HOME

Filme über Wikileaks-Gründer: Julian Assange - jetzt auch im Kino

Julian Assange, der heftig umstrittene, seit sechs Monaten im politischen Asyl lebende Gründer von Wikileaks, ist filmreif. Und das gleich mehrfach! Eine erste Doku lief auf dem Sundance-Filmfest.

Von Sophie Albers

Julian Assange ist vieles: Gründer der umstrittenen Enthüllungsplattform Wikileaks, gefeierter Hacker, gesuchter Staatsfeind, Popstar, mutmaßlicher Sexualverbrecher, Internet-Held - und nun auch Filmstar. Es ist ein kleines Wettrennen entstanden um die popkulturelle Auswertung des Australiers, der seit dem 19. Juni 2012 politisches Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London genießt. Dorthin hat der 41-Jährige sich geflüchtet, um der Auslieferung nach Schweden zu entgehen, wo ihn ein Prozess wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung erwartet. Assange sieht darin eine Falle, die seine Auslieferung an die USA zum Ziel habe, wo ihn eine Anklage wegen Geheimnisverrats erwartet, die mit dem Tode bestraft werden könnte.

Dieser Mann hat seit der Gründung von Wikileaks im Jahr 2006 die Weltmedien beschäftigt wie kaum ein anderer: Schillernde Persönlichkeit und Robin-Hood-tum schienen aufeinanderzutreffen. Eine verführerische Mischung, deren endgültige Bewertung noch aussteht. Das Kino versucht es schon einmal. Aber ein Film reicht nicht.

"Massive Propaganda-Attacke"

Von Assange bereits höchstpersönlich zerrissen wurde die Hollywood-Version seines Lebens "The Fifth State" von Regisseur Bill Condon, der die letzten beiden "Twilight"-Filme gedreht hat. Assange hat den Film zwar nicht gesehen - der Dreh hat überhaupt erst am 23. Januar begonnen -, doch liegt ihm angeblich das Drehbuch vor (von "Fringe"- und "West Wing"-Autor Josh Singer). Der Film - mit "Sherlock"-Star Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle und übrigens Daniel Brühl ("Good Bye, Lenin!") als Daniel Domscheit-Berg - sei eine "massive Propaganda-Attacke" sowie ein "aufrührerischer Angriff auf den Iran", weil die Anfangsszene impliziere, dass der Iran an Atomwaffen arbeite.

Das sagte Assange laut einem Bericht des "Guardian" in einer Videokonferenz mit Studenten der Oxford-Universität. Der Film basiert auf Domscheit-Bergs Buch "Inside WikiLeaks: Meine Zeit bei der gefährlichsten Website der Welt" und dem Buch "Wikileaks: Inside Julian Assange's War on Secrecy" von David Leigh und Luke Harding. "The Fifth Estate" soll im November in die Kinos kommen.

Welche Rolle spielt Bradley Manning?

Der gefeierte Dokumentarfilmder Alex Gibney ("Taxi to the dark Side") hat seinen Wikileaks-Film schon fertig und gerade auf dem Sundance-Filmfestival in den USA vorgestellt.

Eineinhalb Jahre haben Gibney und sein Team recherchiert. Er hat Assange mehrfach getroffen. Dabei stellt die Rahmenhandlung zu Assanges Aufstieg und Fall allerdings ein anderer: der in den USA inhaftierte Ex-Soldat Bradley Manning, dessen Informationen aus dem Pentagon Wikileaks zu einem der größten Scoops aller Zeiten verholfen haben. Manning habe Wikileaks zu dem gemacht, was es ist, sagt Gibney im Interview mit "The Daily Beast".

In dem Film werden auch die Vorwürfe in Schweden thematisiert. Die große Stärke des Film sei, dass Gibney die Masse an Informationen konsumierbar präsentiere, so der "Hollywood Reporter" - und dass er die Informationen selbst nicht werte, sondern das dem Zuschauer überlasse.

"The Boy who kicked the Hornet's Nest".

Außerdem in Planung: Kathryn Bigelows Drehbuch-Partner Mark Boal ("The Hurt Locker") soll an einem Assange-Film arbeiten, dem ein Artikel des "New York Times"-Journalisten Bill Keller zugrundeliegt. Arbeitstitel: "The Boy who kicked the Hornet's Nest".

Der US-Sender HBO und die britische BBC planen angeblich einen Film basierend auf Raffi Khatchadourians "New Yorker"-Stück "No Scerets" aus dem Juni 2010. Und angeblich harrt auch die unauthorisierte Biografie "The most dangerous Man in the World" von Andrew Fowler der Verfilmung.

Man müsste wohl alle Filme sehen, um der Wahrheit wenigstens ein Stückchen näherzukommen.