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Das 65. Filmfest von Cannes: Rettungsringe an der Croisette

Statt Sonne und blauen Himmel gibt es in diesem Jahr Regen und Wind. Aber man soll in Cannes ja auch ins Kino gehen. Und das lohnt sich zum Glück auch.

Von Sascha Rettig, Cannes

Verkehrte Welt. Beim Blick auf die Wettervorhersage ertappt man sich tatsächlich dabei, dass man ganz kurz neidisch wird. Während die Sonne frühhochsommerlich auf Deutschland strahlt, ist in Cannes Herbst ausgebrochen: Es stürmt, es schüttet, und die Wolken hängen bei 16 Grad in trostlosen Grauabstufungen über dem durchgeweichten roten Teppich. Was den um sich greifenden Schlechtwetterblues anbelangt, fühlt man sich fast schon wie auf einer Mittelmeer-Berlinale.

Glücklicherweise stellt das 65. Festival de Cannes genug Rettungsringe zur Verfügung, damit die Besucher nicht in der miesen Stimmung der diesjährigen Wetterkapriolen abzusaufen: Nicht nur die Mehrzahl der Filme, die in den ersten Tagen der Palmenkonkurrenz ihre Premiere feierten, waren ziemlich gut. Auch die Stars strömen in gewohnt hoher Zahl in das Küstenstädtchen. Alec Baldwin knuddelte Jane Fonda. Bill Murray fiel im Team von Wes Andersons herziger Eröffnungsfilmverspieltheit "Moonrise Kingdom" zwischen Bruce Willis und Tilda Swinton mit einem gewagten Karo-Sakko-Inferno auf. An der Seite von Jessica Chastain, Mia Wasikowska und Shia LaBeouf versteckte Tom Hardy derweil sein Gesicht hinter seltsam schratigen Bartfusseln. Und Ben Stiller legte einen etwas kläglichen Versuch hin, wie der von ihm gesprochene Löwe aus "Madagascar 3" zu brüllen.

Abgesehen von der Premierenprominenz nutzen auch andere bekannte Gesichter die mediale Hyperaufmerksamkeit, um den Blick kurz auf sich und ihre neuen Taten zu lenken: Sacha Baron Cohen ritt als Diktator die Croisette hinunter und bestellte später in einem Café für sich und sein Kamel einen Kaffee. Das nächste Bond-Girl Berenice Marlohe wird am Montagabend auf dem klammen Cinema de la Plage den Teaser-Trailer zu "Skyfall" vorstellen.

Das Ende des Weges

Als Favorit auf die Goldene Palme wird bislang vor allem ein alter Festival-Bekannter gehandelt, der mit einer Ausnahme bislang für jeden seiner vergangenen Wettbewerbsbeiträge ausgezeichnet wurde: Michael Haneke kam mit "Amour" (Liebe), seiner Nebendarstellerin Isabelle Huppert und seinen beiden Altstars Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant nach Cannes. Der Film des Österreichers, der zuletzt mit "Das weiße Band" an der Croisette triumphierte, zeigt das Musikprofessoren-Paar Anne und George am Ende eines lebenslangen gemeinsamen Weges. Anne hat erst einen, dann noch einen Schlaganfall und baut körperlich zuenehmend ab, während ihr Mann seine letzten Kräfte zusammennimmt und sie pflegt. "Hat man erstmal ein bestimmtes Alter erreicht, wird man zwangsläufig damit konfrontiert, dass Menschen leiden, die man liebt", erklärte Haneke seine Motivation für sein hochkonzentriertes Kammerspiel, das sich fast ausschließlich in den vier Wänden einer bildungsbürgerlichen Pariser Wohnung abspielt. Diese letzten Wochen und Tage der alten Liebenden bis zum Tod werden völlig entsentimentalisiert, nüchtern beobachtet und dennoch wühlt der so ehrliche wie würdevolle "Amour" emotional auf, ist schmerzhaft und nachwirkend - auch durch das intime und intensive Spiel des umjubelten Paares, das sich dringend für die Darstellerpreise empfiehlt. Beim Betreten der Pressekonferenz reckte Trintignant, der zuvor noch gestützt werden musste, kurz beide Arme nach oben, ganz so, als hätte bereits die Silberne Palme gewonnen.

Die Liebe in unterschiedlichsten Möglichkeiten und Spielarten begegnet einem auf diesem Festival häufiger. Jacques Audiard etwa schickte in seinem gradlinig und schnörkellos erzähltem Liebesdrama "Rust&Bone" Marion Cotillard und Matthias Schoenaerts durch eine ganze Reihe von Rück- und Schicksalsschlägen. Stephanie (Cotillard) verliert als Orka-Trainerin bei einem Arbeitsunfall beide Beine und findet durch Ali (Schoenaerts), einen Security-Mann mit fünfjährigem Sohn, schrittweise zurück ins Leben. Das entwickelt nie die ganz große emotionale Wucht, wird aber durchaus soghaft vom grandiosen Darstellerpaar über die eine oder andere unwahrscheinliche Plotwendung getragen. Vor allem Schoenaerts gelingt es, Sympathien für seinen hartschaligen, manchmal unberechenbaren Typen aus einfachsten Verhältnissen zu gewinnen.

Anders als in "Rust&Bone" führt in Ulrich Seidls österreichischem Wettbewerbsbeitrag die Suche nach Liebe zu innerer Leere. In "Paradies: Liebe" findet diese Suche in Kenia statt, wo der Sandstrand unwirklich weiß, das Meer so leuchtend blau ist wie der Himmel darüber und für die weißen Touristinnen die Liebe kenianischer Männer käuflich ist - auch für die 50-jährige Teresa, der der Film durch das Urlaubsidyll folgt. "Es geht um die Einsamkeit von Frauen", sagte Margarethe Tiesel in Cannes, die nicht nur mit ihrer üppigen, oft unverhüllten Körperlichkeit die Hauptrolle auf beeindruckende Weise füllt. "Wegen der weißen Haut wird man in Kenia begehrt, ganz egal, wie man ist." Während Seidl den Sextourismus in seiner Tristesse und als System beidseitiger Ausbeutung und beidseitigen Profitierens zeigt, bewegt sich auch "Paradies: Liebe" einmal mehr an der Schnittstelle von dokumentarisch anmutender Beobachtung, sarkastischer Realsatire und bitterer Gesellschaftskritik - ohne jedoch, mit Ausnahme weniger Szenen, eine ähnliche Drastik zu entwickeln wie Seidls "Hundstage" oder "Import/Export".

Romantische Liebe und brutale Gewalt

Selbst im Prohibitionsdrama "Lawless" spielte die Liebe zumindest noch eine Nebenrolle. "Eine romantische Liebesgeschichte und brutale Gewalt - das sind die Dinge, die mich anregen", gestand Nick Cave in Cannes. Der australische Allrounder hat für den Film nicht nur die Musik, sondern - wie bereits bei der ersten Zusammenarbeit mit Hillcoat für den Western "The Proposition" - auch das Drehbuch geschrieben. Drei Brüder stemmen sich darin mit ihrer illegalen Schnapsbrennerei gegen die Staatsgewalt. Vor allem die Besetzung des Films ist stark: mit dem ewig übereifrigen Jungspund Shia LaBoeuf, mit Jessica Chastain und Mia Wasikowska und dem brummeligen Tom Hardy als Boss der Brüderunternehmung, der selbst im Strickjäckchen noch eine mächtige Präsenz hat. Nur Guy Pearce schießt mit seinem arg maniriertem Auftritt als Bezirksstaatsanwalt übers Ziel hinaus. So konventionell "Lawless" dabei ist, so unterhaltsam ist er - auch wenn die Gewalt in ihren äußerst blutigen und schmutzigen Eruptionen in der morgendlichen Pressevorführung bisweilen arg auf den nüchternen Magen schlug.

Auf andere Weise schwer verdaulich war Thomas Vinterbergs "Jagten". Ausgelöst durch die Lüge eines kleinen Mädchens wird darin die Jagd auf den einmal mehr hervorragenden Mads Mikkelsen als Kindergärtner eröffnet: Völlig zu Unrecht wird er in mehreren Fällen des Kindesmissbrauchs verdächtigt. Wie sich die Mechanismen dieser Verleumdungsspirale in Bewegung setzen, folgt zwar dem zu erwartenden Verlauf. Doch Vinterberg ("Das Fest") manövriert seinen packend inszenierten Film recht sicher durch das schwierige Terrain und versetzt seine Zuschauer aufgrund der offensichtlichen Ungerechtigkeit in Daueraufregung.

Da passt es eigentlich nur zu gut, dass sich das Wetter in Cannes den düsteren Stimmungslagen und den Härten des Lebens in den Wettbewerbsfilmen angepasst hat.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(