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Kinostart von "Tom Sawyer": Nichts für schwache Nerven

Heike Makatsch, Joachim Król und Benno Fürmann spielen in der Neuverfilmung des Mark Twain-Romans "Die Abenteuer des Tom Sawyer". Wer nicht allzu zartbesaitet ist, kann sich auf gut gemachte, klassische Filmunterhaltung freuen.

Kinotrailer: "Tom Sawyer"

Am Ende - nein, das darf man nicht verraten. Aber eines sei doch gesagt: Es ist ein ziemlich grausiges Ende. Allerdings auch ein sehr spannendes. Und damit ist schon viel erzählt über die Neuverfilmung von Mark Twains Jugendbuchklassiker "Die Abenteuer des Tom Sawyer". Der Film unter dem knapperen Titel "Tom Sawyer" ist sehr fesselnd, doch nichts für schwache Nerven. Die Freiwillige Selbstkontrolle hat den Streifen ab sechs Jahre freigegeben, der Verleih empfiehlt acht Jahre.

Erfolg haben wird der Streifen schon wegen der prominenten Besetzung. Neben Louis Hofmann als Tom Sawyer und Leon Seidel als Huck Finn spielen Benno Fürmann (als fieser Indianer Joe), Joachim Król (als liebenswerter Trinker Muff), Peter Lohmeyer (als gerechter Richter) und Heike Makatsch (als nette Tante Polly). Man mag sie alle, diese knuffigen Charaktere des Autors Mark Twain: den immer zu Streichen aufgelegten Tom, der die Nachbarskinder dazu bringt, für ihn den Zaun zu streichen und sie sogar dafür blechen lässt, seinen Outlaw-Freund Huck, der sich als Landstreicher durchschlägt und alle anderen - mit Ausnahme natürlich von Indianer Joe.

In dessen üble Machenschaften werden Tom und Huck zunächst rein zufällig verstrickt: Bei einer nächtlichen Mutprobe auf dem Friedhof beobachten sie, wie Joe einen Mord begeht und die Tat seinem betrunkenen Kumpel unterschiebt. Aus Angst vor Joes Rache schwören sich die Freunde, dieses Geheimnis niemals preiszugeben. Um Muff vor dem Galgen zu retten, bricht Tom den Schwur. Von da an kämpfen Tom und Huck nicht nur um ihre Freundschaft, sondern auch um ihr Leben.

Nahezu perfekter Filmstoff

Die Vorlage von Mark Twain ist 135 Jahre alt, die Themen aber sind zeitlos. Es geht um die richtige Balance zwischen gesellschaftlichen Zwängen und individueller Freiheit, zwischen Freundespflicht und Gerechtigkeitsempfinden. Zusammen mit der pittoresken Wild-West-Szenerie ein nahezu perfekter Filmstoff. Die erste Verfilmung von 1917 ist fast so alt wie das Genre Film, zwei Streifen aus den 70ern machten das Buch erst so richtig populär, der Film von Hermine Huntgeburth ist schon die fünfte Leinwandversion.

500 Frankfurter Schüler haben den Film zwei Monate vor Kinostart gesehen, beim internationalen Kinderfilmfestival "Lucas". Nach der Weltpremiere erfuhren die Zuschauer exklusiv von der Crew, dass das Mississippi-Dorf nahe Berlin stand und die Außenaufnahmen in Rumänien gedreht wurden. "Benno ist im Film zwar sehr böse, aber normalerweise ist er sehr nett", sagte die Regisseurin, die per Videobotschaft zugeschaltet wurde, weil das Team bereits in Rumänien an der Fortsetzung arbeitet.

Fürmann strafte Hermine Huntgeburth Lügen und biss die Moderatorin, die ihn nach der Weltpremiere in Frankfurt interviewte, spaßeshalber in die Hand. Mit acht oder neun Jahren habe er den Mark-Twain-Klassiker auf Kassette gehört, erzählte Fürmann ("Kennt Ihr noch Kassetten?"): "Tom und Huck, die standen für Freiheit". Vor allem Huck, der Wildere von beiden, "der war als Kind auf jeden Fall ein Rollenmodell für mich".

"Was hatte ich als Kind für eine Angst vor Indianer Joe!", erinnerte sich der Drehbuchautor an frühe Lektüre-Erlebnisse. Sein Drehbuch geht teilweise über die Vorlage hinaus, zum Beispiel gibt es eine Szene, in der Indianer Joe Tante Polly besucht und von ihr zum Abendessen eingeladen wird. Der dämonisch-verführerische Indianer flirtet mit der Tante und versetzt den Neffen zugleich in Todesangst. Eine der besten Szenen des Films.

Sandra Trauner, DPA / DPA