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Filmstart "Hereafter - Das Leben danach": Clint Eastwood auf der Suche nach dem Jenseits

Clint Eastwood wagt eine ungewöhnliche Gratwanderung. In seinem sensiblen Regie-Werk "Hereafter - Das Leben danach" nimmt er die Zuschauer auf eine Reise ins Jenseits mit. Auf viele Fragen gibt er bewusst wenige Antworten.

"Dirty Harry" hat es wieder geschafft: Der frühere Action-Held Clint Eastwood überrascht erneut als einfühlsamer Regisseur, der keine Angst vor kontroversen Stoffen hat. Schon mit "Million Dollar Baby" (2005) traf der Revolverheld ins Schwarze, als er ein Box-Drama mit Tiefgang inszenierte, das die Debatte über Sterbehilfe und einen menschenwürdigen Tod belebte. In dem mit vier Oscars gekröntem Film bittet die gelähmte Boxerin Maggie ihren Trainer, die sie am Leben erhaltenden Geräte abzustellen. In "Hereafter - Das Leben danach" geht es wieder um den Tod und um Spekulationen, was danach passiert.

Eastwood spannt drei grundverschiedene Menschen in drei Ländern für seine Reise in das Jenseits ein: Die Belgierin Cécile de France spielt eine französische Fernsehjournalistin, die durch ein Nahtod-Erlebnis traumatisiert ist. Oscar-Preisträger Matt Damon verwandelt sich in einen hellseherischen Fabrikarbeiter in San Francisco, der mit Toten Kontakt aufnehmen kann. Ein Londoner Schuljunge wünscht sich nichts sehnlicher, als mit seinem plötzlich verstorbenen Zwillingsbruder zu kommunizieren.

"Ich weiß nicht, was ich über ein Leben danach denke, aber es ist einfach interessant, sich damit zu befassen", sagte Eastwood vor dem US-Kinostart im vorigen Oktober dem "San Francisco Chronicle". An diesem Punkt in seinem Leben wolle er Geschichten erzählen, die er sich gerne anschaue. Auf's Geld verdienen komme es ihm jetzt nicht mehr an, versichert der 80-Jährige. "Hereafter" war ein Verlustgeschäft, mit "nur" 32 Millionen Dollar Einnahmen ein Flop an den amerikanischen Kinokassen.

Vielleicht warf Eastwood zu viele Fragen auf und gab zu wenige Antworten? Doch genau darin lag für den britischen Drehbuchautor Peter Morgan ("Die Queen", "Frost/Nixon") der Reiz. "Ich wollte keine Antworten geben, ich wollte Fragen stellen", sagte Morgan der "New York Times".

Es beginnt wie ein Katastrophenfilm. Die Französin Marie spaziert an ihrem letzten Urlaubstag in Thailand durch einen kleinen Ort, als plötzlich Panik ausbricht. Der indonesische Tsunami rollt heran, sie wird mitgerissen, es wird dunkel vor ihren Augen, dann ein weißes Licht. Sie macht ein Nahtod-Erlebnis durch, wird reanimiert, doch danach ist nichts mehr so in ihrem Leben wie früher.

Eastwood nimmt sich Zeit. Auf einer Länge von 128 Minuten stellt er seine Protagonisten vor, wechselt zwischen ihnen hin und her. George arbeitet lieber in einer Fabrik, als mit seiner Hellseherei Geld zu verdienen. Sein "Talent", als Medium mit Toten zu kommunizieren, macht ihn zum einsamen Einzelgänger. In London zerbricht der junge Marcus an dem Tod seines Zwillingsbruders, verzweifelt sucht er nach einem Weg, mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Alle Drei fragen sich, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Eine klare Antwort gibt "Hereafter" den Zuschauern nicht. Die habe er nicht, meint Eastwood. "Alle großen Religionen haben sich schon mit diesen Fragen beschäftigt", sagte der Regisseur, der sich als Agnostiker beschreibt, der "New York Times". An dem Drehbuch habe ihm besonders gefallen, dass es "ein spirituelles Gefühl vermittelt, ohne einen besonderen religiösen Touch".

Barbara Munker, DPA / DPA