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Dichter in Not: «Charles Dickens» stimmt auf Weihnachten ein

«Ein Weihnachtslied» von Charles Dickens ist ein Klassiker geworden. Passend zum Fest kommt jetzt die wundersame Entstehungsgeschichte der berührenden Erzählung ins Kino. Ausgezeichnet mit dem «Prädikat wertvoll».

Charles Dickens: Der Mann der Weihnachten erfand

Charles Dickens (Dan Stevens, M) mit seiner Schöpfung Scrooge (Christopher Plummer). Foto: Kerry Brown/Garlands Films DAC

Charles Dickens, Superstar! Nach seinem Erfolg mit «Die Pickwickier» und «Oliver Twist» ist der britische Schriftsteller auf dem Zenit angekommen. Bei einer Lesereise in den USA ist das Publikum wie bei einem Rock-Konzert völlig außer Rand und Band.

Als ein großer Magier, dessen Zauberstab ein Buch sei, wird Dickens beschrieben - doch wenig später ist die Luft raus, der Zauber verflogen. Der Dichter muss einige Flops verkraften, das Geld wird langsam knapp, der ewig klamme Vater nervt und dann sind Dickens auch noch die Ideen ausgegangen.

Daraus hätte man ein existenzielles Drama über Kreativitätsverlust, Schreibblockaden und drohenden Ruin machen können, aber Regisseur Bharat Nalluri ist mit seinem Familienfilm «Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand» einen anderen, leichtfüßigeren Weg gegangen.

Sicher, Charles Dickens (Dan Stevens) ist ein Mann in einer tiefen Krise, aber das wirft den Luftikus nicht wirklich aus der Bahn und hindert ihn auch nicht daran, sein luxuriöses Haus im großen Stil umzubauen oder ein Vermögen für einen Kamin auszugeben. Und zum Anpumpen gibt es ja auch immer noch die Verleger.

Die Leichtigkeit, mit der Charles Dickens seiner momentanen Pechsträhne begegnet, diese Leichtigkeit zeichnet auch diesen ins Märchenhafte tendierenden Weihnachtsfilm aus, der in seiner Nonchalance und Gewitztheit in den besten Momenten an solch britische Komödien-Klassiker wie «Notting Hill» oder «Tatsächlich... Liebe» durchaus heranreicht. Er hat etwas von Oscar Wilde, dieser von Dan Stevens («Downton Abbey») so sympathisch verkörperte Charles Dickens, der Dandy, liebevoller Vater und Meister des geschliffenen Wortes in einem ist.

Und dann kommt Dickens endlich die zündende Idee: Sein nächstes Buch soll eine Weihnachtsgeschichte werden. Aber die Zeit drängt, denn bis zum Fest sind es nur noch wenige Wochen. Da aber kein Verleger das Risiko eingehen will, nimmt der Schriftsteller das Heft selbst in die Hand und wird zum Do-It-Yourself-Künstler, der sich schließlich auch mit Copyright-Fragen beschäftigen muss. Damit wird Dickens zu einem Mann unserer Zeit.

Aber es ist ein langer und mühevoller Weg, bis daraus schließlich der Klassiker «Ein Weihnachtslied» («A Christmas Carol») werden sollte. Unerwartete Hilfe bekommt er schließlich von den Geschöpfen seiner Einbildungskraft, die aus dem Reich der Fantasie in Dickens' Wirklichkeit hinübergleiten und schnell ein Eigenleben führen.

Allen voran der Misanthrop und Geizhals Scrooge (Christopher Plummer), der bei der Entwicklung der Geschichte ein gehöriges Wort mitreden will. Mehr noch: Der finstere Miesepeter, der aber gar nicht so gruselig ist, entpuppt sich als Dickens' verdrängte dunkle Seite, die nach und nach zum Vorschein kommt. Jekyll und Hyde in einer Art Light-Version. Durch dieses halbdunkle Tal muss der Dichter gehen, um schließlich wieder zu sich selbst zu finden.

Das alles findet in einem liebvoll rekonstruierten London der 1840er Jahre statt, das einen wunderbaren Rahmen für private Dämonen, die Macht der Fantasie und fast unerschütterlichen Optimismus abgibt. Weihnachten kann kommen.

Charles Dickens: Der Mann, der Weihnachten erfand, Irland/Kanada 2017, 104 Min., FSK ab 6, von Bharat Nalluri, mit Dan Stevens, Christopher Plummer, Jonathan Pryce.

dpa