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Action! - Neu im Kino Macht und Verführung


Spannende Psychospielchen? Vergebliches Kratzen am Marilyn-Mythos? Oder doch lieber Kuschelkatzen im Regen? stern.de präsentiert die wichtigsten Filmstarts der Woche.
Von Sophie Albers

"Chronicle - Wozu bist du fähig?"

Regie: Josh Trank
Darsteller: Dane DeHaan, Alex Russell, Michael B. Jordan

Was anfänglich aussieht wie ein weiterer Jungsfilm mit wackliger Kamera und lauernden Monstern, ist ein beeindruckendes Lehrstück über Erwachsenwerden und Weltpolitik. Drei Jungs - der coolste der Schule (Steve), der lässigste (Matt) und der Loser (Andrew) - finden ein außerirdisches Etwas, das ihnen große Macht verleiht: von der Telekinese bis zum Fliegen. Frage: Was macht man damit? Weil ihnen Spidermans weise Tante fehlt - "Mit großer Macht kommt große Verantwortung" - geht die Sache nach vorerst eher harmlosen Scherzen gewaltig schief, wenn der Loser die neue Macht zur Bekämpfung der alten Ohnmacht missbraucht. Nach Himmelsfootball gibt es Streit, und bald sterben Menschen. Der "Blair Witch Project"-Effect der Kamerabilder, die überhaupt nur entstehen, weil Andrew zum Schutz vor dem prügelnden Vater alles filmt, verliert bald den Grusel und verleiht dem Film eine Fallhöhe, die man zuerst kaum erwartet. Gespenstisch ist das Leben des Jungen mit der sterbenden Mutter und dem Alkoholikervater - mehr als die Tatsache, dass er plötzlich fliegen kann. Und dann steuert alles auf ein pompöses Ende zu, das sich zugleich vor dem grandiosen Kult-Manga "Akira" verbeugt. Auch so eine Geschichte von Mächten, die man rief und nicht mehr bändigen kann. Teil zwei ist in Arbeit, sagt Produzent Adam Schroeder.

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"My Week With Marilyn"

Regie: Simon Curtis
Darsteller: Michelle Williams, Eddie Redmayne, Kenneth Branagh

Das Beeindruckende an diesem Film ist nicht nur, dass er zeigt, dass eine Frau ohne Kurven keine Frau mit Kurven spielen sollte. Vor allem zeigt er, dass uns unsere Star-Mythologie einmal heilig war, und dass Marilyn Monroe glücklicherweise noch immer zu den Unberührbaren gehört. MM-Darstellerin Michelle Williams (die sich falsche Hüft- und Dekolletee-Fülle umschnallen musste, was man auch sieht) bleibt eine Frau, die versucht, wie die Monroe zu sein. Es gibt sogar eine Szene, in der Williams-Monroe ihren jungen Geliebten fragt, "soll ich sie sein?", um sich dann lasziv an eine Säule zu schmiegen und kindlich lachend den Kopf in den Nacken legt. Doch das alles reicht eben nicht, um die Magie der Frau herzustellen oder gar zu erklären, die wie keine andere die Szene beherrschte, sobald eine Kamera auf sie gerichtet war. "My Week With Marilyn" erzählt von dem alten Normalsterblichen-Traum, einen Promi außerhalb der Promi-Kreise zu treffen und ein Liebespaar zu werden. Oxfordstudent Colin ist Laufbursche bei Laurence Oliviers Film "Der Prinz und die Tänzerin" und verliebt sich in die Monroe, die mal männerfressende Pflanze, mal kaputtes Psychowrack ist. Und die sich über die unschuldige Anhimmelei freut. Die Geschichte ist nett, die Schauspieler geben alles - vor allem Kenneth Branagh als Olivier - doch mehr als nett wird es einfach nicht. Schuld ist daran niemand - denn die Monroe ist - wie gesagt - unberührbar.

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"Anton Corbijn Inside Out"

Regie: Klaartje Quirijns
Darsteller: Anton Corbijn, U2, Metallica

Seine Fotos und Videos haben Poptitanen geformt - von Joy Division über U2 bis R.E.M. Nun wird der holländische Bildkünstler Anton Corbijn selbst vor die Kamera gestellt. Was ihm nicht besonders gefällt. TV- und Filmregisseurin Klaartje Quirijns sucht vor allem in Corbijns Kindheit und Familie nach Erklärungen für die Kunst des großen schlaksigen Mannes, der dem Popzirkus Ikonen schenkt, ohne je selbst die Manege zu betreten. Der strenge Priestervater hatte offensichtlich großen Einfluss, doch zugleich spricht da ein in seinen Gedanken freier Mann in den italienischen Bergen vom Dreh mit George Clooney für "The American". Der Blick auf Corbijns Regiearbeiten ist weniger durchdringend als der auf die Fotografie. Nichtsdestotrotz zeigt der Film die harte und immer wieder auch kalte Arbeit, die uns träumen lässt. Und Rock'n'Roll ist immer noch das beste Mittel gegen Eltern, die einem die Luft abschnüren.

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"Einmal ist keinmal"

Regie: Julie Anne Robinson
Darsteller: Katherine Heigl, Jason O'Mara, Daniel Sunjata

Als "Grey's Anatomy"-Star Katherine Heigl den Sprung auf die Leinwand wagte, war sie vor allem eins: vielversprechend. Die unkonventionelle Blondine schien mit Filmen wie "Knocked Up" auf dem besten Weg, ihr eigenes Ding abseits der McDreamy-Welt zu machen. Doch irgendwie ist sie bei der Drehbuchwahl immer wieder an den falschen Geschichten hängen geblieben: "27 Dresses", "Die nackte Wahrheit", der furchtbare "Killers", "So spielt das Leben" oder auch ihr Auftritt in "Happy New Year" stutzen die 33-Jährige allesamt zum öden "Rette mich"-Blondchen. Und das hat Heigl nun wirklich nicht verdient. Deshalb schien es erstmal ein guter Anfang, dass "Izzy" sich für "Einmal ist keinmal" die Haare dunkel gefärbt hat. Gegen die Erwartung. Und auch, dass sie zur Kautionsjägerin wird, ist nett. Hat ja schon bei Jennifer Aniston funktioniert. Aber dann ist sie eben doch wieder das Mädchen, das gerettet werden muss, und wenn sie wegen eines Cupcakes alle Vorsätze über Bord und den harten Kerl in ihr Bett wirft, hat es sich auch schon wieder mit der Begeisterung für den Film. Heile, heile Macho-Welt.

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"Im Reich der Raubkatzen"

Regie: Alastair Fothergill, Keith Scholey

Eigentlich jedes Kind, das je Walt Disneys "Die Wüste lebt" (1953) gesehen hat, ist dem Tierzauber des Unterhaltungsimperiums für immer erlegen. So herzergreifend menschlich war der Kampf ums Überleben in der Wüste noch nie. Das war Bambi als Realfilm. Nun ergänzen Großkatzen den Tierfilmreigen: Löwen- und Gepardenmütter schützen ihre Kleinen. Und die sind mindestens genauso niedlich wie ihre kleinen, domestizierten Artgenossen auf Youtube.

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