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Filmfestival: Berlinale-Wettbewerb: Top oder Flop?

Am Samstag werden die Bären in Berlin verliehen. Welche Filme haben Chancen?

Berlinale

17 Filme laufen im Berlinale-Wettbewerb. Foto: Christoph Soeder

Bei den 69. Internationalen Filmfestspielen in Berlin konkurrieren 17 Filme um die Preise, den Goldenen und die Silbernen Bären. Aber welcher Film lohnt und welcher nicht? Ein paar Einschätzungen zum Mitreden.

«THE KINDNESS OF STRANGERS» von Lone Scherfig (Dänemark): Sozialdrama mit Bill Nighy über mehrere Menschen in Lebenskrisen, deren Wege sich in New York kreuzen. PRO: Den Schauspielern gelingen feine Charakterstudien und einige ironische Momente. CONTRA: Die vorhersehbare Handlung gleitet in den Kitsch ab.

«SYSTEMSPRENGER» von Nora Fingscheidt (Deutschland): Drama über ein aggressives Mädchen, das von einer Betreuung in die nächste geschoben wird. PRO: Emotionale und genau erzählte Studie über die Probleme der Gesellschaft, mit dem Kind umzugehen. CONTRA: Die psychologische Härte könnte für manche Zuschauer schwer zu ertragen sein.

«GELOBT SEI GOTT» von François Ozon (Frankreich): Der Film basiert auf einem wahren Fall - mehrere Männer machen öffentlich, wie ein katholischer Priester sie früher missbraucht hat. PRO: Das politische Engagement Ozons und die Aktualität. CONTRA: Die Erzählweise ist gerade am Anfang arg holprig und distanziert.

«ÖNDÖG» von Wang Quan'an (China): Porträt einer mongolischen Hirtin, die auf ihre Selbstständigkeit pocht und sich keinem Mann unterordnen will. PRO: Beeindruckende Bilder lassen das Publikum die Weite der Steppe spüren. Manche skurrile Szene bleibt im Kopf. CONTRA: Eine Botschaft ist eher schwer auszumachen.

«DER BODEN UNTER DEN FÜSSEN» von Marie Kreutzer (Österreich): Porträt einer ehrgeizigen Unternehmensberaterin, die sich zwischen Job und psychisch kranker Schwester aufreibt. PRO: Darstellerin Valerie Pachner fesselt zwischen Kontrolle und Wahn. CONTRA: Das Bild einer Welt aus Selbstoptimierern und Profitgeiern driftet gelegentlich ins Klischeehafte ab.

«PFERDE STEHLEN» von Hans Petter Moland (Norwegen): Das Familienepos beruht auf dem gleichnamigen Roman von Per Petterson und erzählt von einer komplizierten Vater-Sohn-Beziehung in der Nachkriegszeit. PRO: Die nordische Natur wird durch starke Bilder eingefangen. CONTRA: Die recht seichte Geschichte nimmt ein paar Wendungen zu viel.

«DER GOLDENE HANDSCHUH» von Fatih Akin (Deutschland): Literaturverfilmung über den Serienmörder Fritz Honka, der in Hamburg in den 1970ern mehrere Frauen ermordet und zerstückelt hat. PRO: Interessanter Blick auf verlorene Gestalten einer Kiezkneipe. Jonas Dassler verblüfft hinter seiner Maske als Monster. CONTRA: Brutale Szenen etwa von Vergewaltigungen.

«GOD EXISTS, HER NAME IS PETRUNYA» von Teona Strugar Mitevska (Mazedonien): Das auf Tatsachen beruhende Geschichte erzählt von einer Frau, die eher zufällig zur Rebellin gegen eine Männertradition wird. PRO: Hauptdarstellerin Zorica Nusheva, die hier im Kino debütiert, trägt die Geschichte mit großer Intensität. CONTRA: Das Ende irritiert mit unerwarteter Versöhnlichkeit.

«MR. JONES» von Agnieszka Holland (Polen): Geschichte eines Briten, der in den 1930ern versuchte, über die Hungersnot in der Ukraine unter Stalin zu berichten. PRO: Der Film holt ein weithin vergessenes Thema zurück. CONTRA: Der Hungertod von Millionen Menschen wird oft zur Kulisse eines kitschigen Melodrams.

dpa