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Kinostart "Life in a Day": Ein Film, der die Welt bedeutet

80.000 Filme mit insgesamt 4500 Stunden Material sind eingeschickt worden, nachdem Youtube seine User aufgerufen hatte, einen Tag zu dokumentieren. Und dann wurde es ausgerechnet ein Tag mit einer deutschen Katastrophe. stern.de sprach mit Co-Regisseur John Walker.

Von Sophie Albers

Schönheit und Hässlichkeit, größtes Glück und verzweifelte Trauer. "Life in a Day" ist ein Film der krassen Gegensätze.
Das stimmt. Und manchmal vergisst man fast, dass das alles an einem einzigen Tag passiert ist. Um ehrlich zu sein, haben wir deshalb die Mitte des Films ein bisschen umgeschnitten. Jemand sagt: "Heute ist Samstag der 24. Juli". Eine Erinnerung.

Das Datum ist vor allem für Deutschland ein trauriges. Genau an diesem Tag ist das Unglück bei der Loveparade in Duisburg passiert, das 21 Menschen das Leben gekostet hat. Wie haben Sie das erlebt?
Wir haben hunderte Einsendungen zu dieser Tragödie bekommen. Was mich verfolgt, ist dabei fast mehr der Sound als die Bilder: Man hört die Menschen gleichzeitig feiern und schreien. Sie tanzen, und sie sterben. Diese Bilder gehören zum Film auf eine tiefere Art und Weise, als nur die Details dessen, was passiert ist. "Life in a Day" folgt einer Dramaturgie von der Geburt bis zum Tod.

Und bleibt trotzdem immer hoffnungsvoll.
Ja, so sind die Menschen. Wir sind mehrfach gefragt worden, warum wir keinen Sex zeigen, warum wir kein Sterben zeigen. Aber das tun wir. Wir zeigen alles. Alles, außer es ist langweilig. Ganz wie im richtigen Leben. (lacht)

Aber sogar die Szenen des Mädchens, das sich beschwert, wie langweilig sein Tag war, sind letztlich aufregend.
Ja, sie ist großartig. Da sitzt sie auf der Rückbank ihres Autos, und hinter ihr zieht auch noch ein Sturm auf. Das zeigt doch, dass jeder Tag auf irgendeine Weise ganz besonders ist. An jedem Tag, egal wie banal er uns erscheint, passiert etwas Wichtiges. Wenn ich den Film sehe, habe ich ein ähnliches Gefühl, wie damals, als mein erstes Kind geboren wurde. Meine Frau lag lange in den Wehen, 20 Stunden, und es war sehr heftig für mich als Ehemann, meine Frau in solchen Schmerzen zu sehen. Ich erinnere mich daran, wie ich aus dem Krankenhaus auf die Straße gegangen bin, und da waren all diese Leute, die gerade ihrer Wege gingen. Die in den Bus stiegen, in den Supermarkt gingen. Es hat geregnet. Und ich habe gedacht: Oh Mann, all diese Menschen wurden irgendwann einmal geboren. Was für ein verdammt riesiger Aufwand! (lacht)

Was war das Seltsamste oder Unangenehmste, was auf dem Boden vom Schneideraum gelandet ist?
Da war ein sehr seltsamer Clip aus Ägypten oder Tunesien, ich bin mir nicht mehr sicher woher. Darin liegt ein toter Mann auf einer Trage in einem Operationssaal. Ärzte ziehen etwas aus seinem Rachen. Sie ziehen und ziehen, und heraus kommt ein Schraubschlüssel, ungefähr einen halben Meter lang. Die Ärzte lachen sich kringelig. Ich will gar nicht darüber nachdenken, wie der Schraubschlüssel da hingekommen ist. Dann gab es auch noch eine sehr skurrile Szene mit einem nackten Koreaner, der in der Mitte eines Feldes an einem Harmonium steht, dann auf einen Baum steigt sich mit Milch übergießt und eine Wassermelone isst, dann das Harmonium angreift und schließlich reinklettert. Das kommt auf die DVD, in die Extras.

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