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Sommerfestival Wenn die Bären draußen brüllen – die Berlinale startet

Berlinale
Das Freiluftkino auf der Museumsinsel in Berlin
© Berlinale
Die Berlinale ist zurück. Über zwölf Tage stellt das Festival sein aktuelles Programm endlich auch vor Publikum vor. In Freiluftkinos und mit vielen Höhepunkten. Eine kleine Auswahl.

Seit Montag wuseln ein paar Handwerker über die Berliner Museumsinsel. Sie stellen Stühle auf, verlegen Kabel und Teppich. Normalerweise keine Nachricht von Belang, doch für die Kultur- und Filmszene bedeutet sie nach den langen Leiden der Pandemie so viel wie die Auferstehung an Ostern für die Christenheit.

Es gibt sie noch: die Berlinale. Endlich kehrt er zurück, der rote Teppich. Es wird Premieren geben mit prominenten Gästen und Paten. Nach dem digitalen Vorspiel im März mit Streams lediglich für Branchenvertreter und Kritiker und einer selten glanzlosen Vergabe der Silbernen und des Goldenen Bären ist das Kino endlich zurück auf seinem angestammten Platz: auf großen Leinwänden und vor Publikum. 

Zumindest ein bisschen. Denn die 71. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele von Berlin findet virusbedingt nur draußen statt. 16 überall in der Stadt verteilte Freiluftkinos zeigen in den nächsten zwölf Tagen insgesamt 126 Filme, also fast die gesamte diesjährige Auslese des Festivals. Fast 65.000 Tickets sind dafür im Verkauf unter www.berlinale.de. Sobald man sitzt, darf die Maske abgenommen werden, es besteht aber weiterhin eine Pflicht zum Schnelltesten bzw. der Nachweis einer Impfung oder Genesung.

Die Berlinale startet mit einem Politthriller

Die Eröffnung am Abend des 9. Juni verspricht dafür gleich zum Auftakt einen doppelten Genuss: Gezeigt wird der Politthriller "Der Mauretanier" von Kevin Macdonald (Oscar für die Terror-Doku "Ein Tag im September"), die Hauptdarsteller Jodie Foster und Benedict Cumberbatch werden zumindest digital ihre Grüße übermitteln. Als Gäste am Ort werden Schauspieler wie Iris Berben und Jonas Dassler sowie Regisseure wie Volker Schlöndorff und Christian Petzold erwartet.

Sommerfestival: Wenn die Bären draußen brüllen – die Berlinale startet

Ort des Geschehens ist zudem das derzeit wohl schönste Outdoor-Kino Deutschlands (siehe Foto). Am Rande der Spree, umrahmt von einem Säulengang und gleich drei Museen, darunter die Alte Nationalgalerie, und mit einem zauberhaften Blick auf Fernsehturm und Französischen Dom wurde es gerade auf der Berliner Museumsinsel eingerichtet. Und wird nach dem Ende der Berlinale leider wieder verschwinden.

Was bleibt sind gute Filme, von denen einige auch bald ihren regulären Kinostart feiern können. Fünf Empfehlungen:

"ICH BIN DEIN MENSCH" – Pragmatische Wissenschaftlerin (Maren Eggert) soll neuartigen Partner-Androiden testen und verzweifelt an seiner programmierten Romantik. Der neue Film von Maria Schrader (Emmy für "Unorthodox") vereint spielerisch Komödie und tiefgründige Fragen zu unserem Umgang mit Künstlicher Intelligenz.

"CRYPTOZOO" – Zeichentrick für Erwachsene über eine Tierärztin, die Fabelwesen aufspürt, um sie zu schützen. Das scheitert natürlich grandios und mit so viel bitterer Fantasie, dass einem die Augen übergehen. Vom US-Amerikaner Dash Shaw und mit den Originalstimmen von Zoe Kazan und Michael Cera.

"NEBENAN" – Ein weiteres Glanzlicht unter den diesjährigen Beiträgen aus Deutschland. In dem Regiedebüt von Daniel Brühl trifft ein schnöseliger Schauspieler (Brühl selbst) auf einen verbitterten Ossi (famos: Peter Kurth) und muss sein Leben sezieren lassen. Schmerzhaft und wahr und nach einer Idee von Daniel Kehlmann.

"BAD LUCK BANGING" – Die Satire des Rumänen Radu Jude trägt ihr Thema bereits im Titel. Es geht tatsächlich – und von Anfang an sehr explizit ums Banging, also um Sex und Porno. Und wie sich eine eigentlich seriöse Lehrerin gegen die Doppelmoral der Gesellschaft wehrt, nachdem ein Nacktvideo von ihr versehentlich ins Internet geraten ist. Der diesjährige Gewinner des Goldenen Bären.

"PETITE MAMAN" – das nächste Kunststück der Französin Céline Sciamma. Nach der umwerfenden Liebesgeschichte "Porträt einer jungen Frau in Flammen" schickt sie nun ein kleines Mädchen auf eine emotionale Zeitreise. Einziges Manko: Der hinreißende Film ist nach gerade mal 72 Minuten viel zu schnell vorbei.


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