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Action! - Neu im Kino Rot lockt die Freiheit


Pixar bekommt endlich ein Mädchen. Johnny Depp hat vielleicht doch keine Affäre. Und im Gazastreifen ist es nicht einfach, Schwein zu sein. stern.de präsentiert die Filmstarts der Woche.

Regie: Mark Andrews, Brenda Chapman, Steve Purcell
Mit den Stimmen von : Nora Tschirner, Bernd Rumpf, Monica Bielenstein

Tragisch aber wahr: Merida ist die erste weibliche Hauptrolle in einem Pixarfilm. Dafür räumt die rotgelockte Prinzessin aus Schottland mit allen ihr zur Verfügung stehenden Waffen gründlich auf im Museum der althergebrachten Sehweisen. Dass sie keine Lust hat, zu heiraten, macht sie mit Reit- und Schießtraining deutlich. Und dann wendet sie sich auch noch gegen ihre Mutter - zuerst mit Worten, dann mit Magie. Natürlich geht es wie immer in Disney-Pixar-Filmen darum, zu begreifen, wer man wirklich ist, wen man wirklich liebt und wie weit man für diese Liebe zu gehen bereit ist. Da macht "Merida" keinen Unterschied. Aber mit diesem Märchen zwischen keltischem Kitsch und feuerroter Moderne macht Pixar nun endlich klar, dass auch Mädchen zur Zielgruppe gehören. Merida macht einen grandiosen Anfang. 1500 animierte Strähnen soll die Heldin auf dem Kopf tragen, die fast zu einem eigenen Film werden, wenn sie als Symbol von Stur- und Wildheit über die Leinwand wallen. Ein Muss für alle Rothaarigen - und den Rest auch.

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"Ted"

Regie: Seth MacFarlane
Darsteller: Mark Wahlberg, Mila Kunis, Giovanni Ribisi

Man stelle sich "Pu der Bär" als kiffenden, fluchenden, furzenden Nymphomanen vor, dann landet man irgendwie bei Ted. "Family Guy"-Erfinder Seth MacFarlane hat sich überlegt, wie es wohl wäre, wenn der Lieblingsteddybär unserer Kindheit nicht nur sprechen kann, sondern auch noch mit uns erwachsen wird. Herausgekommen ist eine "Hangover"-witzige Nonsens-Komödie, bei der man vor lauter Lachen Zahnarztbesuche, offene Rechnungen und sogar gebrochene Herzen vergisst. Auch dazu ist Kino da.

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"Der Vorname"

Regie: Alexandre de la Patellière
Darsteller : Patrick Bruel, Valérie Benguigui, Charles Berling

Wenn Ihnen Roman Polanskis geniales Kammerspiel "Gott des Gemetzels" gefallen hat, sollten Sie sich die französische Variante nicht entgehen lassen. Diesmal sorgen allerdings nicht ausgeschlagene Zähne, sondern der Name eines Ungeborenen dafür, dass scheinbar harmlose Zeitgenossen zu Furien werden. Beim gemütlichen Abendessen verrät der bodenständige Selfmademan Vincent, wie sein Kind heißen soll, und die Hölle bricht los. Während seine Schwester zu beschwichtigen versucht, dreht sein intellektueller Schwager so richtig auf. Am Ende platzt sogar dem stillen Freund der Familie der Musikerkragen, und die Schwangere vergisst, dass sie eine kühle Blondine ist. So aufwühlend kann Kino sein.

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"Who killed Marilyn?"

Regie: Gérald Hustache-Mathieu
Mit: Jean-Paul Rouve, Sophie Quinton, Martine Langevin

Sie ist so blond, so sexy und so tot wie Marilyn Monroe. Und als ihre Leiche in einem Dorf in den Bergen zwischen Frankreich und der Schweiz gefunden wird, lautet die Todesursache ebenfalls Schlaftabletten. Anders als bei Marilyn wäre Candice damit eigentlich vergessen, doch kommt ein Schreibblockaden-geplagter Krimiautor ihrem abgeschlossenen Fall auf die Spur. Der findet ein paar Widersprüche, die die Provinzblondine der internationalen Sexikone wieder näherbringen. Ganz in der Tradition von David Lynch geht es in diesem französischen Krimi um das Böse, das selbst im sauber geharkten Vorgarten lauert. Schmutzige Wäsche und korrupte Politiker gibt es wirklich überall.

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"The Rum Diary"

Regie: Bruce Robinson
Mit: Johnny Depp, Aaron Eckhart, Amber Heard

So wie "Mr und Mrs Smith" in die Kinogeschichte eingegangen ist als der Film, bei dem Brad Pitt Angelina Jolie verfallen ist, wurde "The Rum Diary" im Vorfeld gern zum Trennungsfilm von Johnny Depp und Vanessa Paradies erklärt. Angeblich hatte sich der "Pirates of the Caribbean"-Star nämlich bei den Dreharbeiten mit Kollegin Amber Heard eingelassen. Soviel zum Klatsch, nun zum Film: Der ist eine weitere Hommage an Depps verstorbenen Freund, den Journalisten und Schriftsteller Hunter S. Thompson, dem wir bereits "Fear and Loathing in Las Vegas" zu verdanken haben. Kemp (Depp) sucht als mittelloser Journalist in Puerto Rico ein besseres Leben. Er findet den Ausverkauf eines Paradieses, postkoloniale Arroganz und ertränkt das Ende des amerikanischen Traums in jeder Menge Alkohol. Und dann ist da auch noch die schöne Freundin eines Kollegen. Womit wir wieder bei Amber Heard wären.

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"Das Schwein von Gaza"

Regie: Sylvain Estibal
Mit: Sasson Gabai, Baya Belal, Myriam Tekaïa

In dieser wunderbaren Farce über die weltweit verbreitete Scheinheiligkeit spielt ein Schwein die Hauptrolle. Das Borstentier geht nach einem Sturm einem palästinensischen Fischer ins Netz. Das Tier gilt bei Muslimen wie Juden als unrein, und für Fischer Jaffar beginnt eine Odyssee durch Gaza. Nachdem er mit dem Eber schließlich als Samenspender für eine israelische Schweinezucht (ja, die gibt es) Geld verdient, macht ihm bald die Hamas das Leben zur Hölle und schickt ihn samt Schwein auf tödliche Mission. Regisseur Estibal hat das tragische Thema des Nahostkonflikts von hinten aufgerollt. Zuweilen Tränen lachend sehen wir die Gemeinsamkeiten der "Feinde" und die Bigotterie derer, die die "Feindschaft" unbedingt am Leben halten wollen. Zu ihrem eigenen Nutzen. Oink!

Sophie Albers

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