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"Im Alter von Ellen" im Kino Eine Stewardess findet zu sich selbst


In ihrem Debütfilm "Die Unerzogenen" zeichnete Regisseurin Pia Marais ein vielschichtiges Bild der bürgerlichen Gesellschaft in Europa. In ihrem zweiten Werk "Im Alter von Ellen" entwickelt sie das Psychogramm einer einzelnen Frau.

Eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Das Sujet klingt abgegriffen. Doch die aus Südafrika stammende Pia Marais, die in Berlin Regie studiert hat, macht daraus eine spannende Studie über Zweifel, Ängste und Sorgen, die wohl jeden Menschen in Zeiten der Globalisierung befallen können.

Die von der französischen Star-Schauspielerin Jeanne Balibar mit eckigem Charme verkörperte Titelfigur arbeitet als Stewardess. Als sie von ihrem Freund den Laufpass bekommt, dreht die 40-Jährige durch, schmeißt ihren Job hin und landet in einer Kommune von anarchistischen Tierschützern. Kann sie hier zu sich und vor allem zu einem sinnerfüllten Dasein finden?

Diese Frage sorgt für äußere Spannung. Doch viel entscheidender ist die innere Wandlung, die Ellen durchmacht. Sehr langsam, behutsam, öffnet sie die Augen und die Ohren für eine ihr fremde Realität. Dabei verfällt sie nicht in die überzogene Pose einer selbst ernannten Weltenretterin. Stück für Stück begreift sie, und mit ihr das Publikum, dass die Entdeckung der eigenen Möglichkeiten das Entscheidende ist.

Einige Szenen im Milieu der Tierschutzaktivisten wirken konstruiert. Doch die Strenge der geradlinigen Inszenierung und vor allem das Spiel Balibars fesseln. Mit ihrer minimalistischen Darstellung einer Frau in einer existenziellen Krise gibt die in ihrer Heimat Frankreich vielfach ausgezeichnete Schauspielerin dem bewusst spröden Film eine packende Authentizität.

Neben der Präsenz von Balibar begeistert vielfach die visuelle Gestaltung. Ellens Zweifel an der Welt und an sich selbst spiegeln sich konturenscharf in Bildern, die der Leere eines Lebens nachgehen, das völlig auf materiellen Konsum ausgerichtet ist. Die Hauptdarstellerin und die Inszenierung machen den kleinen Film zu einem großen Genuss für alle Freunde anspruchsvollen Kunstkinos.

Peter Claus, DPA DPA

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