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Sean Connery: Ewiger James Bond und "Sexiest Man of the Century"

Viele bringen Sean Connery vor allem mit James Bond in Verbindung. Dabei hat der Schotte viel mehr geleistet: Er drehte mit den größten Regisseuren seiner Zeit, gewann 1987 den Oscar und wurde 1999 zum "Sexiest Man of the Century" gewählt.

Von Carsten Heidböhmer

Sean Connery

Sean Connery als James Bond

James Bond, Oscar-Gewinner, "Sexiest Man of the Century": Sean Connery, der am 25. August 80 wird, hat in seinem Leben viel erreicht. Geboren wurde Connery am 25. August 1930 im schottischen Edinburgh. Er entstammt ärmlichen Verhältnissen. Schon mit 13 verließ er die Schule. Mit Jobs als Milchmann und als Bademeister besserte er in den Kriegstagen das Familiengeld auf. Im Alter von 16 Jahren verpflichtete er sich bei der Royal Navy, doch schon nach etwas mehr als zwei Jahren musste er die Marine aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Danach schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch, unter anderem arbeitete er als Aktmodel und Möbelpolierer.

Seit dieser Zeit betreibt er auch Bodybuilding - mit großem Erfolg: 1950 wurde er schottischer Meister. Bei der Wahl zum "Mr. Universum" landete er auf dem dritten Platz. Seine Triumphe als Bodybuilder führten dann zu seinen ersten Schauspiel-Engagements. 1957 war er in "Die blinde Spinne" erstmals im Kino zu sehen.

Auch Hitchcock wollte mit ihm drehen

1962 bekam er dann die Rolle, die ihn schlagartig berühmt machen sollte - und die ihm bis heute anhängt: In "James Bond jagt Dr. No", der Verfilmung eines Romans von Ian Fleming, spielte Connery den Geheimagenten 007. In kurzem Abstand folgten zwei weitere Bond-Filme: "Liebesgrüße aus Moskau" (1963) und "Goldfinger" (1964), die Connery zum weltweit gefeierten Schauspieler machten.

Dass er auch für reifere Rollen geeignet ist, bewies Sean Connery 1964 in Alfred Hitchcocks Psychothriller "Marnie". Darin spielt er einen Verleger, der eine Kleptomanin (Tippi Hedren) auf frischer Tat ertappt und zwingt, ihn zu heiraten. In der Ehe stellt sie sich als frigide heraus - und der Ehemann geht ihren Störungen auf den Grund. Im Jahr darauf drehte er mit dem Regisseur Sidney Lumet, 1965 und 1967 war er wieder als James Bond unterwegs. 1971 trat er in "Diamantenfieber" zum sechsten und - vorerst - letzten Mal als Bond vor die Kamera.

Privat verlief sein Leben in jenen Jahren in ruhigeren Bahnen. 1962 hatte Sean Connery die australische Schauspielerin Diane Cilento geheiratet. Aus dieser Ehe ging der Sohn Jason hervor. 1973 trennte sich das Paar.

Charakterrollen in den 70er Jahren

Nachdem er sein Engagement als James Bond beendet hatte, stellte er seine Befähigung zum Charakterdarsteller unter Beweis, unter anderem in dem brillanten Psychodrama "Sein Le ben in meiner Gewalt" von Sidney Lumet aus dem Jahr 1972. Mitte der 70er Jahre spielte er in mehreren Abenteuerfilmen, darunter "Der Wind und der Löwe" und - an der Seite seines langjährigen Freundes Michael Caine - in "Der Mann, der König sein wollte", die beide 1975 ins Kino kamen. 1975 heiratete Connery in zweiter Ehe die Malerin Micheline Roquebrune, mit der er bis heute glücklich zusammenlebt.

1976 war er an der Seite von Audrey Hepburn in Richard Lesters "Robin und Marian" als Robin Hood zu sehen. Inzwischen stand Connery zu seinem schütteren Haar und legte sein Toupet ab, das er noch in den Bond-Filmen getragen hatte. 1991 spielte er ein zweites Mal in einem Film über den Rächer von Sherwood Forest mit: In dem Kinoerfolg "Robin Hood - König der Diebe" hatte der Schotte am Schluss des Films einen Kurzauftritt - als Englands König Richard Löwenherz.

1983 tat er's dann noch einmal: Nachdem er Anfang der 80er Jahre mehrere Flops gelandet hatte, schlüpfte er mit 53 Jahren in den eleganten Smoking und verkörperte in "Sag niemals nie" den Superagenten 007. Der Film lief außerhalb der offiziellen James-Bond-Reihe, da er nicht von dem Gespann Broccoli/Saltzman produziert wurde.

In "Highlander - Es kann nur einen geben" spielte er 1986 einen Unsterblichen. Wie passend: Inzwischen hatte sich Connery wirklich unsterblich gemacht - und war nur noch ein Jahr von der Krönung entfernt: dem Oscar. Den gab es endlich 1987 für seine Rolle in Brian de Palmas "The Untouchables - Die Unbestechlichen". Connery spielt darin einen Polizisten im Kampf gegen Al Capone und die Prohibition. Der Film war mit Kevin Costner, Andy Garcia und Robert De Niro erstklassig besetzt - und doch ragte Connery heraus. Er erhielt den Oscar für die beste Nebenrolle. Daneben wurde er auch mit dem Golden Globe ausgezeichnet.

Höchste Ehrungen für Sean Connery

1989 erhielt er dann eine weitere Auszeichnung, die fast ebenso schmeichelhaft ist: Das "People"-Magazin wählte ihn zum "Sexiest Man Alive". Und zehn Jahre später wurde er sogar zum "Sexiest Man of the Century" gewählt. 2005 erhielt Connery in Berlin schließlich den Europäischen Filmpreis für sein Lebenswerk - die höchste Auszeichnung, die ein Filmschauspieler in Europa erhalten kann. Seit 2000 darf er sich zudem Sir Sean Connery nennen: Für seine Verdienste um Schottland schlug ihn Königin Elisabeth II. zum Ritter.

1989 wechselte Connery erneut ins Seniorenfach: In "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" spielte er den Vater von Harrison Ford - dabei trennt die beiden Schauspieler gerade mal zwölf Jahre. Im gleichen Jahr war er in "Family Business" als Vater des sieben Jahre jüngeren Dustin Hoffman zu sehen.

Anfang der 90er Jahre glänzte Connery in zwei Filmen, die den Kalten Krieg zum Thema haben. In dem Actionthriller "Jagd auf Roter Oktober" spielte er 1990 einen sowjetischen U-Boot-Kommandanten. Im selben Jahr spielte er in der John-Le-Carré-Verfilmung "Das Rußland-Haus" einen Verleger, der in der Sowjetunion in eine Spionageaffäre verwickelt wird.

Schotte mit Leib und Seele

Doch in den folgenden Jahren bewies er nicht immer Gespür bei seiner Rollenauswahl und nahm immer wieder Rollenangebote zweitrangigen Filmen an. 1999 wollte er es dann noch einmal wissen: An der Seite von Catherine Zeta-Jones spielte Connery in dem romantischen Thriller "Verlockende Falle" einen alternden Meisterdieb, der sich in eine junge Kollegin verliebt - doch so ganz wollte die Rolle des glühenden Liebhabers nicht mehr zu ihm passen.

Connery ist mit Leib und Seele Schotte. Gerne zeigt er sich im Kilt. Wie ernst es ihm mit dem Patriotismus ist, zeigt auch der Titel seiner Autobiografie: Sie trägt den Titel "Being a Scot". Seit Jahrzehnten bemüht er sich um seine Heimat. Er gründete die Stiftung "Scottish International Educational Trust", die Stipendien an begabte Schotten vergibt. Unter anderem floss seine Millionengage für den James-Bond-Film "Diamantenfieber" in die Stiftung. Daneben setzt sich Connery für die Unabhängigkeit Schottlands ein und ist Mitglied und Förderer der Scottish National Party. Dass er seine Heimat vor langer Zeit verlassen hat, scheint für ihn kein Widerspruch zu sein. Das Letzte, was man von ihm hörte: Die spanischen Behörden ermitteln gegen ihn wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Doch das soll die Freude an diesem Tage nicht trüben: Happy Birthday, Sean Connery!