HOME

Französisch für Anfänger: Für "Je t'aime" reicht es nicht

Vor über 20 Jahren ließ "La Boum" die Teenager-Herzen höher schlagen. Nun kommt wieder eine erste große Liebe auf die Leinwand. Es wird gebaggert, gestritten, geknutscht, getanzt und geweint - wie schon in den 80ern.

Von Andrea Gläser

Vom Eiffelturm, einem Glas Rotwein, Baguette, französischer Musik und Literatur hält Henrik (Francois Göske) gar nichts. Frankreich ist schlicht und einfach uncool. Das macht ihm die Sache nicht gerade leichter, als er sich verliebt: Ohnehin bringt er in der Anwesenheit seiner Herzdame Valerie (Paula Schramm) kein Wort heraus. Als wäre das nicht schon peinlich genug, outet er sich auch noch als Frankreichgegner, nicht ahnend, das Valerie Halbfranzösin ist. Da kommt ihm das deutsch-französische Austauschprogramm gelegen, um mutig einen zweiten Anlauf in Sachen Liebe zu starten - und das, obwohl er so gut wie kein Wort Französisch spricht.

So sitzt Henrik kurze Zeit später mit seinem besten Kumpel Johannes (Lennard Bertzbach), Valerie und einer gewöhnungsbedürftigen Truppe von Chanson-trällernden und Gitarre-spielenden Strebern zusammen im Bus nach Frankreich. Auf gemeinsamen Ausflügen, bei wilden Manövern mit der Wasserpistole und einem romantischen Feuerwerk kommen Henrik und Valerie sich näher. Trotz allem verpasst der Verliebte seine Chance auf einen ersten Kuss. Und gerade der wäre nach Johannes Theorie der "amourösen Steigerungskurve" so wichtig gewesen.

Konkurrenz durch einen perfekten Superfranzosen

Als wäre die Situation für Henrik nicht schon verzwickt und kompliziert genug, hat Valerie plötzlich nur noch Augen für Mathieu (Cyril Descours), ihren Austauschfreund aus dem vergangenen Jahr. Den scheinbar perfekten Superfranzosen. Henrik ist frustriert, fühlt sich elend und allein, bis ihn die hübsche Französin Charlotte (Élodie Bollée) mit ihrem forschen Charme ablenkt und zu verstehen gibt, dass er ihr gefällt. Mit ihr hat er Spaß, lässt sich gehen - aber ändert das etwas an seinen Gefühlen für Valerie? Die Teenager müssen das Auf und Ab ihrer ersten großen Liebe erfahren und ertragen: Von Eifersüchteleien zwischen Klammerblues und Tango über völlige Betrunkenheit aus Liebeskummer bis hin zu verpassten Dates und wilden Schlägereien.

Neben dem Wechselbad der Gefühle sorgt vor allem der eine oder andere amüsante Seitenhieb auf deutsche und französische Klischees für Lacher. So beobachtet Henriks Gastfamilie ihn während eines nicht enden wollenden Menüs gespannt beim Essen, nur um zu sehen, ob die Deutschen wirklich ihren Teller beim Löffeln einer Suppe schräg anheben. Auch Henriks Unverständnis der französischen Sprache zieht nicht selten komische Missverständnisse nach sich. Warum würde er sonst auf die Idee kommen, Müsli mit Rotwein zu essen?

Verliebtheit statt bloßem Sex

Die Handlung des Kinospielfilmdebüts "Französisch für Anfänger!" von Drehbuchautor und Regisseur Christian Ditter ist nicht neu, die Umsetzung allerdings schon. Im Gegensatz zu anderen Jugendkomödien schafft es "Französisch für Anfänger", die Gefühle der Teenies größtenteils ernst zu nehmen anstatt sich darüber lustig zu machen. Verliebtheit und emotionale Erfahrungen laufen bloßem Sex den Rang ab. Ruhige Momente vor maritimer Kulisse, mit atmosphärischer Musik unterlegt, lassen den beiden Protagonisten Zeit, sich bei Gesprächen näher zu kommen.

Henriks und Valeries Unsicherheit und Zerrissenheit, die aus ihren inneren Konflikten resultiert, dürfte jugendlichen ebenso wie erwachsenen Zuschauern nicht unbekannt sein und Erinnerungen an die erste große Liebe wachrufen: Die einen werden froh sein, das Gefühlschaos unbeschadet hinter sich gelassen zu haben. Die anderen werden womöglich wehmütig daran zurückdenken und die Zeit noch einmal zurückdrehen wollen. Die Filmmusik, zu der unter anderem die deutsche Band "Wir sind Helden" drei Lieder in deutscher und französischer Fassung beisteuerte, unterstützt die frische und leichte Ferienlager-Stimmung.

"Hey, ich liebe Dich" statt "Je t'aime"

Die finalen Szenen des Films kommen allerdings zu amerikanisch und übertrieben daher - vor allem im Gegensatz zu der bis dahin authentischen Umsetzung. Wenn Henrik den Schulbus kapert, um Valerie am Bahnhof abzufangen und ihr eine Liebeserklärung zu machen fragt der Zuschauer sich, wozu plötzlich eine solche Aktion nötig ist. Bis zu dem Zeitpunkt kommt der Film auch bestens mit minimalen und subtilen Mitteln aus. Daran erinnert dann wieder das zerknautschte Pappschild mit der Aufschrift "Hey, ich liebe Dich", das Henrik sich um den Hals gehängt hat und Valerie neben seiner Liebe endlich ehrlich gesteht, dass er kaum ein Wort Französisch spricht.

Themen in diesem Artikel