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"Keine Zeit zu sterben" "Früher waren Frauen da, um James Bond zu gefallen": Léa Seydoux über den neuen 007

Léa Seyoux
Léa Seyoux spielt in "James Bond: Keine Zeit zu sterben" erneut die Psychologin Dr. Madeleine Swann.
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Sie spielt zum zweiten Mal die Frau an der Seite von James Bond: Im stern-Interview spricht Léa Seydoux über den Wandel der weiblichen Rolle in den Agentenfilmen - und erklärt, warum der nächste Bond nicht weiblich sein sollte.

Madame Seydoux, rund 60 Jahre nach dem Start des ersten "James Bond" kommt mit "No Time to die" der  25. Film in die Kinos. Warum ist dieser Agent immer noch populär, vielleicht sogar populärer als je zuvor?

James Bond ist so riesig geworden, weil die Figur eine Ikone ist. Daniel Craig hat sie auf ein anderes Level gehoben. Er hat James Bond modernisiert: Er ist zugänglicher geworden, realer. Er ist nicht perfekt, sondern beschädigt. Damit können sich Menschen identifizieren.

Sie sind erst die zweite Frau, die in zwei Filmen an der Seite von 007 mitwirkt. In "Keine Zeit zu sterben" tritt die von Ihnen gespielte Madeleine Swann erneut auf. Warum gerade sie?
In dem vorherigen Film "Spectre" war Madeleine Swann schon eine starke Frau. Eine promovierte Psychologin, eine unabhängige Person. Sie brauchte Bond nicht, um zu existieren oder gerettet zu werden. In "Keine Zeit zu sterben" ist sie noch komplexer, weil man Zugang zu ihrer verletzlichen Seite bekommt. Das ist neu. Vorher waren die Frauen in den Filmen etwas klischeehaft. Sie waren da, um Bond zu gefallen, wurden sexualisiert und objektiviert. Hier haben wir jetzt eine reale Frau, mit einer interessanten Vorgeschichte.

Nachdem seine große Liebe Vesper Lynd in "Casino Royale" gestorben ist, war nicht zu erwarten, dass sich James Bond noch einmal verlieben wird. Wieso ist er nun Madeleine Swannn verfallen?
Er liebt eben französische Frauen, sie haben diesen Charme, das gewisse Etwas... Nein im Ernst: Die beiden verstehen sich gegenseitig. Sie sind beide beschädigt, hatten eine komplizierte Kindheit. Beide sind Waisen. Sie vertrauen keinen Menschen. Sie erkennen sich in dem anderen wieder.

Daniel Craig hat die Figur des Geheimagenten im Verlauf der fünf Filme verändert, dabei ein moderneres Männerbild geschaffen. Ist "James Bond" für Sie ein politischer Film?
"James Bond" ist politisch in dem Sinn, dass er die Veränderungen in der Gesellschaft aufgreift. Aber auf der anderen Seite sind diese Filme nicht moralisch. Und das mag ich an ihnen sehr: Sie zeigen die Komplexität des Menschen. Daniel Craig hat seinen Charakter mit Paradoxien ausgestattet. Er ist ein Killer, aber er ist sich dessen auch bewusst. Zugleich sorgt man sich auch um ihn. Denn er erlaubt es dem Zuschauer, Mitgefühl mit ihm zu haben. Keine der Figuren ist hier schwarz-weiß, auch nicht die Bösewichte. Denken Sie an Javier Bardem in "Skyfall". Diese Filme werfen Fragen auf.

Bei all den Änderungen, die die Figur des James Bond durchlaufen hat – können Sie sich vorstellen, dass der nächste 007 eine Frau sein könnte?
Nein, keine Frau. Aber ich hoffe, der nächste James Bond wird anders sein als Daniel Craig. Ich wünsche mir eine überraschende Wahl.


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