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Neu im Kino: "Das A-Team" hat ein Männerproblem

"Das A-Team" hat es als Kinoversion trotz größenwahnsinniger Stunts und Special-Effects nicht leicht. Denn die harten Remake-Kerle retten die falsche Welt.

Von Sophie Albers

Ah, die gute alte Zeit: Harte Kerle mit goldenen Herzen und Bizepsgrößen im dreistelligen Bereich als Hüter einer heilen Welt, in der die Guten immer gewinnen und bei Explosionen niemand stirbt. Die amerikanische TV-Serie "Das A-Team" war eine der beliebtesten Männerfantasien der 80er Jahre. Vier Jungs, die von 1983 bis 1987 in 98 Episoden à 45 Minuten Räuber und Gendarm spielten - allerdings mit Panzerfäusten und Kampfjets anstatt mit Holzstöcken und Fahrrädern. Die Erfolgsformel ist die gleiche wie bei "Rocky" und "Harry Potter": Der Außenseiter schlägt zurück. 20 Jahre später hat es "Das A-Team" nun auf die Leinwand geschafft - und wird von Kritikern geschlachtet. Das liegt vielleicht auch daran, dass das neue Abenteuer vor allem eines deutlich macht: Die Zeit dieser Männerfantasie ist abgelaufen.

Was ist das Problem?

Regisseur Joe Carnahan hat sich eigentlich recht fanverbunden ans Vorbild gehalten. Die Besetzung ist wahrlich gelungen: Liam Neeson (der "Schindlers Liste"-Star hat bereits vor drei Jahren in "96 Hours" offenbart, dass er ein Action-Gott ist) spielt Hannibal, den genialen, Zigarrenstumpen kauenden Kopf des A-Teams. "Hangover"-Schönling Bradley Cooper ist der zeitgemäße Face, also der Mann, der Frauen und andere Feinde so lange besoffen quatscht, bis seine Kollegen zum Angriff übergehen. Und sogar für den schlechtgelaunten Muskelberg B.A. Baracus, der auf ewig mit dem auch privat gern goldkettenbehangenen Mr. T besetzt schien, wurde ein angemessener Körper gefunden: der Ultimate-Fighting-Star Quinton "Rampage" Jackson. Und schließlich die Rolle des "Mad Howling" Murdock. An diesem Punkt hätte die Komplettierung des XY-Chromosomen-Quartetts leicht scheitern können. Tat sie aber nicht, als der begnadete Sharlto Copley (bekannt aus "District 9") die Rolle des anarchisch-irren Superpiloten übernahm. Was ist also das Problem? Warum schneidet das neue "A-Team" bei den Kritikern so schlecht ab?

Die Stunts und die Story des Films können es nicht sein, denn die sind genauso hanebüchen und aberwitzig wie vor 20 Jahren - wenn auch der Zeit angepasst. Mittlerweile gibt es Tote, die Vietnamveteranen sind Irak-Soldaten, und den fliegenden Panzer und das Hütchenspiel mit den Schiffscontainern hätte das 80er-Jahre-"A-Team" allein aus technischen Gründen nicht so überzeugend größenwahnsinnig hingekriegt.

Vorwand für die Über-Action ist eine geheime Mission, auf der das A-Team im Irak gestohlene Dollar-Druckplatten und eine Milliarde falsche Dollar zurückbringen soll. Die wird dadurch erschwert, dass die CIA - dargestellt von einem genial-fiesen Patrick Wilson - (mal wieder) falsch spielt und eine ehemalige Flamme von Face (Jessica Biel) ebenfalls hinter den Druckplatten her ist. Das ist nicht besser oder schlechter als die Plots, mit denen sich Ur-Hannibal George Peppard einst herumschlagen musste. Nein, das Problem liegt woanders. Und zwar im Herzen der Geschichte des "A-Teams": Mit den bis aufs Blut loyalen vier Jüngern der traditionellen Werte kann heute kaum einer noch etwas anfangen.

"Sex and the City" auf Testosteron

Genau genommen ist das neue "A-Team" eine anachronistische Testosteron-Version von "Sex and the City". So wie Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte vier Seelen in einer weiblichen Brust verkörpern (Reflexion, Sex, Ratio, Tradition), sind Hannibal, Face, B.A. und Murdoch Sinnbild einer männlichen multiplen Schizophrenie: Weisheit, Schönheit, Kraft und Spieldrang. Problem ist, dass das "A-Team"-Quartett im Gegensatz zu dem von "Sex and City" komplett archaisch wirkt. Denn diese männlichen Urbilder sind heutzutage aufgeweicht, verschoben oder auch einfach ungültig.

Die Weisheit ist in der Liste der erstrebenswerten Qualitäten der Street-Smartness gewichen, schließlich muss sie dem Motto "Nach mir die Sintflut" gerecht werden. Schönheit hält sich ganz gut, auch wenn sie jeden Tag ihre Meinung ändert. Die reine gestählte Muskelkraft gilt schon seit "Rambo III" als dumm. Und der Spieldrang wird so lange unterdrückt, bis er in Koch- oder Gartenshows ins Freie bricht. Und dann diese fanatische Loyalität bis in den Tod, die es vielleicht noch in Berlins arabischen Großfamilien gibt, aber sonst? Nein, "Das A-Team" ist für den Sprung ins neue Jahrtausend einfach nicht geeignet. Sie retten zwar immer noch die Welt, aber eben nicht unsere.

Wer damit kein Problem hat, fühlt sich vielleicht an seine Kindheit erinnert und kann die überkandidelte Action-Unterhaltung genießen: Wenn Hannibal haudegenmäßig grinst und sagt: "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert", als ein Container-Hafen so aussieht, als habe eine Horde Kinder ein Kinderzimmer auseinandergenommen. Wer damit ein Problem hat, muss eben warten, bis ein neues, zeitgemäßes "A-Team" gefunden ist: Hannibal, ein Bankmanager, Face, ein Castingshow-Opfer, B.A., ein minderjähriger Drogendealer und Murdock, ein wild-entschlossener Umweltschützer.

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