Gibt es irgendwo im Weltall intelligentes Leben? Und wenn ja, haben die Außerirdischen vielleicht schon einmal die Erde besucht? Keine klaren Antworten auf diese Fragen lieferte die Veröffentlichung bislang geheimer mutmaßlicher UFO-Akten durch die Trump-Regierung im Mai 2026. Deutlich konkreter wird es in der Alien-Angelegenheit nun hingegen in Steven Spielbergs neuer Regiearbeit "Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit", mit der Hollywoods Altmeister in gewisser Weise an seine frühen Science-Fiction-Werke anknüpft.
"Unheimliche Begegnung der dritten Art" (1977) und "E.T. – Der Außerirdische" (1982) zeichnen ein positives Bild der Geschöpfe aus dem All. Der Mensch indes verhält sich dort im Austausch zum Teil erschreckend destruktiv. So auch im frischen Blockbuster, der eine Nichtregierungsorganisation namens WARDEX in Stellung bringt, die alle Dokumente, Beweise und Filmaufnahmen extraterrestrischer Spuren auf der Erde sammelt und um jeden Preis unter Verschluss halten will. Die Wahrheit, so der Tenor von Leiter Noah Scanlon (Colin Firth), sei eine Gefahr für die öffentliche Ordnung.
Daniel Kellner (Josh O'Connor), ein genialischer Cybersicherheitsexperte bei WARDEX, sieht das jedoch völlig anders und schließt sich einer Gruppe von Deserteuren um Hugo Wakefield (Colman Domingo) an. Ihr Plan: eine Offenlegung aller Materialien. Bevor es zu diesem "Disclosure Day" – eine Anspielung auf die real existierende Disclosure-Bewegung – kommen kann, muss Kellner allerdings zusammen mit seiner bislang nichtsahnenden Freundin Jane (Eve Hewson), einer ehemaligen Nonne, Scanlons Handlangern entkommen.
Plötzlich begabt
Ein zweiter, zunächst parallel ablaufender Handlungsstrang dreht sich um die Wettermoderatorin Margaret Fairchild (Emily Blunt), die für einen Lokalsender in Kansas City arbeitet. Nach der Begegnung mit einem Roten Kardinal, einem in Nordamerika verbreiteten Singvogel, steht ihre Welt plötzlich Kopf. Lebensgefährte Jackson (Wyatt Russell) staunt nicht schlecht, als sie aus heiterem Himmel fließend Russisch parliert. Nur wenig später umgeht Margaret eine Verkehrskontrolle, indem sie dem unbekannten Polizisten offenbart, was sie dank einer spontanen Eingebung über seine angespannte familiäre Situation weiß. Im Fernsehstudio schließlich spricht sie vor laufender Kamera ein aus Knack- und Schnalzgeräuschen bestehendes Kauderwelsch – und bricht zusammen.
Margaret identifiziert Anzugträger im Krankenhaus, vermeintliche FBI-Beamte, rasch als Bedrohung und weiß auf einmal, dass diese den Whistleblower Daniel Kellner suchen. Statt artig im Bett zu bleiben, nimmt die Meteorologin Reißaus, einen verdutzten Jackson im Schlepptau. Ihr Reiseziel: Richtung Norden, denn dort, spürt Margaret, muss sie hin.
Unterdessen brodelt es rund um den Globus, wappnen sich die Nationen für einen möglichen Dritten Weltkrieg. Anspannung liegt in der Luft – behauptet zumindest das von Steven Spielbergs altem Weggefährten David Koepp (unter anderem "Jurassic Park" und "Krieg der Welten") verfasste Drehbuch. Es ist ein Aspekt, den "Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit" trotz eingestreuter Nachrichtenbeiträge und einer Szene, in der die Menschen Hamsterkäufe tätigen, nie richtig greifbar macht. Dass die Welt am Abgrund steht, wie es einmal heißt, spürt man kaum.
Darüber hinaus schaffen es Spielberg und seine Mitstreiter nicht immer, ihre großen Ideen und die existenziellen Fragen sinnvoll zusammenzubinden. Was bedeutet es zum Beispiel für den Glauben an Gott, wenn Aliens tatsächlich existieren? Dieser Gedanke wird angerissen, bleibt dann aber in der Luft hängen. Manche Nebenfigur verabschiedet sich irgendwann zudem aus dem Geschehen, besonders bedauerlich bei der Humorakzente setzenden Dynamik zwischen Margaret und Jackson.
Gut gemachte Popcorn-Unterhaltung
Auch das letzte Drittel hat seine Schwächen, kippt gelegentlich zu sehr ins Kitschige und flirtet mit einer vielleicht etwas naiven Hoffnung: nämlich der, dass die Konflikte auf der Welt zum Stillstand kämen, wenn die Menschen wüssten, dass es da draußen noch anderes Leben gibt. Nicht zuletzt der fragile Wahrheitsgehalt von Bildern in Zeiten immer besser werdender KI-Systeme kommt am Ende ein bisschen kurz.
Ist "Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit" also eine Enttäuschung? Auf keinen Fall. Denn Steven Spielberg versteht es nach wie vor, große Bilder zu erschaffen und die Emotionen des Publikums geschickt zu lenken. Der Mix aus Menschheitsdrama, Science-Fiction-Film und Verschwörungsstory mit Superheldeneinschlag ist dramaturgisch effektiv gebaut. Trotz einer fast zweieinhalbstündigen Laufzeit schleichen sich keine Längen ein, da stark choreografierte Actionsequenzen, eine virtuose Kameraarbeit (verantwortlich: Spielberg-Stammbildgestalter Janusz Kamiński) und gut aufgelegte Darsteller für reichlich Abwechslung sorgen.
Colin Firth gibt einen einprägsamen Widersacher, einerseits knallhart, mitunter aber auch seine menschliche Seite zeigend. Hervorstechen kann aus dem Ensemble vor allem Emily Blunt, die Margarets unverhoffte Gabe, ihren neuen Blick auf die Welt, ihre Überforderung mit großer Spiellust transportiert. Besonders ihretwegen fallen die Unebenheiten nicht zu sehr ins Gewicht.
Disclosure Day - Der Tag der Wahrheit, im Kino ab: 10.06.2026