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"Tatort": Wenn das Ermittlerteam selbst ins Visier der Täter gerät: die Doppelgänger-Morde aus Münster

Drei Mordopfer und jedes davon hat einen Doppelgänger. Jede Leiche gleicht einer Person aus dem Münster-Kriminal-Team. Die Ermittler stehen vor einem großen Rätsel, bei dem sie selbst an ihre Grenzen stoßen.

Von Angelika Groß

Kommissar Frank Thiel und Professor Kral Friedrich Boerne ermitteln zusammen in den Mordfällen

Kommissar Frank Thiel und Professor Karl Friedrich Boerne ermitteln zusammen in den Münster-Mordfällen.

  • 4/5 Punkten
  • entspannter Sonntags-Krimi in gewohnter "Münster"- Manier, mit spannendem Handlungsstrang

Worum geht's?

Hauptkommissar Frank Thiel, gespielt von Axel Prahl, ist schockiert, als er mitten in der Altstadt von Münster eine Leiche beim Dom findet, die eine fast schon unheimliche Ähnlichkeit mit Staatsanwältin Klemm hat. Noch dazu entdeckt die Polizei am Tatort eine Zigarettenschachtel, die sich als Frau Klemms Packung herausstellt. Schon am nächsten Tag liegt die zweite Leiche auf dem Seziertisch von Frau Haller (Christine Urspruch) – zu ihrem Erschrecken sieht diese aus wie sie selbst. Professor Boerne (Jan Josef Liefers) und Kommissar Thiel haben einen ehemaligen Sexualstraftäter in Verdacht. Womöglich gibt es aber auch nicht nur einen Täter. Den Ermittlern läuft die Zeit davon, denn der Täter spielt ein tödliches Spiel mit ihnen.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Schon nach den ersten paar Minuten ist klar: Auf die üblichen Sticheleien des ungleichen Ermittler-Teams bestehend aus Kommissar Thiel und Professor Boerne ist auch diesmal wieder Verlass. In herzhafter Abneigung zueinander harmonieren die beiden wie immer gut vor der Kamera. Ein neues Gesicht in diesem "Tatort" ist Mirko Schrader, gespielt von Björn Meyer. Als die Urlaubsvertretung von Frau Krusenstern unterstützt er Thiel und Boerne bei den Ermittlungen und bringt frischen Wind ins Team. Die Handlung des Krimis ist spannend - der Zuschauer wird immer wieder auf neue Fährten geführt und die Zusammenhänge werden erst ganz zum Schluss klar. "Sind wir denn nicht alle vielleicht nur ein bisschen hysterisch?“, fragt Thiel zu Beginn in die Runde des Ermittlerteams. Aber schnell wird klar, dass die Hysterie durchaus angebracht ist.

Was stört?

Dieser "Tatort" versucht auf eine psychoanalytische Weise Kritik an klassischen gesellschaftlichen Strukturen zu nehmen. Leider gelingt das in den 90 Minuten Spielzeit nicht ganz und dadurch wirken einige Dialoge etwas aufgesetzt und überzogen. Dass der Charakter von Mirko, die Urlaubsvertretung, vor allem aufs Kaffee machen reduziert wird, ist schade. Auch nervt es, dass sich dieser "Tatort" an gängigen Klischees bedient – eine Protagonistin, die als "graue Maus" von ihrem eigenen, unbedeutendem Leben frustriert ist und für einen Mann ihr Leben aufs Spiel setzt, ist wenig einfallsreich.

Die Kommissare?

Thiel, der zu Beginn noch skeptisch ist, dass die Morde tatsächlich gegen sein eigenes Ermittlerteam gerichtet sein könnten, muss sich wieder mal von Professor Boerne eines Besseren belehren lassen. Spätestens, als sein eigener Vater in Gefahr gerät, läuten jedoch auch bei ihm die Alarmglocken.

Ein- oder ausschalten?

Wer einen spannenden "Tatort" des Münsteraner Ermittlerteams in gewohnter Manier sehen möchte, ohne brutale Actionszenen, dafür aber mit Plot Twist und den üblichen Gags, sollte einschalten.

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