Kamera zu stehen?

Ja, aber ehrlich gesagt hätte ich dafür gar keine Zeit. Außerdem müsste auch erst mal etwas richtig Gutes vorbeikommen, das ich wirklich machen will. Ich bin eine begeisterte Filmemacherin und sehr glücklich in meinem Beruf.

An welchem Projekt arbeiten Sie gerade?

Zuletzt hatte im vergangenen Herbst "Amelie rennt" Premiere, ein humorvoller Abenteuerfilm über eine Berliner Göre, die nach einem lebensbedrohlichen Asthmaanfall von ihren Eltern in eine Spezialklinik nach Südtirol verfrachtet wird, ausreißt, in die Berge flüchtet und dort einen gleichaltrigen, geheimnisvollen Jungen kennenlernt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Meine Tochter Emma hatte als Kind selbst starkes Asthma, wurde nach einem Anfall sogar auf die Intensivstation eingeliefert. Viele der im Film verarbeiteten Szenen habe ich mit Emma genau so erlebt. Es freut mich wahnsinnig, dass der Film so gut ankommt, bereits mehrfach international ausgezeichnet wurde und jetzt für den Deutschen Filmpreis nominiert ist. Nach einer Kinovorstellung sagte ein Mädel: "Ich glaube, ich nehme mir die Amelie als Vorbild!" Das war ein tolles Kompliment. Da habe ich Gänsehaut bekommen!

Interview: Sabine Hoffmann
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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo