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Heimat-Posse "Fraktus" im Kino: Studio Braun spielt eine 80er-Techno-Kultband

Der Film "Fraktus" stilisiert eine fiktive Elektro-Band aus den 80er Jahren zum großen Kult. Das Künstlertrio Studio Braun schlüpft in die Rollen der gealterten "Erfinder des Techno".

Kinotrailer: "Fraktus"

Bei Studio Braun ist uncool das wahre Cool: Die Künstler vom Hamburger Komikertrio geben sich bei ihren Auftritten gern gewollt "spackig", wie es in Norddeutschland heißt. Kinogänger kennen sie beispielsweise als Nebendarsteller aus der Musikkomödie "Fleisch ist mein Gemüse". Jetzt kehren Jacques Palminger, Rocko Schamoni und Heinz Strunk mit einem Film über eine fiktive Band auf die Leinwand zurück. Dieses Mal als Protagonisten: In der Pseudo-Dokumentation "Fraktus" verkörpern sie die drei Mitglieder einer gleichnamigen Elektro-Formation.

Regisseur Lars Jessen, der schon mit Schamonis Roman "Dorfpunks" die kleine Provinz auf die große Leinwand geholt hat, beginnt den Film mit einer detailverliebten Recherche in Norddeutschland: frühe Fotos der Bandmitglieder aus Brunsbüttel, Platten-Cover, Presse-Materialien und Konzert-Plakate lassen die Vergangenheit der Formation Fraktus in einer rasanten Bilderflut aufleben. In Interviews bescheinigen vermeintliche Zeitzeugen der Gruppe einen enormen Einfluss auf die elektronische Musikszene. Zu Wort kommen beispielsweise Jan Delay, Scooter oder NDR-Redakteur Peter Urban. Und der frühere MTV-Moderator Steve Blame gibt zu Protokoll: "Without Fraktus, Techno would not have happened."

Das ist ein wahnwitziges Vergnügen. Besonders für Zuschauer, die selber die 80er Jahre bewusst miterlebt haben. Anhand der Diskographie der Band stilisiert der Film die Formation zum Kult. Als avantgardistisch gelten vor allem ihre Titel "Tut Ench Amour" oder "Affe Sucht Liebe", letzterer eigentlich ein Stück vom Sampler "Operation Pudel 2006" vom Hamburger Golden Pudel Club. Die Filmsongs sind nicht nur auf dem Soundtrack zu hören, sondern ebenfalls auf einer Tour: Palminger, Schamoni und Strunk treten - wie schon in früheren Jahren - auch zeitgleich zur Kino-Auswertung des Films an verschiedenen Stationen live als Fraktus auf.

Starke erste, schwache zweite Hälfte

Die fiktive Dokumentation wandelt sich im zweiten Teil zum Spielfilm. Der Musikproduzent Roger Dettner (Devid Striesow) begibt sich mehr als 25 Jahre nach der Trennung der Band mit einem Filmteam auf die Suche nach ihren Mitgliedern. Er glaubt fest daran, dass sich der Hype um Fraktus wiederbeleben lässt. Tatsächlich gelingt es ihm, die früheren Musiker aufzuspüren. Schnell muss er aber erkennen, dass sein Vorhaben schwieriger sein wird, als er gehofft hat.

Unbeirrt beschafft er Fraktus einen Plattenvertrag und einen Auftritt beim Melt!-Festival. Dort werden das Dokumentarische und das Fiktive nochmals genial vermischt. Denn diese Filmszenen entstanden tatsächlich im Rahmen eines Gastauftritts der Gruppe bei der brandenburgischen Musikveranstaltung im Jahr 2011. Doch die gealterten Künstler werden ausgebuht, ihre kreative Kraft haben sie verloren. Gelingt es Dettner dennoch, dem Trio einen neuen Hit zu entlocken?

Der Film "Fraktus" beginnt stark, verliert in der zweiten Hälfte aber an Fahrt. Als Darsteller überzeugt einzig Devid Striesow. Palminger, Schamoni und Strunk dagegen, die als Impro-Künstler schon mal große Theater-Bühnen zum Beben bringen, wirken vor der Kinokamera meist genauso verloren und unglaubhaft wie ihre uncoolen Alter Egos. Aber auch wenn das Leinwand-Drama um die abgehalfterten Avantgardisten am Schluss nur noch dahinsiecht: Für Fans von Studio Braun ist diese neue norddeutsche Heimat-Posse allemal sehenswert.

Franziska Bossy, DPA / DPA