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Deutscher für Kurzfilm-Oscar nominiert Gruffalo, der Oscar und das vermaledeite Rampenlicht


Kameras geht Jakob Schuh lieber aus dem Weg - zumindest wenn sie in seine Richtung filmen. Doch nach der Oscar-Nominierung für seinen animierten Kurzfilm "The Gruffalo" steht der Deutsche im Rampenlicht. Ob er will oder nicht.

"Das ist schwierig - in der Tat", sagt Jakob Schuh und lacht. Der Gedanke, dass die Kameras bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles mindestens einmal auf ihn gerichtet sein werden, macht ihn nicht froh. Der 34-Jährige, der sein Handwerk wie der Mitnominierte Max Lang an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg gelernt hat, meidet das Scheinwerferlicht. Wer jedoch einen so liebevollen Trick-Kurzfilm wie "The Gruffalo" ("Grüffelo") macht, der muss wohl mit der Öffentlichkeit leben.

Vielleicht ist es seine Bodenständigkeit, gepaart mit einer Portion Bescheidenheit, die den Mann mit dunklem Haar, Brille und Bart lieber im Hintergrund bleiben lässt. Um den Oscar hätte er sich jedenfalls nicht beworben. "Ich wäre da nie drauf gekommen." Doch der Londoner Produzent des Films, Michael Rose, reicht "The Gruffalo" bei der Academy ein. Prompt schlägt die Kinderbuch-Adaption von der pfiffigen Maus und ihrem Monster "Gruffalo" so ein, dass Schuh und sein Student Lang als Regisseure eine Nominierung einheimsen. In einem Atemzug mit dem deutschen Musiker und Oscar-"Dauergast" Hans Zimmer.

"Ich bin stolz darauf, dass die Fans des Buches unisono sagen: "Den Film mögen wir". Das ist bei einer Adaption sehr schwer", sagt Schuh. Für den Film hätten sie Kulissen gebaut und gefilmt. In Aufnahmen dieser Sets seien dann im Nachhinein die 3-D-Charaktere mit Hilfe des Computers hineingeboren worden: die Maus, die Eule, die Schlange, der Fuchs und natürlich "Gruffalo". Rund 40 Beteiligte, zwei Jahre Kleinarbeit.

Jakob Schuh pendelt zwischen Ludwigsburg, Berlin und London. Familiär wäre dem gebürtigen Münchner eigentlich der Weg zum Architekten vorbestimmt gewesen. Doch drückt ihm sein Stiefvater 1996 einen Zeitungsartikel über die Ludwigsburger Filmakademie in die Hand. Ein Schnupperbesuch, und es ist um ihn geschehen: Herzlich sei es, mit viel Verstand gemacht, kompetent und erfolgreich.

Der Filmakademie verdankt er auch seine kreativen Mitstudenten und heutigen Partner im Studio SOI - "drei grafisch schöne Buchstaben: Schlange, Kreis und Strich". Heute unterrichtet er selbst in der Barockstadt. Viel habe sich verändert. "Ich hatte erst 1999 eine E-Mail-Adresse. Heute machen die Kinder schon mit 13 ihre ersten Filme am Computer."

Von der Trickfilm-Branche spricht er voller Respekt. "Dafür, dass es die Filmwelt ist, gibt es wahnsinnig wenig Ego", sagt er. Das habe auch damit zu tun, dass man sich untereinander kenne und dass ein großer Teil der Arbeit eben auch Handwerk und damit messbar sei. "Die schiere Arbeit hält uns am Boden." Eine Frage bleibt dem Oscar-Aspiranten natürlich nicht erspart. Die Antwort fällt ähnlich aus, wie bei seiner Bescheidenheit zu erwarten: "Ich werde den Oscar nicht gewinnen", sagt er.

Wenke Böhm, DPA DPA

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