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Filmkritik

"9 Tage wach" : Ex-"GZSZ"-Star war abhängig von Crystal Meth – ProSieben-Film zeigt seine dunkelsten Stunden

Der ehemalige "GZSZ"-Schauspieler Eric Stehfest war zehn Jahre lang abhängig von Crystal Meth. Über seine Sucht hat er ein Buch geschrieben, das ProSieben nun verfilmt hat – mit Erfolg. 

Eric Stehfest

Eric Stehfest, gespielt von Jannik Schümann in "9 Tage wach" 

Leicht gebückt steht Eric in einer dunklen mit Graffiti beschmierten Klokabine. Ein Freund reicht ihm einen zusammengerollten Geldschein. Eric setzt ihn am Pulver an. Mit einem tiefen Zug zieht er es sich durch die Nase. Das Pulver ist Crystal Meth. Erics Augen werden für eine Sekunde so groß, als würden sie ihm aus dem Kopf rollen. Schnell legt er den Kopf nach hinten. Es kann weitergehen: im Electro-Club feiern bis zum Exzess. So sieht Erics Leben aus.

Am Sonntagabend zeigte ProSieben erstmals die Verfilmung des Bestsellers "9 Tage wach", den der "GZSZ"-Star Eric Stehfest über sein Leben mit der Drogensucht geschrieben hat. Der Schauspieler Jannik Schümann, bisher eher als Schönling aus Filmen wie "Dem Horizont so nah" bekannt, beeindruckt in seiner Rolle des gewalttätigen Meth-Junkies. Um möglichst authentisch nach ausgemergeltem Drogenabhängigen auszusehen, musste er einiges über sich ergehen lassen. Eine Zeit lang verzichtete er komplett auf Zucker, durfte nur Wasser trinken, hielt Diät und baute Muskeln mit einem Personal Trainer auf, berichtete er der "B.Z.". Zusätzlich bekam er Narben ins Gesicht gemalt. 

Im Film sieht er schließlich so psychisch und physisch fertig aus, wie Eric Stehfest es damals war. Stehfest ist erst 14, als er seinen ersten Crystal-Meth-Rausch hat. Zu dieser Zeit lebt er in Dresden, zusammen mit seiner Mutter und seinem Stiefvater. Doch sein eigentliches Zuhause sind die Electro-Clubs, in denen er täglich feiert. Die Droge, die Stehfest zuerst nur beim Feiern nimmt, wird zu seinem ständigen Begleiter, zu seiner vermeintlichen Unterstützung, wenn es ihm schlecht geht. 

Der Film zeigt, dass der Weg aus der Sucht keine Heldenreise, sondern ein ständiges Auf und Ab ist 

Als Stehfest sich verliebt, will er aufhören mit den Drogen, endlich clean werden. Zusammen mit seiner Freundin Anja geht er nach Berlin. Sein Traum: Schauspieler werden. Dafür kämpft er hart, aber die Sucht ist stärker. Immer wieder wird er schwach. Als er die Vermutung hat, dass seine Freundin ihn betrügt, kann ihn nur die Droge trösten.

Der Film zeigt weder genau, wie Stehfest der Sucht verfiel, noch den exakten Weg, wie er sie überwand. Genau das macht ihn so gut. Er versucht nicht zu belehren, er stellt dar – und das genügt. Der Zuschauer versteht, dass das Ende einer Sucht keine Heldenreise, sondern ein lang andauernder Kampf ist, ein ständiges Auf und Ab, bei dem es kein eindeutiges Happy End geben kann. Jedenfalls nicht immer. In der Entzugsklinik sagt ihm der Arzt: "Nur einer von zehn schafft es. Überraschen Sie mich." Was der Film nicht mehr zeigt: Heute ist Stehfest verheiratet und der Vater eines gesunden Sohnes. Er ist einer von zehn. Er hat es geschafft.

"Ich habe keine Angst, dass mir das wieder passiert, es hat sich viel verändert", verriet Stehfest in einem Interview mit dem stern. "Ich weiß jetzt, wie man Dinge nicht macht."

Quellen: "9 Tage wach" auf ProSieben, "B.Z."