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Streitgespräch mit Kokowääh-Regisseur Til Schweiger: "Entspannen Sie sich, Herr Schweiger"

Angefangen hat es mit einer Antwort auf die Kritik zu seinem neuen Film "Kokowääh" auf stern.de. Nun hat sich Til Schweiger mit Redakteurin Sophie Albers zum Streitgespräch getroffen. Ring frei.

Ständig werden Artikel über Til Schweiger veröffentlicht. Warum haben Sie ausgerechnet auf den auf stern.de reagiert?
Es ist ein Feldversuch, fühlen Sie sich doch einfach geehrt, dass ich auf Ihre Kritik reagiert habe. Ich habe in den letzten Jahren wirklich ein dickes Fell entwickelt. Damit muss man erstmal umgehen können, wenn man so angegriffen wird. Das ist nicht leicht, glauben Sie mir. Aber ich wollte einfach ein paar Sachen klarstellen, die meiner Meinung nach nicht richtig waren.

Sie sind der erfolgreichste deutsche Filmemacher und haben ein Millionenpublikum. Warum entspannen Sie sich nicht einfach?
Ich bin entspannt. Aber ich bin ein sehr engagierter Mensch und sehr emotional. Ich muss meinen Ärger rauslassen. Das ist gesünder, als ihn in sich reinzufressen.

Was genau ärgert Sie?
Zum Beispiel, dass Sie meine Filme als frauenfeindlich und perfide bezeichnen. Perfide ist ein ganz schlimmes Wort. Das hieße ja, ich würde mich mit meiner Koautorin hinsetzen, um den perfekten frauenfeindlichen Film zu kreieren und zwar so geschickt, dass es keiner merkt. Das ist doch absurd. Meine Filme sind im übrigen keine Chick-Flicks. Chick-Flicks sind Filme mit Kate Hudson und Matthew McConaughey.

Ich war häufig im Kino, um Ihre Filme zu sehen - denn es gibt ja keine Pressevorführungen. Es kommen fast nur Frauen. Männer sind nur als Anhang dabei.
Pech gehabt. Unsere Zuschauererhebungen sagen etwas anderes. "Sex and the City" ist ein Chick-Flick. Da ist kein Mann reingegangen. Bei uns sind fast die Hälfte Männer: 45 Prozent.

Die da allein reingehen?
Zum Teil. Die meisten gehen mit Partner.

Bei "Kokowääh" saß ich zwischen vier Frauen und einem Pärchen. Am Ende hat eine der Frauen vor Wut geschnaubt, und die auf der anderen Seite hat geweint. Intensiver geht es kaum. Das ist besser als Indifferenz, die ein Kate-Hudson-Film abkriegen würde. Deshalb noch mal die Frage, warum Sie sich nicht zurücklehnen, lächelnd die Zuschauerzahlen abnicken und die Kritiker ignorieren.
Das Gros der Kritiker ist lustigerweise einem Kate-Hudson-Film gegenüber toleranter als gegenüber meinen Filmen. Die sagen: Ach, das ist halt seichtes Hollywood, kann man sich aber ansehen.

... und Sie sind "seichtes" Deutschland?
Ich würde "Kokowääh" nicht als seicht bezeichnen. Das ist ein Film, der viele Menschen emotional tief berührt. Jetzt sagen Sie mir endlich, warum meine Filme frauenfeindlich sind.

Für mich taugt keine der Frauen als Identifikationsfigur. Das sind alles abhängige Mädchen, die ihr Hirn ausschalten, sobald der Kerl auftaucht und nur noch ihrer biologischen Bestimmung folgen wollen.
Wen meinen Sie genau? Anna? Anna Gotzlowski ist eine völlig moderne, aufgeklärte, selbständige Frau, die sich in einen Typen verliebt, den sie anfangs nicht leiden kann. Dieser blöde Macho, der einfach nur 'ne dicke Fresse hat, bastelt auf einmal so ein süßes Tier mit Seele: den Keinohrhasen. Und sie verliebt sich in ihn. Aber deshalb ist sie doch nicht abhängig. Sie ist cool und nimmt sich was sie möchte.

Im Kino ist eine Frau aufgestanden, hat gerufen, dieser Film sei ein Affront und ist rausgestürmt.
Und Millionen sind sitzengeblieben. Eine andere Meinung ist ja in Ordnung, aber Sie können doch nicht hingehen und sagen, dass vier Millionen Frauen und zwei Millionen Männer sich die Zeiten vor der Emanzipation zurückwünschen.

Doch, das glaube ich, zumindest teilweise. Das Weltbild, das Sie in Ihren Filmen transportieren ist sehr einfach, komplett Schwarz-Weiß.
Ja. Jede Comedy oder Romantic Comedy muss eine einfache Storyline haben. Das liegt in der Natur der Sache.

Und ich glaube, dass Menschen eine Grundsehnsucht nach eben diesem Schwarz-Weiß haben, weil sie jeden Tag soviel Grau um die Ohren gehauen bekommen. Deshalb sind Ihre Filme der perfekte Eskapismus.
Gut erkannt. Wobei Eskapismus sehr negativ klingt. Ich würde eher sagen, meine Filme laden zum Träumen ein.

Aber übertreiben Sie nicht ein bisschen? Am Ende von "Kokowääh" servieren Sie diese Orgie von Friede-Freude-Eierkuchen-Bildern: glückliche Menschen im Gegenlicht, lachendes Kind im Brunnen, slow motion. Entschuldigen Sie, aber mich bringt das zum Lachen.
Weil sie sich von vornherein verschließen. Ihre Meinung steht schon fest.

Nein, das ist nicht wahr.
Doch. Man kann sich jedem Film verschließen. Deshalb habe ich auch aufgehört, Pressevorführungen zu geben, weil ich weiß, dass ein Großteil der Kritiker hingeht und denkt: "Äh, Til Schweiger, habe ich eh keinen Bock drauf." Ich kann mich hinsetzen und mich verschließen und sagen, diese Montage ist doch lachhaft. Ich kann mich hinsetzen, "Terminator 2" gucken - einer der großartigsten Filme von James Cameron überhaupt - und sagen: Es gibt keine Roboter, die aus der Zukunft kommen, schon gar nicht mit 'nem österreichischen Akzent. Und schon fällt der Film in sich zusammen.

Das ist ein netter Vergleich. Aber warum immer wieder der Vorschlaghammer der totalen Idylle?
Weil es schön ist!

Das ist Kitsch!
Wenn ich sage, das ist Kitsch, dann habe ich Angst, etwas zuzulassen.

Immer?
Nein, nicht immer. Natürlich gibt es totalen Kitsch.

Zum Beispiel?
Ich fand "Avatar" wahnsinnig kitschig. "König der Löwen" war auch kitschig, trotzdem habe ich geweint, als der Kleine König wird.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, bei welchem Film Schweiger geweint hat und was ihm an "Leon der Profi" missfällt

Weinen Sie häufig im Kino?
Wenn es gut gemacht ist, ja. Bei "Hereafter" habe ich eine Stunde lang geheult. Auch noch auf der Rolltreppe nach draußen.

Sind Sie harmoniesüchtig?
Kein Mensch will eine romantische Komödie sehen, die schlecht ausgeht! Ich kriege Briefe von Müttern und Vätern, die sagen, dass sie jetzt zum zweiten Mal mit ihren Kindern in den Film gehen, weil die Kinder ihn so lieben. Nennen Sie es Eskapismus, aber ich will keine Filme sehen, in denen das Böse gewinnt. Ich möchte mich mit dem Film noch beschäftigen können, wenn ich aus dem Kino komme. Das habe ich nach "Léon der Profi" auch gemacht, aber nur weil ich nicht wahrhaben wollte, dass am Ende alles schiefgeht. Warum muss Léon am Ende erschossen werden?

Weil er ein Killer ist.
Die Quittung dafür habe ich beim "Eisbär" bekommen. Da wollte ich die beiden Killer überleben lassen. Aber leider habe ich mich vom Autoren bequatschen lassen, der meinte, sie müssten bestraft werden. Der Film hätte deutlich mehr Zuschauer gehabt, wenn sie überlebt hätten.

Sie machen Test-Screenings, um die Reaktionen auf Ihre Filme zu sehen, bevor sie ins Kino kommen. Ist der Til-Schweiger-Film also Berechnung? Oder kommt die Idylle doch aus Ihnen?
Nein, die kommt aus mir. Test-Screenings machen heute alle, gerade im Unterhaltungsfilm. Wenn der Film durchfällt, kann man sich sehr viel Geld im Marketing sparen.

Sie haben einen Hang zur Kontrolle, oder? Das würde auch den Umgang mit den Kritikern erklären.
Der Erfolg eines Films ist nicht kontrollierbar. Ich habe letztes Jahr einen Regie-Workshop gegeben, und die Teilnehmer wollten immer wieder wissen, was mein Geheimnis ist, wieso ich jedes Mal das Publikum erreiche. Ich habe immer nur gesagt: Es gibt kein Geheimnis. Wenn es das gäbe, gäbe es nur noch erfolgreiche Filme. Aber selbst die größten Jerry-Bruckheimer-Projekte sind schon gefloppt. Wenn es ein Geheimnis für einen Unterhaltungsfilm gibt, dann das: Ich darf nicht langweilen. Filme dürfen den Zuschauer nicht quälen. Außerdem kann ich Kritiker nicht kontrollieren, ich kann nur dafür sorgen, dass sie sich ihr Kinoticket kaufen müssen, um meinen Film zu besprechen.

Was war der letzte Arthouse-Film, den sie gesehen haben?
Das ist lange her. Da komme ich jetzt nicht drauf. Ich knipse die ja wieder aus...

Wie lange geben Sie einem Film denn?
Wenn er mich fünf Minuten lang quält, dann muss ich mich echt zwingen weiterzugucken.

Geht nicht beides nebeneinander - Arthouse und Mainstream?
Natürlich geht das! Es gibt in Deutschland 180 Filme im Jahr.160 davon sind sogenanntes Arthouse. Der erfolgreichste Film letztes Jahr war übrigens die Komödie "Friendship".

Die ein trauriges Ende hat. Für jeden Lacher eine Träne.
"Friendship" hat mehr Lacher als Tränen, und das Ende ist ein hoffnungsvolles. Bei "Kokowääh" weinen die Leute am Ende auch.

Ich weiß aber nicht warum.
Weil sie emotional ergriffen sind. Ich bin als Kind ins Kino gegangen, um unterhalten zu werden. Mein Lieblingsfilm war "Le Professionnel" mit Jean Paul Belmondo. Als er seine Mission erfüllt hat, geht er am Ende zum Helikopter und wird erschossen. Das hat mich immer geärgert, dass der sterben muss. Ich habe lange versucht, die Rechte zu bekommen, um den Film noch mal zu machen und ihn überleben zu lassen. Ich wollte Filme sehen, die mich in eine andere Welt entführen. So was wie "Saturday Night Fever" mit Travolta oder "Birdy" von Alan Parker. Das versuche ich mit meinen Filmen auch. Meine Filme haben durchaus eine Botschaft. In "Keinohrhasen" war die: Man sieht sich immer zwei Mal. Also behandle die Leute immer so, wie du selbst behandelt werden willst. Hark Bohm hat mich mal den moralischen Filmemacher Deutschlands genannt, das hat mich gefreut. "Nordsee ist Mordsee" war mein Lieblingsfilm als Zwölfjähriger.

Haben Sie das Gefühl, nach dem Tod von Bernd Eichinger noch mehr für das Erzählkino kämpfen zu müssen?
Nein, es fällt mir ja ziemlich leicht. Ich mache einen Film erst, wenn ich mit dem Drehbuch zufrieden bin. Wenn du ein gutes Drehbuch hast, ist der Rest nicht schwer. Ich habe schon so viele Drehbücher entwickelt, die ich weggeschmissen habe, weil sie nicht funktioniert haben.

Sind Sie der ideale Durchschnitts-Kinozuschauer?
Nein, aber ich habe auf jeden Fall ein Gefühl für Mainstream. Wir machen Filme, die qualitativ über dem Schnitt liegen, die von ihrer Machart her sehr hervorstechen – von der Kameraführung bis zur Ausstattung. Und das kostet sehr viel Geld und unheimlich viel Mühe und Kreativität von vielen Menschen, einen Film so aussehen zu lassen. Einfach eine Kamera ungeschnitten 30 Sekunden aus dem Autofenster zu halten und an einem Industriegebiet vorbeizufahren, da frage ich mich doch, was der Regisseur mir damit sagen will? Das ist nicht schwer, das kann meine Oma auch.

Aber es geht nicht nur um die Form, sondern auch um den Inhalt.
Absolut. Und so eine Geschichte wie "Kokowääh" gab es in Deutschland noch nicht. Das Drehbuch ist - rein vom Aufbau - perfekt. Es ist nicht einfach, so ein Buch zu schreiben. Das können Sie mir ruhig glauben. Wenn es einfach wäre, gäbe es sehr viele davon. Gibt es aber nicht.

Ist die Welt von "Keinohrhasen" und "Kokowääh" eigentlich Ihre persönliche Utopie, ist das Nostalgie, eine Wunschwelt, was ist das?
Meine Wunschwelt habe ich in "Barfuss" gebaut, deshalb ist das auch nach wie vor mein Lieblingsfilm. Das war mein modernes Märchen über die bedingungslose Liebe. "Keinohrhasen" ist eine romantische Komödie, also auch eine Art Märchen. Sie konnten sich zwar nicht mit den Protagonisten identifizieren, aber ganz viele konnten das. "Kokowääh" ist ziemlich realistisch geworden. Die idyllischen Bilder am Ende sind eine Zugabe. Der Film endet in der Bar. Wem die Bilder am Schluss zu kitschig sind, der kann ja aufstehen und gehen.

Sophie Albers
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(