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Deutscher Filmpreis: Fack ju, Filmakademie!

Mit sieben Millionen Zuschauern ist "Fack ju Göhte" der erfolgreichste Film der letzten Jahre. Beim Deutschen Filmpreis ging er jedoch leer aus. Die Filmakademie straft Popularität ab - ein Skandal.

Ein Kommentar von Carsten Heidböhmer

Kein Film wird ausgezeichnet, nur weil er erfolgreich ist. Das hat Til Schweiger jahrelang schmerzlich erfahren müssen. Seine Komödien - ob "Keinohrhasen", "Zweiohrküken" oder "Kokowääh 1 bis 7" - waren regelmäßig Publikumsrenner, gingen beim Deutschen Filmpreis aber immer wieder leer aus. Oft wurden sie gar nicht erst nominiert. Das war nur konsequent, denn bei allem Erfolg waren es bestenfalls mittelmäßige Filme, keinesfalls preiswürdig. Das hat die Deutsche Filmakademie, deren rund 1600 Mitglieder über die Vergabe der Preise entscheiden, klug erkannt. Popularität ist eben nicht automatisch gleich Qualität.

Es verhält sich aber auch nicht umgekehrt: Nur weil ein Film populär ist, heißt das nicht, dass er deshalb minderwertig wäre. In den geglückten Fällen gehen Erfolg und Qualität sogar Hand in Hand. Bora Dagtekins "Fack ju Göhte" ist eines dieser glücklichen Fälle. Eine Komödie, die spritzig, temporeich, intelligent ist, ganz auf der Höhe der Zeit - und auch noch immensen Erfolg hat. Mit sieben Millionen Zuschauern war es der erfolgreichste deutsche Film der letzten Jahre. Ein Film, der geradezu prädestiniert war für den wichtigsten Preis des Landes.

Eine Schande für den deutschen Film

Umso erstaunlicher die Entscheidungen der Preisverleihung am Freitagabend. Die Komödie bekam nicht den Filmpreis in Gold, nicht in Silber, nicht einmal in Bronze. Und auch nicht den Preis für das beste Drehbuch, der einem Autoren-Genie wie Dagtekin ohnehin zustehen würde. Nein, gar nichts. Der Film wurde komplett ignoriert. Man kann es nicht anders sagen: Dieser Abend war eine Schande für den deutschen Film.

Damit soll nichts gegen die Sieger gesagt werden. Edgar Reitz etwa, der den Preis für den besten Film sowie den Drehbuchpreis einheimste, ist ein Gigant des deutschen Films. Man tritt ihm aber nicht zu nahe, wenn man ihn als Mann des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Mit "Die andere Heimat" hat er noch einmal ein tolles Spätwerk hingelegt. Aber ist das wirklich der Film im Jahr 2014?

Die künstliche Trennung zwischen E und U

Anders als in Hollywood, wo großer Publikumszuspruch immer auch als Qualität für den Film gesehen wird, scheint in Deutschland nach wie vor eine künstliche Trennung zwischen E und U aufrecht erhalten zu werden. Was populär ist, kann nicht gut sein. Und umgekehrt. Einen deutschen Billy Wilder, der wie kein anderer für intelligente Komödien stand, wird es unter diesen Bedingungen nie geben. Und Bora Dagtekin hat durchaus das Zeug, in seine Fußstapfen zu treten. Nur: In Deutschland wird er die Würdigung nicht bekommen, die ihm zusteht.

"Fack ju Göhte" bekam immerhin doch noch einen Preis. Den des besucherstärksten Filmes. Vielen Dank, liebe Filmakademie, aber dafür hätten wir euch wirklich nicht gebraucht!