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Neu im Kino: Amy, wir vermissen dich!

Endlich kommt die grandiose Doku über Amy Winehouse in die Kinos - und die Tränen trocknen immer noch nicht von selbst. Der Neonazi-Klamauk "Heil" scheitert daran, wirklich witzig zu sein. Das kann "Senor Kaplan" um so besser.

Von Sophie Albers Ben Chamo und Nicky Chee-Hoi Wong

Amy Winehouse

Amy Winehouse

"Amy"

Kinotrailer: "Amy"



Wen oder was Sie kennen könnten: Ausnahmesängerin Amy Winehouse

Die Geschichte in einem Satz: Vor vier Jahren ist Amy Winehouse mit nur 27 Jahren den Popstartod gestorben, den diese Dokumentation beeindruckend nah dran an allen Mitwirkenden aufzuarbeiten versucht.

Geschwister im Kinoversum: Michael Jacksons Abschiedsdokumentation "This is it"

Warum Sie den Film sehen müssen: Weil Asif Kapadias Film noch einmal eindringlich vor Augen und Ohren führt, was wir verloren haben, als Amy Winehouse am 23. Juli 2011 an einer Alkoholvergiftung gestorben ist. Denn dieses Sampling aus Film- und Ton-Aufnahmen kommt der Ausnahmesängerin so nahe, dass sie wenigstens für Augenblicke wieder lebendig scheint. Was auch daran liegt, dass wir in Zeiten leben, da unsere Existenzen von Anfang an irgendwie aufgenommen werden. So sind wir immer live dabei - zu unserem Glück und unserer Traurigkeit - wenn die kleine Amy das Bein ihrer Mutter umklammert, wenn Amy pubertiert, wenn sie mit Freunden herumalbert, wenn sie vorsingt, wenn sie alle umhaut, wenn sie betrunken ist, wenn sie verliebt ist, wenn sie abstürzt, wenn die Presse sie jagt und auch wenn ihr Vater mit einem Kamerateam aufkreuzt, als seine Tochter sich gerade von der Drogensucht erholt. "Amy" ist eine überwältigende Fahrt mit der Gefühlsachterbahn, aus der man am liebsten nicht aussteigen möchte - auch wenn man Rotz und Wasser heult. 


"Heil"

Kinotrailer: "Heil"



Wen oder was Sie kennen könnten: Darsteller Benno Fürmann ("Die Nibelungen")

Die Geschichte in einem Satz: Der afrodeutsche Autor Sebastian wird bei einer Lesetour nach Prittwitz von den dortigen Neonazis auf den Kopf geschlagen, woraufhin er sein Gedächtnis verliert und alles nachplappert, was deren Anführer ihm vorsagt, dessen Ziel es ist, in Polen einzumarschieren, um das Herz einer Neonazisse zu erobern.

Geschwister im Kinoversum: der unterschätzte "Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler"

Warum Sie den Film sehen müssen: Wegen des Liedes im Abspann, das alles auf den Punkt bringt, was dem Film leider nicht gelingt. So gern ich einen Klamauk über Neonazis, Verfassungsschutz, Antifa und die alles fressende Bigotterie in Deutschland sehen möchte und wunderbar mutig sich "Heil" in die braune Brühe stürzt, bleibt der Film doch auf halber Strecke hängen, denn die Aussage, dass alle des Wahnsinns fette Beute sind, ist am Ende zu wenig.


"Am grünen Rand der Welt"


Kinotrailer: Am grünen Rand der Welt




Wen oder was Sie kennen könnten: die Darsteller Carey Mulligan ("Der Große Gatsby") und Michael Sheen ("The Queen")

Die Geschichte in einem Satz: Im Süden Englands um 1870 lebt Bathsheba Everdene, die gleich drei Verehrer hat, doch eigentlich will die Schönheit ihre Unabhängigkeit wahren, was die Herren verzweifeln lässt.

Geschwister im Kinoversum: "Immer Drama um Tamara"

Warum Sie den Film sehen müssen: Weil der dänische Regisseur Thomas Vinterberg ("Die Jagd") alles aus Thomas Hardys Gesellschaftsroman-Klassiker "Far from the maddening Crowd" herausholt, was es für das Jahr 2015 braucht. Und weil Carey Mulligan sich mal wieder die Seele aus dem Leib spielt.


"Señor Kaplan"


Kinotrailer: "Señor Kaplan"



Wen oder was Sie kennen könnten: jemanden wie Jacob Kaplan

Die Geschichte in einem Satz: Am Ende seines Lebens will Jacob Kaplan unbedingt noch etwas Bedeutsames tun und beschließt, in Uruguay einen Altnazi zu jagen.

Geschwister im Kinoversum: "Cheyenne - This must be the Place"

Warum Sie den Film sehen müssen: Weil kaum jemand die Mischung aus Verschrobenheit, Schenkelklopfer und feinsinnigem Drama so sehr beherrscht wie das südamerikanische Kino. 


"Unknown User"

Kinotrailer: "Unknown User"



Wen oder was Sie kennen könnten: ihr eigenes Angstgeschrei

Die Geschichte in einem Satz: Sechs Freunde skypen miteinander, als sich ein unbekannter User dazuschaltet und von den Jugendlichen wissen will, wer von ihnen Mitschülerin Laura in den Selbstmord getrieben hat.

Geschwister im Kinoversum: "Insidious"

Warum Sie den Film sehen müssen: Weil Sie effektiven Horror schätzen, der auch noch etwas über unsere Welt zu sagen hat.