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Kinostart "Tal der Wölfe - Palästina": Cineastische Rache für die "Mavi Marmara"-Toten

Kinostart für den umstrittenen Film "Tal der Wölfe - Palästina": Viel Ballerei, die Toten fallen reihenweise in den Sand. Während in Deutschland Jugendliche nicht ins Kino dürfen, findet man in der Türkei nichts Besonderes an dem Action-Streifen.

Kinotrailer: "Tal der Wölfe: Palästina"

In Deutschland darf "Tal der Wölfe - Palästina" erst ab 18 Jahren gezeigt werden, in Istanbul dagegen lockte der Film am Freitag zum Start vor allem männliche Jugendliche ins Kino. "Mich hat interessiert, wie sie das Thema Palästina umsetzen. Und ich finde, sie haben es genau richtig gemacht", fasst der 22-jährige Batuhan, der eher zu den älteren Besuchern gehört, seinen Eindruck zusammen.

Zwar ist die erste Vorstellung im Istanbuler AFM Kino im Stadtteil Beyoglu nur mäßig besucht, die Betreiber rechnen aber offenbar noch mit wesentlich mehr Zuschauern. Der Streifen läuft immerhin in vier der acht Kinosäle.

Der Plot des Films ist einfach: Der türkische Geheimagent Polat Alemdar und sein Kommando ziehen aus, um mit viel Ballerei und Explosionen den israelischen General Moshe Ben Eliezer zu töten, was in der letzten Filmminute schließlich auch gelingt. Der Grund für ihren Einsatz: Sie wollen Moshe für den israelischen Angriff auf die Gaza-Hilfsflotte um das Schiff "Mavi Marmara" bestrafen, bei dem neun Türken getötet worden waren.

"Tal der Wölfe" habe zu viele Gewaltszenen, um den Film Jugendlichen zeigen zu können, hat die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) in Deutschland festgestellt. Und es stimmt - der Großteil besteht aus Schießereien und Verfolgungsjagden. Entweder sterben israelische Soldaten, oder die palästinensische Zivilbevölkerung muss dran glauben. Sadistische Gewaltexzesse oder voyeuristisches Quälen der Opfer aber gibt es nicht zu sehen im Film - zwar fallen die Toten reihenweise in den Sand, doch die Kamera hält sich damit gar nicht auf, sie muss ja schon die nächste Explosion ins Bild bringen.

Die andere Begründung der FSK war, dass der Film propagandistische Tendenzen enthalte. Wer hier gut und wer böse ist, das wird tatsächlich überdeutlich: Eine unschuldige palästinensische Familie etwa verliert unter einem israelischen Panzer ihr Zuhause, dann wird auch noch die Großmutter erschossen und muss auf den Trümmern ihres Hauses sterben, unter denen ihr Enkelkind begraben wurde.

Warum den Film in Deutschland nur Erwachsene sehen dürfen, kann Kinobesucher Batuhan nicht nachvollziehen: "Das ist nicht antisemitisch, das ist halt ein Actionfilm. Ist doch klar, dass da ein bisschen übertrieben wird", sagt der junge Türke.

Jana Edelmann, DPA / DPA
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