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"Larry Crowne": Der unglaubliche Tom Hanks

Tom Hanks war nie der glitzernde Star, immer eher ein Kumpel, der sich auf den roten Teppich verirrt hat. Mit "Larry Crowne" hat er seine zweite Regiearbeit vorgelegt. Beim Besuch in Berlin hat der Hollywoodstar vor allem eines getan: verwirrt.

Von Sophie Albers

Tom Hanks war eigentlich schon immer da: "Big" (1988), "Forrest Gump" (1994), "The Da Vinci Code" (2006). Dieser nette Kerl von nebenan hat es trotz oder gerade wegen seiner überwältigenden Aura von Bescheidenheit ganz nach oben geschafft in Hollywood. Denn auch wenn der erfolgreichste aller Kassenmagneten zu den Mächtigsten der Traumfabrik gehört, wirkt Hanks so, als würde er alten Menschen die Einkäufe nach Hause tragen, Katzen vom Baum retten oder der Nachbarin den Rasenmäher reparieren. Nachdem der 54-Jährige mit "Larry Crowne" seine zweite Regiearbeit in Berlin vorgestellt hat, bedarf dieses Bild allerdings der Korrektur.

Der Mann, der sich in die Hotel-Suite schwingt, ist kein harmloser Rasenmäher-Reparateur, sondern ein polierter Cowboy. Er ist groß und laut und hat manikürte Fingernägel. Hanks lässt sich in das edle Sitzgehölz fallen und schlägt sich aufs gebügelte Jeansknie, ruft aus, wie wunderschön Berlin doch sei und lacht über seine eigenen Witze. Er hat definitiv jemanden, der sich um alle Rasenmäher der Stadt kümmern kann. Innerhalb von einer Minute hat Hanks das gängige Hanks-Bild zerschossen. Schneller als sein Schatten. Und er hat Freude daran.

Der Mann, der niemals einen Bösewicht spielen würde ("Schlechte Menschen interessieren mich nicht"), sagt mehr als einmal "Fuck" und will wissen, was es auf Deutsch heißt. Er sagt, "die Zukunft wird nur ein verdammtes Ding nach dem anderen sein, womit wir klarkommen müssen". Und er hat keine Angst vor den Kritikern, auch wenn sie ihm für "Larry Crowne" ein "weiteres Bohrloch reißen" werden.

Und sie sieht aus wie Julia Roberts...

Dieser Film ist wahrlich kein großer Wurf, aber eine kleine, feine Geschichte über einen Mann, der alles verliert und damit alles gewinnt. Ur-amerikanisch ist dieses An-den-eigenen-Haaren-aus-dem-Dreck-ziehen. Crowne (Hanks) wird gefeuert, die Bank nimmt ihm sein Haus, und er fährt Vespa statt Auto, weil das Benzin zu teuer ist. Dann fängt er an zu studieren, und seine Dozentin sieht ausgerechnet genauso aus wie Julia Roberts. "Und raten Sie mal, was passiert", sagt Hanks und kichert.

In diesem Film ist alles beim Alten, beim bescheidenen, harmlosen Hanks. Der ist sogar so harmlos, dass sich eine extrem attraktive junge Studentin seiner annimmt, ihn mit zum Scooter-Treffen nimmt und dafür sorgt, dass er sich "cool" anzieht. "Sie glauben gar nicht, wie häufig ich den Leuten erklären musste, dass Larry Crowne dieses süße Mädchen auf einer Vespa trifft, und sie haben KEINE romantische Beziehung! Da hieß es: Die müssen Sex haben, das wollen die Leute. Und ich meinte: Hey, es wird nicht passieren, denn stellt euch mal vor: Ich bin 54 Jahre alt! Und nur weil sie nett ist und ich auch nett bin, heißt dass nicht, dass ein 22-jähriges Mädchen mit einem 54-Jährigen ins Bett will." Sagt es, und scheint mit einem Cowboyzwinkern darauf zu warten, dass ihm jemand widerspricht.

Vergoldete Nasen

Dabei ist schnell klar, dass dieser Mann zumindest in geschäftlichen Dingen keine Widerworte duldet: "Du kommst ans Set, und alle haben schlechte Laune, schreien einander an. Und ich sage: Was zum Teufel ist das Problem? Reißt euch zusammen. Wir sind hier, um einen Film zu machen, verdammt noch mal." Hanks kennt das Geschäft. In mehr als 30 Jahren hat er in mehr als 60 Filmen mitgespielt, die im Durchschnitt 107 Millionen Dollar eingebracht haben. Seine Produktionsfirma Playtone hat Kinokassenhits wie "My Big Fat Greek Wedding" (2002) und "Mamma Mia!" (2008) finanziert, zudem TV-Serien-Erfolge wie "The Pacific" und "Band of Brothers".

Der Mann hat so viele Nasen und Wasserhähne vergoldet, dass er tun und lassen kann, was er will. Fragt man ihn allerdings danach, holt er den bescheidenen Hanks raus. Die einzige Macht, die er habe, sei es, dass Journalisten ihn interviewen wollen, wenn er nach Berlin komme. Da wirkt der harmlose Hanks fast unangenehm kokett.

Tom Hanks' größtes Kunststück ist es, uns all die Jahre erfolgreich glauben zu machen, dass ihm Macht und Ruhm nichts bedeuten. Das war sogar schon einen Auftritt in den "Simpsons" wert: Darin bietet er der US-Regierung etwas von seiner unerschütterlichen Glaubwürdigkeit zum Kauf an.

Dann reparieren wir unsere Rasenmäher eben selbst.

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