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Herz-Schmerz-Drama im Kino: Eine singende Gwyneth Paltrow in "Country Strong"

Von der Unvereinbarkeit von Liebe und Ruhm erzählt der Film aus der Welt der Country-Songs. Trotz mancher Klischees könnte die in "Music City" Nashville gedrehte Geschichte von "Country Strong" Hardcore-Romantikfreaks gefallen.

Kinotrailer: "Country Strong"

Dass hinter der Glitzerfassade des Showbusiness oft menschliches Elend und Einsamkeit herrschen, darf als bekannt gelten. Das Klischee der Unvereinbarkeit von Liebe und Ruhm scheint sich eben immer wieder zu beweisen. Und doch gelingt es Regisseurin Shana Feste, aus dem Thema ein Herz-Schmerz-Drama zu schaffen, das Hardcore-Romantikfans mitfiebern lassen könnte. In ihrem zweiten Spielfilm "Country Strong", den sie in "Music City" Nashville in Tennessee drehte, ermöglicht die Regisseurin ("Zeit der Trauer") tränenfeuchte Blicke hinter die Kulissen der Country-Szene. Dabei vermeidet sie Peinlichkeit dank eines überraschungsreichen Drehbuchs aus eigener Feder sowie glaubwürdiger Darsteller - darunter Gwyneth Paltrow ("Shakespeare in Love") und Garrett Hedlund ("Troja").

Der Musikfilm, bei dem Paltrow mit schöner Gesangsstimme beeindruckt und glamouröse Bühnen-Acts hinlegt, beginnt im Schummerlicht eines Honky-Tonk. Hier haben zwei junge Country-Talente ihren kleinen Auftritt: der charismatische Beau und die ehrgeizige, anfangs unbedarfte Schönheitskönigin Chiles (Fernseh-"Gossip Girl" Leighton Meester).

Kurz darauf finden sich beide als Begleitung auf einer Comeback-Tournee des ehemaligen Superstars Kelly Canter (Paltrow) wieder. Die suchtkranke Sängerin ist mit ihrem introvertiertem Manager James (Country-Star Tim McGraw) unglücklich verheiratet. Dem schon bald abgründigen Beziehungsgeflecht zwischen den vier Menschen rückt "Country Strong" in vielen Nuancen und Wendungen auf den Leib. Der kantige, melancholische Sound der Songs, den namhafte Country-Musiker für den Film schufen, prägt die Tonart der Geschichte.

Mit Kinomeisterwerken über den Niedergang großer Stars an wie etwa Billy Wilders "Sunset Boulevard" mit der unvergesslichen Gloria Swanson kann sich Festes Produktion nicht messen. Doch die atmosphärereiche Story mit der bislang eher engelhaften Paltrow, die sich im wahren Leben nun selbst bemüht, einen Plattenvertrag zu bekommen, zieht auf rustikalere Art durchaus in ihren Bann.

Wenn etwa Kelly Dämonen der Vergangenheit mit Alkohol bekämpft und an der scheinbaren Kälte ihres Mannes verzweifelt, verliert nicht nur die Wimperntusche des "Estée Lauder"-Werbegesichts die Fassung: Mit Mut zu hässlicher Selbstentäußerung zwischen Nervenzusammenbruch und Star-Auftritten changierend, verkörpert Paltrow den trostlosen Preis des Erfolgs.

Ulrike Cordes, DPA / DPA
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